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Forschungsprojekt 13. April 2016

Die intelligente Küche

Wie sieht die Küche der Zukunft aus? Diese Frage stellen sich Wissenschaftler der HdM, der Universität Stuttgart und der Gerätebauer E.G.O. aus Oberderdingen. Das Team möchte mit der "SmartKitchen" das Kochen der Zukunft intuitiver, geselliger und faszinierender machen. Über die Inhalte und Ziele des Forschungsprojekts hat die Hochschulkommunikation mit Prof. Dr. Jürgen Scheible vom Studiengang Werbung und Marktkommunikation der HdM gesprochen.

Zur Detailansicht Eine künstlerische Darstellung der vollvernetzten SmartKitchen. Quelle: E.G.O.
Eine künstlerische Darstellung der vollvernetzten SmartKitchen. Quelle: E.G.O.

Was ist die SmartKitchen genau?

Scheible: Heute nutzen viele Leute Medieninhalte in der Küche, seien es nun Kochrezepte, Kochvideos oder Kochshows im TV. Sie verwenden dabei Smartphones, Tablets oder eben Computer, aber es ist schwierig, während des Kochens diese Geräte zu benutzen, also anzufassen. Wir wollen eine Kochumgebung schaffen, in der wir uns voll auf das Kocherlebnis konzentrieren können, dennoch sollen wir uns durch Rezeptseiten blättern können, in Bilder zoomen oder Kochvideos anwählen können, ohne dass wir tatsächlich Geräte anfassen müssen. Wir versuchen mit einem nutzerzentrierten Forschungsansatz zu verstehen, wie das Kocherlebnis heute aussieht, insbesondere für Digital Natives, die ja bereits sehr intensiv diese neuen Geräte und Medieninhalte nutzen.

Wie sieht die Umsetzung konkret aus?

Scheible: Wir möchten inhaltliche und technische Lösungen in Form multimodaler User Interfaces und neuer Interaktionsformen in der Küche liefern, um das Kochen zusammen mit der Nutzung der Medieninhalte erleben zu können. Wir werden dahingehend sogenannte "in-situ-Projektionen" testen. Wir können damit Medieninhalte an jede beliebige Oberfläche der Küche projizieren und mittels Gesten- und Sprachsteuerung, sowohl Speech Input, als auch Speech Output, diese Inhalte steuern.

Wie kam es zu dem Projekt?

Scheible: Entstanden ist das ganze vor dem Hintergrund verschiedener Forschungsprojekte, die ich in Helsinki gemacht habe, und meiner Dissertation. Da ging es ganz stark um die Interaktion mit großen Displays und Projektionen. Da habe ich auch schon gemerkt wie groß das Potenzial solcher Technologien ist. Wir sehen bereits in Autos Technologien wie Sprach- und Gestensteuerung oder Augmented Reality ins Spiel kommen. Da wird auch in der Küche noch einiges auf uns zukommen. Um herauszufinden wohin die Reise geht, haben die Professoren Dr. Arnd Engeln, Dr. Michael Burmester, Dr. Gottfried Zimmermann, Dr. Tobias Keber, Uwe Schulz und ich mit unserem Industriepartner verschiedene Fragestellungen formuliert. Am 1. Februar 2016 konnte unser Projekt "SmartKitchen - Medial erweiterte Kochumgebung für die Küche der Zukunft" starten. Es wird vom Bundesministerium für Bildung und Forschung mit 460.000 Euro gefördert.

Beschreiben Sie uns doch mal eine Kochsituation mit der SmartKitchen.

