Netzkultur

Don't feed the trolls

Im Internet auf Plattformen und in Communities gibt es immer mehr Trolle. Sie streuen Gerüchte, um politische Zwecke zu verfolgen, provozieren einfach nur oder treiben Unfug. Vor allem während der Flüchlingskrise nahm das sogenannte "trolling" in den sozialen Netzwerken teilweise gewaltig zu. Aber was genau ist eigentlich ein Internettroll?

Internettrolle handeln oft im Schutz der Anonymität. (Foto: Kristina Simic)
Internettrolle handeln oft im Schutz der Anonymität. (Foto: Kristina Simic)
Meist versteht man in der Netzkultur Trolle als User, die im Schutz der Anonymität in Social Media-Netzwerken wie Facebook, YouTube oder in Foren bewusst kontroverse Inhalte ohne ernsthaften Bezug zum eigentlichen Thema veröffentlichen. Oft geht es den Trollen darum, zu provozieren und die Diskussion oder den Austausch der anderen User zu stören. Aber nicht jedem Troll geht es um planlosen Internetvandalismus. So gibt es verschiedene Arten von Trollen, die sich in ihren Zielen und ihrer Motivation voneinander unterscheiden. Diese können differenziert werden, um sie als komplexes Internet-Phänomen zu verstehen. In Analogie zur Klassifizierung verschiedener Hacker, die sich durch ihre Aktionen, Ziele und Motivation unterscheiden, lassen sich auch Trollarten unterteilen.

Der "LOL Troll"

Dieser Troll verfolgt kein explizites, langfristiges Ziel. Er ist meistens hedonistisch motiviert, gelangweilt und steuert seine Aktionen eigenverantwortlich. Seine Aktionen richten sich wahllos gegen alle möglichen Menschen und Gruppen. Er möchte zu seiner eigenen Belustigung eine emotionale Reaktion der anderen User provozieren. Selten ist der "LOL Troll" mit seinen Kommentaren wirklich beleidigend, vielmehr möchte er auf kreative, unterschwellige Weise, Unzulänglichkeiten anderer User offenbaren. Marvin F. (Name von der Redaktion geändert), Student der Universität Stuttgart der selber regelmäßig trollt, meint: "Ich mache das meistens aus Langeweile. Wenn ich die gewünschte Reaktion der anderen User bekomme, fühle ich mich lebendig."

Der "Gray Troll"

Das trollen eines "Gray Troll" lässt sich mit den Aktionen eines Hacktivisten vergleichen. Er möchte auf Missstände aufmerksam machen und mit humoristischen Aktionen gegen Feindbilder vorgehen. Der "Gray Troll" hat mehr oder weniger feste Ziele und Vorstellungen, hinter denen oft eine Community steckt. Er ist mit seinem Vorgehen diffus moralisch und manchmal ist er auch legal in einer Grauzone.

Der "Hate Troll"

Dieser Troll fällt vor allem durch Verleumdungen in sozialen Netzwerken auf. Der "Hate Troll" verbreitet bewusst Lügen im Internet, um politische Ziele zu verfolgen oder um seinen Hass auf die Welt zu rechtfertigen. Teilweise werden gefälschte "Beweise", wie aus dem Zusammenhang gerissene oder schlichtweg montierte Fotos für seine Behauptungen angefügt. Der Unterschied zu all jenen Verfassern von Hasskommentaren, die von ihrem Recht auf Meinungsfreiheit Gebrauch machen, ist, dass das Verbreiten von Lügen im Internet als Volksverhetzung oder Verleumdung gewertet werden kann und somit strafbar ist.

Der "Hired Troll"

Im Gegensatz zum "Hate Troll" ist der "Hired Troll" als Angestellter eines Unternehmens oder eines Staates zu verstehen. Er handelt im Sinne einer offiziellen Institution. Regime wie Russland und Nordkorea, aber auch demokratische Staaten wie die USA setzen auf "Hired Trolls", um Propaganda mit zweifelhaftem Wahrheitsgehalt zu verbreiten. Auch in der Werbebranche werden manchmal bewusst Halbwahrheiten verbreitet, um Konkurrenten auszustechen und anderen Unternehmen zu schaden. Besonders fallen die Tätigkeiten eines "Hired Trolls" bei Kundenbewertungen bei Onlinehändlern oder Reiseportalen auf. Eine Analogie zum "White Hat" (Hacker) besteht im ähnlich gearteten, offiziellen Arbeitsverhältnis zu einem Staat oder Unternehmen, jedoch nicht im moralischen Gehalt der Arbeit.

Warnhinweis: Trolle bitte nicht füttern!  (Grafik: Sam Fentress CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), via Wikimedia Commons)
Warnhinweis: Trolle bitte nicht füttern! (Grafik: Sam Fentress CC BY-SA 2.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/2.0) oder GFDL (http://www.gnu.org/copyleft/fdl.html), via Wikimedia Commons)
Wie man gegen Trolle vorgeht

Die meisten Internetportale gehen gegen Trolle vor. Dabei sind Moderatoren meistens auf die Aufmerksamkeit der User angewiesen. So ist oft eine "Kommentar melden"-Funktion in Foren oder sozialen Netzwerken integriert. Moderatoren prüfen den gemeldeten Inhalt und löschen diesen gegebenenfalls. User, die einen Troll-Kommentar nicht als solchen erkennen und sich darüber aufregen, können mit dem Satz "Don't feed the troll" auf die Provokation aufmerksam gemacht werden. Mit diesem Satz soll erreicht werden, dass der destruktive Beitrag des Trolls von anderen Mitgliedern der Community einfach ignoriert wird.

 

Quellen:

Bild Startseite: By Azzy10 (Own work) (CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)), via Wikimedia Commons

dontfeedthetroll.de

Spiegel Online
ZDF
taz.de
faz.de
BBC News

Gilles Förstner

VERÖFFENTLICHT AM

23. Mai 2016

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