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1000. "Tatort"

Der Mörder wird im Rudel gesucht

"Tatort" ist Kult


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Eine Hommage an den ersten Tatort

"Taxi nach Leipzig" hieß der erste "Tatort", der am 29. November 1970 gesendet wurde. Der 1000. "Tatort" mit Maria Furtwängler und Axel Milberg trägt den gleichnamigen Titel. (Bild: NDR/Meyerbroeker)
"Taxi nach Leipzig" - so hieß der erste Tatort, der am 29. November 1970 mit Kommissar Trimmel (Walter Richter) die Erfolgsgeschichte der am längsten laufenden und beliebtesten Krimireihe des deutschen Fernsehens einleitete. Zum 1000. Jubiläum kehrt der "Tatort" zu seinen Ursprüngen zurück - die Jubiläumsfolge trägt den gleichnamigen Titel. Bis auf die Taxifahrt nach Leipzig hat er jedoch keinerlei Gemeinsamkeiten mit dem damaligen Krimi: Er handelt von einem ehemaligen Elite-Soldaten, der sich an seiner Exfreundin rächen will, bevor diese einen seiner Kameraden heiratet. Anlässlich des Jubiläums ermitteln erstmals die Hannoveraner Kommissarin Charlotte Lindholm (Maria Furtwängler) und ihr Kieler Kollege Klaus Borowski (Axel Milberg) gemeinsam.

Einfach Kult

Zurück im Stuttgarter Club Schocken: Einige kommen in Grüppchen, manche kommen allein, jeder ist hier willkommen - vorausgesetzt es gibt noch einen Sitzplatz: Um 20 Uhr sind sämtliche der rund 50 Stühle belegt, einige Gäste schauen von der Bars aus zu. Während der Tagesschau werden noch schnell ein paar Getränke geordert. Spätestens mit dem Vorspann herrscht in dem Raum für die nächsten 90 Minuten Ruhe. Der Krimi steht im Vordergrund des Abends. Wer sich unterhalten möchte, kann dies davor oder danach machen, aber nicht währenddessen. Die Beweggründe, warum man sich den Tatort hier anschaut und nicht Zuhause, sind ganz unterschiedlich. "Ich finde es schön, den Sonntag gemütlich mit dem 'Tatort' ausklingen zu lassen", sagt Florian, der regelmäßig mit seinen Freunden ins Schocken kommt. Sein Freund Daniel habe seinen Fernseher aus dem Wohnzimmer verbannt, weil die deutschen Fernsehprogramme bis auf den Kult-Krimi nichts mehr zu bieten hätten. Wenn das Ermittlerteam und das Thema ihn interessieren, schaue er den Tatort auswärts oder im Nachhinein in der Mediathek. Ein anderer Besucher schaut ihn, "weil ein Sonntag ohne Tatort kein Sonntag ist." Außerdem würden häufig aktuelle Themen behandelt, sodass die Filme durchaus einen realistischen Bezug hätten.

"'Tatort' gucken ist wie Fußball gucken"

Die Anzahl der sonntäglichen Tatort-Events ist insbesondere in den vergangenen 15 Jahren größer geworden. Nach der Krise, mit der der "Tatort" nach Einführung des Privatfernsehens in den 1990er Jahren zu kämpfen hatte - teilweise schalteten damals höchsten fünf Millionen Zuschauer ein - reagierten die Macher und sorgten mit vermehrt unterhaltend-verpackten gesellschaftspolitischen Themen, komplexen Charakteren, deren Privatleben oft gezeigt wird, und auch Kommisarinnen für wieder steigende Quoten. Doch woran liegt der Reiz, einen Krimi in der Kneipe zu schauen? "Klaus J. Behrendt aus dem Kölner 'Tatort' hat die Krimis treffenderweise mit einem Fußballspiel verglichen." 'Tatort' gucken gleiche ebenso einem Ritual. Der Vorspann sei die Hymne, danach drücke man seinem Lieblingsteam die Daumen und die Lösung des Mordfalls sei das Elfmeterschießen. "Das Ritualisierte eignet sich am besten zum Public Viewing", so Precht über den Erfolg der "Tatort"-Events.

Quellen:

  • http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/medien/ard-medienforscher-camille-zubayr-zum-tatort-14004438.html
  • http://www.daserste.de/unterhaltung/krimi/tatort/specials/zahlen-daten-fakten-100.html
  • http://www.abendzeitung-muenchen.de/inhalt.jubilaeumsfolge-am-sonntag-wissen-zu-1000-tatort-krimis-hier-ist-muenchen-top.5b8272ae-dd5b-4a0d-9936-91affb655cdd.html
  • http://www.taz.de/!5287930/
  • http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/quoten-der-deutschen-kult-krimiserie-tatort-gesunken-14263659.html

Isabell Meurers


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VERÖFFENTLICHT AM

13. November 2016

KONTAKT

Prof. Jörn Precht

Audiovisuelle Medien

Telefon: 0711 8923-2247

E-Mail: precht@hdm-stuttgart.de

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