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Hochschule der Medien

Lehre an der HdM

Drei Gesichter der Fotografie

Die Kunst des Fotografierens hält in vielen Bereichen Einzug, zum Beispiel in der Werbung, in der Drucktechnik oder auch in der Wissenschaft. Ihre Erscheinungsformen sind entsprechend vielseitig, auch an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart. Wir haben drei Dozenten gefragt, welche ihre Auffassung von Fotografie ist und wie sich ihre Lehre gestaltet.

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Prof. Ronald Schaul führte mit seinen Studenten ein CGI-Projekt durch. © Ronald Schaul
Die technische Konzeption einer Fotografie

Ronald Schaul ist Professor für digitale Fotografie und CrossMedia-Technologie im Studiengang Druck- und Medientechnologie an der HdM. Er führt die Studenten in mehrere Techniken der Fotoproduktion ein, wie der fotografischen Reproduktion von Malereien und Kunstwerken oder dem Gestalten von Werbebildern für Kataloge, Web-Shops und Werbekampagnen. Dabei sind die digitale Bildbearbeitung und die Erstellung von fotorealistischen Computergrafiken (Computer Generated Imagery, kurz CGI) unerlässlich. So führte Prof. Ronald Schaul zum Beispiel mit seinen Studenten ein CGI-Projekt durch, bei dem ein Auto in das Foyer der Stuttgarter Oper realistisch hineinretuschiert wurde. "Am Ende des Tages besteht die Fotografie zu 99 Prozent aus technischen Prozessen", erklärt der Professor. "Es reicht nicht, eine Idee zu haben und auf den Knopf zu drücken. Man muss sich überlegen, wie man die Fotografie am besten technisch konzipiert."

Ronald Schaul zufolge, habe der Fotograf ein bestimmtes Ziel vor Augen, eine Vorstellung davon, wie er ein Objekt fotografisch darstellen möchte. Die Umsetzung dessen gelinge jedoch nicht ohne eine gute Konzeption der technischen Prozesse, mit denen der Fotograf sein Ziel auch unter ökonomischen Anforderungen erreichen könne. Prof. Ronald Schaul verdeutlicht zudem in seiner Perspektive als Medienhersteller, wie das Geschäft der Fotografie heutzutage überwiegend aus technischen Umsetzungsprozessen besteht, in denen Fotografien für Werbung, Zeitschriften, Postkarten oder Kataloge in Massen produziert oder für das Web aufbereitet werden. "75 Prozent der Bilder in einem IKEA-Katalog entstehen heute im Wesentlichen am Computer", erklärt er. "Für unsere Studenten ist es daher wichtig, nicht nur fotografisch zu arbeiten, sondern auch diese technischen Schritte durchführen zu können."

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Helena Ebel beim Fotografieren einer Bekannten. © Hamid Esfahlani
Die Subjektivität im Porträt

Helena Ebel ist Technische Angestellte an der HdM und führt die Studenten der Fakultät Information und Kommunikation in die Praxis des Fotografierens ein. Sie ist selbst Fotografin und hat als frühere HdM-Studentin Fotografie-Kurse bei den Professoren Ronald Schaul und Dr. Johannes Schaugg belegt. "Bei Prof. Schaugg konnte zum Beispiel jeder eine eigene Fotografie mitbringen, und wir haben im Kurs darüber geredet. Das hat mir Lust gemacht, selbst zu lehren", erzählt Ebel. Ihre Leidenschaft als Fotografin sei das Anfertigen von Porträts, zum Beispiel von Neugeborenen und von Hochzeiten. Das Porträt ermögliche, das Wesen eines Menschen einzufangen und in der Fotografie ausstrahlen zu lassen. Am meisten Spaß hätte sie beim Fotografieren von Bekannten. "Meine Kinder müssen hauptsächlich dafür herhalten", lacht die Dozentin.

Ebel betont, dass der Bedarf an guten Fotografen nach wie vor besteht: "Das Porträt ist eines der schwierigsten Themen in der Fotografie. Man braucht neben einem guten Einfühlungsvermögen auch die entsprechende Technik, die es zu beherrschen gilt. Das Smartphone reicht nicht, um gute Porträts zu machen, da das Objektiv der Kamera physikalisch bedingt keine genügend lange Brennweite hat."

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Prof. Dr. Johannes Schaugg fotografiert Straßen und Plätze, die ihm etwas bedeuten. © Dr. Johannes Schaugg
Fotografie als Methode

Prof. Dr. Johannes Schaugg lehrt Fotografie im Bachelorstudiengang Audiovisuelle Medien und im Masterstudiengang Elektronische Medien an der HdM. Bei ihm bekommen die Studenten des Masters beispielsweise die Aufgabe, einen Ort fotografisch zu dokumentieren und dann durch Bildbearbeitung zu transformieren. Im Bachelor liegt das Augenmerk auf der Technik und auf der Kunstgeschichte: Die Studenten interpretieren fotografisch ein Gemälde aus der Zeit, in der Fotografie noch nicht erfunden war. Sie setzen sich mit den Unterschieden auseinander, wie Objekte visuell einerseits durch Malerei und andererseits durch Fotografie dargestellt werden.

"Fotografie ist eine Methode, wie zum Beispiel auch die Schrift, mit der die Welt beschrieben wird. Sie wird intellektuell unterschätzt, weil heutzutage alle eine Kamera haben. Doch sie ist ein wichtiges dokumentarisches Instrument und lässt uns auf andere Fragen stoßen als eine schriftliche Arbeit", unterstreicht Prof. Dr. Johannes Schaugg. Sein Anliegen ist, dass das Fotografie-Genre stetig entwickelt und vorangetrieben werden soll, wie es der deutsche Fotograf August Sander zu Beginn des 20. Jahrhunderts tat. In seinen eigenen Arbeiten als Fotograf schätzt Johannes Schaugg die Nähe zu Menschen und fotografiert Plätze und Straßen, die ihm persönlich etwas bedeuten. "Ich bin ein Spaziergänger in der Stadt. Ich mag die Dynamik auf den Straßen und nehme sie auf", erzählt er. "Welchen Wert meine Fotografien heute haben, kann ich selber nicht bestimmen. Ich wünsche mir eher, dass sie in fünf bis zehn Jahren ein Spiegel der Zeit sind, in der sie aufgenommen wurden."

Alexandra Seidel

VERÖFFENTLICHT AM

16. März 2016

KONTAKT

Prof. Ronald Schaul

Wirtschaftsingenieurwesen Medien

Telefon: 0711 8923-2173

E-Mail: schaul@hdm-stuttgart.de

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Prof. Dr. Johannes Schaugg

Audiovisuelle Medien

Telefon: 0711 8923-2240

E-Mail: schaugg@hdm-stuttgart.de

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Prof. Dieter Eichhorn M.A.

am 07.04.2016 um 14:57 Uhr

ehemalige Dozent von 1982 - 1997. Bin tief beeindruckt, das gab es damals alles noch nicht, was waren wir eine brave und einfache Gesellschaft. Ich bin jetzt 83 und würde gerne nochmals meine alte FH besuchen und bestaunen.

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