Scheible: Nehmen wir an, Sie haben eine Rezepte-App auf ihrem Smartphone oder Tablet installiert, möchten Freunde zum Essen einladen und fragen sich, was man denn kochen könnte. Einige Lebensmittelhändler haben schon Apps im Angebot, mit denen man auch gleich seinen Einkauf tätigen und sich die Lebensmittel liefern lassen kann. Mit der Rezepte-App gehen wir in die SmartKitchen und transferieren mithilfe der Gestensteuerung das Rezept von unserem Device auf eine Projektionsfläche der Küche - an die Wand oder auf die Arbeitsplatte. Falls es noch ein Video gibt, das die einzelnen Arbeitsschritte der Zubereitung näher erläutert, kann man sich das einfach dazu schalten. Beim eigentlichen Kochen kann eine zentrale App den Kochprozess unterstützen, indem Garzeiten und Temperaturen der Herdplatten oder des Backofens angezeigt werden. Der Nutzer kann diese Funktionen als Hilfestellung je nach Belieben aber auch wegschalten. Bei all dem ist es wichtig, dass das Kocherlebnis im Vordergrund steht, und nicht die Technik.

Welchen konkreten Mehrwert hat SmartKitchen also für den Nutzer?

Scheible: Wir erhoffen uns, dass wir im Vorfeld durch Befragungen bestimmte Insights generieren und dementsprechend bestimmte Prototypen entwickeln können. Diese wollen wir dann mit Probanden testen, das Ganze evaluieren und Erkenntnisse gewinnen. Was dabei letztendlich herauskommt, ist noch offen. Wir sind gespannt zu sehen, wie stark die Integration neuer Technologien in der Küche zum Einsatz kommen wird, welche Funktionen das Kocherlebnis tatsächlich verbessern und von den Nutzern gewünscht werden.

Gibt es Gefahren oder Nachteile, die die Smartkitchen mit sich bringt?

Scheible: Der Datenschutz ist auf jeden Fall ein Knackpunkt. Wobei es im Smart Home- oder eben im SmartKitchen-Bereich durchaus Vorteile mit sich bringt, wenn viele Daten gesammelt werden können. In unserem Projekt beschäftigen wir uns auch speziell mit dem Datenschutz. Die Datenschutzkonformität soll den Funktionen unserer Lösungen nicht im Wege stehen. In anderen Ländern mit weniger strengen Datenschutzrichtlinien tut sich viel mehr in Hinsicht auf Smart Home-Services. Dort können die neusten Ideen und Möglichkeiten umgesetzt und ausprobiert werden. Wir haben da in Deutschland sicherlich Limitierungen, möchten aber damit arbeiten und starke Lösungen anbieten.

Sehen Sie solche Systeme als Standard in Haushalten der Zukunft?

Scheible: Ich kann mich noch daran erinnern, als sich die Leute in den 90er Jahren fragten, wofür man das Internet bräuchte. Der damalige Telekom-Chef meinte, das Internet würde nie groß rauskommen. Heute ist es nicht mehr wegzudenken. Das gilt auch für Smartphones. Mitte der 1990er meinten die Leute, so etwas wie ein Handy bräuchte man nicht. Inzwischen ist es fast das zentralste Gerät zur Kommunikation und Mediennutzung. So wandeln sich die Gesellschaft und auch ihr Nutzungsverhalten. Das sehen wir vor allem bei der jüngeren Generation, die mit solchen Möglichkeiten bereits aufgewachsen ist, und ihre Vorteile kennt und schätzt. Ich glaube daran, dass diese Generation in Zukunft auch in der Küche adäquate Lösungen sehen möchte - seien es nun Kochrezepte oder -videos, Live-Chats, oder dass die Enkelin die Oma via Skype zum gemeinsamen Kochen dazu schalten kann. Solche Entwicklungen werden sich nicht nur auf die Küche allein erstrecken, sondern auch die Zulieferer der Lebensmittel umfassen. Ganze Handelsketten werden womöglich auf den Zug mitaufspringen, Zutaten liefern, eventuell sogar den Müll entsorgen und recyceln. Wir werden diesbezüglich zu größer angelegten Lösungen kommen, in denen dann auch die SmartKitchen ihren Platz haben wird.

Die Fragen stellte Gilles Förstner.

Gilles Förstner

Kontakt

Name:
Prof. Dr. Jürgen Scheible  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Professor
Studiengang:
Werbung und Marktkommunikation (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
P04, Nobelstraße 10 (Pavillion)
Telefon:
0711 8923-2276
E-Mail:
scheible@hdm-stuttgart.de

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