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"Der Babo hartzt, YOLO!" - die Jugendwörter der vergangenen Jahre

Im November wurde das mittlerweile neunte Jugendwort des Jahres vom Langenscheidt-Verlag gekürt. In den Medien werden die Begriffe jährlich heiß diskutiert, die Wahl der Wörter ist jedoch für den Verlag eine klassische Werbemaßnahme für das "100 % Jugendsprache Wörterbuch". Ein Überblick der vergangenen Siegerwörter auf die Jugend-Neologismen der letzten Jahre.

YOLO: Das Jugendwort des Jahres 2011. Quelle: Pixabay.
Mit der Wahl des Wortes "Gammelfleischparty" fing 2008 alles an. Es stand für die Partys der über 30-jährigen (= Ü30-Partys). Die allgemeine Stimmung gegenüber diesem Begriff war sowohl in den Medien als auch in allen Altersklassen skeptisch. Die Jugendszene hingegen nutzte das Wort weder vor noch nach der Wahl im Alltag. Ganz anders sah es mit dem Gewinnerwort des Folgejahres aus: "hartzen" (= rumhängen, auf der faulen Haut liegen). Die vielseitigen Wandlungsmöglichkeiten des Begriffs, beispielsweise "rumhartzen" oder der "Hartzer", fand schon etwas mehr Anwendung als das Pionierwort aus dem ersten Jahr. Ein Jahr später gewann "Niveaulimbo", ein Begriff, der das "ständige Absinken des Niveaus" ausdrücken soll.

Jugendforscher stellen bei der Diskussion um die Wahl der Jugendworte immer wieder fest, dass die gewählten Begriffe keineswegs im alltäglichen Wortschatz der Jugendlichen Gebrauch finden. Die Verwendung der Begriffe erstreckt sich lediglich auf den Gebrauch in speziellen Situationen, um auf einen bestimmten Umstand aufmerksam zu machen oder den Gesprächspartner zu beeindrucken.

YOLO, Babo und Swag!

Einen ganz anderen Hintergrund hat das Gewinnerwort aus dem Jahre 2011, "Swag". Der Begriff stammt ursprünglich aus der englischsprachigen Musikszene und steht für eine "beneidenswerte, lässig-coole Ausstrahlung". Weiter geht es mit dem Akronym "YOLO", das ein Synonym zum "carpe diem" der Erwachsenenwelt darstellt. "You Only Live Once" stellt die Aufforderung dar, alle Chancen mitzunehmen und Erlebnisse auszukosten, denn: Man lebt ja nur einmal. Vom Englischen geht es ein Jahr später über zur türkischen Sprache: "Babo", der mit einem Chef oder Anführer gleichzusetzen ist. Auch dieser Begriff kommt aus der Musikszene, genauer gesagt aus einem Lied des deutsch-kurdischen Rappers "Haftbefehl".

"Läuft bei dir!"

Smombie: Das Jugendwort des Jahres 2014. Quelle: Pexels.com
2014 schafft es ein ganzer Satz zum Jugendwort des Jahres. In jenem Jahr ist die Bedeutung der einzelnen Worte verständlich, jedoch war der Gesamtzusammenhang für viele etwas schleierhaft. Die Ausdrucksweise steht nämlich für einen rundum perfekten Umstand und wird häufig ironisch eingesetzt. Im vergangenen Jahr wurde das Gewinnerwort etwas bild- und sinnhafter: "Smombie". Es wurde im Sprachgebrauch zwar weniger eingesetzt, beschreibt jedoch laut Jurorin Ilknur Braun "punktgenau die heutige Selbstverständlichkeit vieler Menschen im Umgang mit dem Smartphone". Der Neologismus - bestehend aus den Begriffen Smartphone und Zombie - stellt eine Metapher für eine ganze Generation dar.

Kritisiert wird letztendlich nicht nur der fehlende Gebrauch der Jugendwörter im Alltag, sondern auch das Bild, das die Wahl des Jugendwortes über Jugendliche vermittelt. Ein Jugendforscher des Deutschen Jugendinstituts in München äußert hierzu, dass die jugendliche Generation nicht angemessen dargestellt wird. Die "gut ausgebildete, weltoffene, sprachkompetente Jugend in Deutschland", so der Jugendforscher, werde durch die Wahl verzerrt dargestellt.

Der Gewinner 2016? "Fly sein". Die Bedeutung? KP (auf Deutsch: Keinen Plan, ich weiß es nicht). Vielleicht sollte das Wort einmal gegoogelt werden. Gewinner der Online-Community war dieses Jahr übrigens "isso". Das kann man sich wenigstens noch mit dialektalen Vorkenntnissen herleiten.

Quellen:
jugendwort.de
,
RNZ,
Welt 2008, Welt 2011, Welt 2013,
Focus,
Spiegel 2010
, Spiegel 2012, Spiegel 2014,
FAZ, Frankfurter Rundschau

Isabelle Knapp

VERÖFFENTLICHT AM

28. November 2016

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