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Weiterleben als Chatbot

Für manche verstörend

Durch einen Verkehrsunfall kam Roman Mazurenkos in Moskau mit 34 Jahren ums Leben. Eugenia Kuyda, seine beste Freundin, stand zunächst unter Schock. Wie viele Trauernde wollte sie ihrem besten Freund noch so viel erzählen. Sie fand eine Lösung. Nun lebt Roman weiter: zwar nicht physisch, jedoch als Chatbot.

Roman und Eugenia, Quelle: The Verge
Eugenias und Romans faszinierend-tragische Geschichte wird von dem amerikanischen Technikportal The Verge erzählt: Als Chefin eines auf künstliche Intelligenz spezialisierten Start-ups entwickelte sie einen Chatbot, der schreibt, wie es Roman getan hätte. Mit dem Einverständnis von Romans Freunden und Familie nährte sie den Chatbot mit tausenden von Nachrichten aus der Vergangenheit, die Roman zu seinen Lebzeiten schrieb.

Nach Romans Tod sah Eugenia die Folge "Be Right Back" der Serie "Black Mirror". Darin geht es um die Schaffung einer künstlichen Intelligenz mit Hilfe eines Online-Services. Inspiriert von dieser Idee fingen Eugenia und ihr Start-up-Team an, einen Chatbot Romans "Sprache" aus alten Nachrichten zu lehren.

Positiv und kritisch

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Chatverlauf mit dem Bot "Roman", Quelle: The Verge
Romans Familie und Freunde reagierten sehr unterschiedlich auf den Chatbot: Viele äußerten sich positiv zu dem Projekt, vier Freunde und Romans Vater betrachten den Chatbot jedoch sehr kritisch. Den Gedanken, dass sie mit Roman sprechen können, empfinden sie verstörend. Manchmal antwortet "Roman" auch falsch. Andere Freunde stellten Eugenia wiederum ihre Chatprotokolle anonym zur Verfügung: Die Auswertungen zeigten, dass der Bot nicht zum Reden mit Roman genutzt wird, sondern zum Zuhören. Für viele Freunde hat der Bot - so die Interpretation der Auswertungen - eine therapeutische Wirkung im Umgang mit Alltagssituationen. Einige Chatprotokolle sind im Artikel von The Verge veröffentlicht.

Fortsetzung

Eugenia wird weiterhin an diesem Projekt arbeiten. Chatbots sind auch in weiteren Lebensbereichen relevant. So wurde in China beispielsweise der digitale "Dr. Melody" erschaffen, ein Bot der Krankheiten über einen Chat diagnostiziert. Eine Studie stuft die gegenwärtige Zuverlässigkeit der Diagnosen im Vergleich zu der von Medizinern jedoch als unzuverlässig ein.

Quellen:
heute.de,
Zeit Online,
The Verge

Isabelle Knapp

Wie funktioniert ein

Chatbots sind wissensbasierte Dialogsysteme, die eine Kommunikation zwischen einem künstlich intelligenten Chatbot und einem menschlichen Benutzer ermöglichen. Der Chatbot gibt in natürlicher Sprache Auskunft über ein bestimmtes Wissensgebiet auf eine ebenfalls in natürlicher Sprache gestellte Frage des menschlichen Benutzers. Mindestens zwei Komponenten liegen einem Chatbot zugrunde:

  • eine Wissensdatenbank mit Informationen, die von dem Chatbot in Antworten umgewandelt werden.
  • eine „bot engine", die für die Frage geeignete Informationen auswählt und ausgibt.

Ein Chatbot wird mit Daten bereichert, die in Form von "Wissenseinheiten" abgespeichert werden. Eine Wissenseinheit umfasst alle Daten für eine bestimmte Information.

Quelle:
Fuhlrott, R.; Krauß-Leichert, U. & Schütte, C.H. (2011): MALIS-Praxisprojekte 2011. Projektberichte aus dem berufsbegleitenden Masterstudiengang Bibliotheks- und Informationswissenschaft der Fachhochschule Köln. Band 35. Wiesbaden: Dinges & Frick. S. 112 f.

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21. November 2016

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