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Verbot sexistischer Werbung

Pralle Brüste vor dem Aus?

Leicht bekleidete Frauen - und manchmal auch Männer - sind oftmals schmuckes Beiwerk in Werbeanzeigen jeglicher Art. Ästhetisch oder billig – über Geschmack lässt sich dabei wie immer streiten. Künftig könnte man davon jedoch weniger zu Gesicht bekommen. Zumindest wenn es nach dem Willen von Bundesjustizminister Heiko Maas geht: Er plant ein Gesetz, das sexistische Werbung untersagt.

Die Anzeigenwerbung dieser Firma wurde 2016 vom Deutschen Werberat öffentlich gerügt. (Foto: via Deutscher Werberat)

Die Anzeigenwerbung dieser Firma wurde 2016 vom Deutschen Werberat öffentlich gerügt. (Foto: via Deutscher Werberat)

Was hat eine Frau in Slip mit Wurstwaren gemeinsam? Oder zwei nackte Frauenbeine in hochhackigen Schuhen mit Kaffee? Wenn man ehrlich ist: gar nichts. Und doch sieht man derartige Werbeplakate immer wieder. Bis auf ein paar Ausnahmen, allen voran Feministen und Frauenrechtsorganisationen, stören sich wohl die Wenigsten daran, schließlich muss man nicht hingucken, geschweige denn das Produkt kaufen. Bundesjustizminister Heiko Maas sieht das jedoch anders. Er möchte - unter anderem auch als Reaktion auf die Übergriffe in der Kölner Silvesternacht 2015 - mit einem Verbot von Plakaten und Anzeigen, die "Frauen und Männer auf Sexualobjekte" reduzieren, einen ersten, entscheidenden Schritt gehen, um ein "moderneres Geschlechterbild" zu etablieren.

Der Deutsche Werberat

Für kritische Fälle gibt es bereits den Deutschen Werberat, der als Selbstkontrollorgan der Werbewirtschaft über die staatliche Rechtsetzung hinaus aktiv ist. Er setzt sich für ein geordnetes Werbeverhalten ein. Ziel ist es, ein verantwortungsbewusstes Handeln im Bereich der Werbung zu fördern und Missstände festzustellen. Er fungiert als Konfliktregler zwischen Verbrauchern und den werbenden Unternehmen. So hat er Verhaltensregeln festgelegt in Bezug auf die Herabwürdigung und Diskriminierung von Personen in der Werbung. Wenn diese unter anderem auf ihre Sexualität reduziert werden, ihnen sexuelle Verfügbarkeit unterstellt wird oder mit übertriebener, herausgestellter Nacktheit eine Herabwürdigung des Geschlechts vermitteln, ist dies moralisch nicht vertretbar.

Fehlender Produktbezug ist kritisch

An alle, die jetzt Angst haben, dass sie demnächst nach den Vorstellungen von Minister Maas nur noch verhüllte Personen von den Plakaten anlächeln: Hier und da wird man sicherlich noch ein wenig Haut zu sehen bekommen. Eine Frau in Dessous, die Werbung für einen Unterwäschehersteller macht (sofern sie nicht in besonders lasziver Pose abgebildet ist), dürfte noch keine sexistische Werbung darstellen. Wie sonst soll man auch für einen BH oder Bikini werben? Kritisch wird es hingegen bei sexualisierter Werbung ohne jeglichen Produktbezug und einem entsprechenden Slogan, der eine gewisse Zweideutigkeit suggeriert (siehe Bild).

Gibt es Sexismus in der Werbung?

Ob es Sexismus in der Werbung gibt, liegt stets im Auge des Betrachters. Da die Gesellschaft jedoch mitbestimmt, was ihr gefällt und was nicht, können sich die großen Unternehmen heutzutage kaum noch Fehltritte leisten. Zu groß ist das Risiko negativer, öffentlicher Kritik. Ausnahmen bestätigen bekanntlich die Regel: Erst Ende 2015 stand die Molkerei Alois Müller, Hersteller der "Müllermilch" in der Kritik, sexistisch und rassistisch zu sein aufgrund von Pin-up-Girls, die ihre Flaschen zierten.

Braucht Deutschland dieses Gesetz?

Ob tatsächlich ein Gesetz notwendig ist, da doch der Deutsche Werberat das kommerzielle Werbegeschehen bereits begleitet, ist fraglich. Ein Großteil der Werbeindustrie ist gegen Maas' Vorhaben und spricht von Zensur. Die Selbstregulierung durch den Deutschen Werberat sei ausreichend. Auch FDP-Chef Christian Lindner sprach von einer "Spießigkeit", die "kaum zu überbieten" ist.
Der Deutsche Werberat kann zwar rügen, aber prinzipiell rechtlich einwandfreie Werbung nicht verbieten. Am Ende entscheidet das Unternehmen, ob es die beanstandete Werbung zurückzieht, beziehungsweise ändert, oder eine öffentliche Rüge in Kauf nimmt. Doch er ist damit äußerst erfolgreich: 2015 konnte er in 103 von 114 Beschwerdeverfahren erreichen, dass die jeweiligen Unternehmen ihre Werbung einstellten oder änderten. Lediglich in elf Fällen verhängte er eine öffentliche Rüge - und das bei rund 3,3 Millionen werbenden Unternehmen.

Foto Startseite: via Deutscher Werberat

Quellen:
spiegel.de
faz.net
werberat.de

Isabell Meurers

VERÖFFENTLICHT AM

12. Mai 2016

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