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Panama-Papers: Investigativer Journalismus führt zur Enthüllung

400 Journalisten von 100 Medien aus 78 Ländern berichteten letzte Woche zeitgleich über die "Panama-Papers" und windige Offshore-Geldgeschäfte in Panama, auf den Bahamas und den Seyshellen. Sie enthüllen damit Geheimgeschäfte in Steueroasen von hunderten von Politikern, Prominenten und Sportgrößen. Aber wer sind eigentlich die Journalisten, die hinter der weltweiten Enthüllung stehen?

Blick auf die Skyline von Panama. Foto: Oliver Brunner  / pixelio.de

Blick auf die Skyline von Panama. Foto: Oliver Brunner / pixelio.de

Alles begann mit einer anonymen Nachricht an Bastian Obermayer, Redakteur der "Süddeutschen Zeitung": „Hier spricht John Doe. Interessiert an Daten?". John Doe spricht von über elf Millionen Dokumenten, die er an die Zeitung weiterleitet - ein Informationsschwall, den eine Redaktion, ganz zu schweigen von einem einzelnen Redakteur, kaum bewältigen kann. Den Dokumenten nach haben Politiker und Prominente in einer Vielzahl von Ländern mit den Geldgeschäften Profit gemacht - somit also skandalträchtige Unterlagen, die im Umgang fundierte Recherche und Professionalität fordern. Der Rechercheverbund der "Süddeutschen Zeitung", des WDR und NDR zählt daher auf die Unterstützung eines international tätigen Journalistennetzwerks.

International Consortium of Investigative Journalists

Die Journalistenorganisation "International Consortium of Investigative Journalists ", kurz ICIJ, wurde 1997 als Projekt des "Center for Public Integrity" (CPI) gegründet. Das CPI ist eine gemeinnützige Organisation in den USA, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, "Machtmissbrauch, Korruption und Pflichtverletzung durch mächtige öffentliche und private Institutionen aufzudecken". In Auseinandersetzungen mit Lobby-Organisationen lieferte sich das CPI beispielsweise einen erbitterten Streit mit der Tabak-Industrie. Dabei wurden immer wieder vertrauliche Dokumente aus den Unternehmen an die Öffentlichkeit gezerrt. Mit dem ICIJ wollte das CPI Ende der 90er Jahre den Fokus der investigativen journalistischen Arbeit über die Grenzen der USA hinweg erweitern. Im ICIJ kooperieren daher 190 Journalisten in über 65 Ländern und arbeiten gemeinsam an besonders rechercheaufwändigen und brisanten Geschichten. In Teams von drei bis zu 100 Personen arbeiten qualifizierte Journalisten aus aller Welt zusammen mit Kollegen aus dem Büro in Washington D.C. mit den höchsten Standards in Sachen Fairness und Sorgfalt. Während der letzten Jahre konnte das ICIJ so bereits mehrere skandalträchtige Fälle aufdecken.

Deutsche Beteiligung

Aus Deutschland gehören dem ICIJ Georg Mascolo als Leiter des Rechercheverbunds von Süddeutscher Zeitung, WDR und NDR, der SZ-Journalist Bastian Obermayer, Hans Leyendecker und Frederik Obermaier sowie Julia Stein an, die beim NDR als stellvertretende Leiterin im Ressort Investigation tätig ist. International gehören unter anderem Journalisten von "The Guardian" und "Le Monde" sowie von dem BBC und dem ORF zu den ICIJ-Mitgliedern.

Ein Jahr lang recherchierte das ICIJ unter dem Siegel der Verschwiegenheit und hatte Zugriff auf die bislang größte Menge an vertraulichen Daten. Folglich markieren die Panama-Papers einen Meilenstein im investigativen Journalismus.

 

Quellen:

tagesschau.de

icij.org

ndr.de

augsburger-allgemeine.de

tagesspiegel.de

 

 

 

Susi Mannschreck

VERÖFFENTLICHT AM

13. April 2016

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