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Fake News - Wirkung oder Ursache des postfaktischen Zeitalters?

Immer häufiger tauchen in den verschiedensten Medienkanälen sogenannte Fake News auf. Besonders betroffen sind soziale Netzwerke wie Facebook oder Twitter. Einige dieser Meldungen erreichen sogar internationale Bekanntheit. Doch was sind Fake News überhaupt und wer profitiert davon?

Fake News tauchen insbesondere in sozialen Netzwerken auf.

Fake News tauchen insbesondere in sozialen Netzwerken auf.

Fake News sind frei erfundene Falschmeldungen. Sie zielen auf Leser ab, die Meldungen nicht hinterfragen oder gar Artikel aufgrund der Headline online verbreiten, ohne den Inhalt überhaupt gelesen zu haben. Diese Meldungen verbreiten sich, weil die Leser dem Medium blind vertrauen, gleich ob sie von einer seriösen Zeitung publiziert wurde oder nicht.

Fake News verdrängen Real-Content

Im Gegensatz zu Satire-Beiträgen haben Fake News keinen humoristischen Wert, sondern dienen schlicht der Verbreitung von Fehlinformationen, die durch schockierende Inhalte eine möglichst große Reichweite erzielen sollen. Die Verfasser solcher Fake News haben dabei sowohl die Beeinflussung der öffentlichen Meinung zu politischen Themen als auch das Geschäftspotential zum Zweck der Verbreitung zum Ziel. Durch Werbeanzeigen auf speziell generierten Fake-News-Webseiten verdienen die Betreiber Geld. Je mehr Klicks eine Falschmeldung bekommt, desto höher die Summe der Werbeeinnahmen.

Regelrechte Fake-News-Produktion

In Mazedonien besteht bereits eine wahre Fake-News-Szene. Jugendliche betreiben dort Websites mit englischsprachigen Falschmeldungen und verdienen sich ein zusätzliches, monatliches Taschengeld, das teilweise sogar über dem Jahresgehalt ihrer Eltern liegt. Fest steht, dass es durch das stetig steigende Angebot an Online-Diensten und die zunehmende Medialisierung unserer Gesellschaft für den einzelnen Nutzer immer schwerer wird, zwischen seriösen und unseriösen Websites zu unterscheiden. Hinzu kommt die Leichtgläubigkeit einiger Leser, die Informationen oft voreilig verbreiten, ohne sie zu hinterfragen oder die Quellen zu überprüfen. "Postfaktisch", das Wort des Jahres 2016, beschreibt diese Entwicklung. Die wachsende postfaktische Gesellschaft ist dazu bereit, Fakten zu ignorieren oder sogar offensichtliche Lügen als Wahrheit zu akzeptieren.

Fake News im US-Wahlkampf

Wenige Tage ist es her, dass ein 28-jähriger Mann in Washington eine Pizzeria stürmte, mit einer Waffe um sich schoss und einen Mitarbeiter bedrohte. Hintergrund war eine Falschmeldung während des US-Wahlkampfes, nach der Hillary Clinton von jener besagten Pizzeria aus einen Pädophilenring betrieb. Trotz offizieller Bekanntgabe der Polizei, dass es sich um eine Falschmeldung handele, wurde im Netz unter dem Hashtag #pizzagate weiterhin diskutiert. Der 28-Jährige wollte eigener Aussage nach der Meldung auf den Grund gehen. Neben dieser Meldung kamen während des US-Wahlkampfes noch einige weitere auf, die sich oftmals mit Hillary Clinton befassten. Unter anderem machte die Meldung über den Selbstmord des FBI-Ermittlers, der für den Clinton-E-Mail-Skandal zuständig war, Schlagzeilen. Es bleibt die Frage, inwiefern diese sogenannten Fake News die US-Wahlen zugunsten von Donald Trump beeinflusst haben.

Steigende Anzahl von Falschmeldungen in Deutschland

Auch in Deutschland häuft sich derzeit die Anzahl von Fake News in sozialen Netzwerken. Zuletzt tauchten angebliche Zitate der Grünen-Politikerin Renate Künast zur Freiburger Mordtat, bei der eine Studentin von einem Flüchtling ermordet wurde, auf Facebook auf. Sowohl die Facebook-Seite "Widerstand deutscher Patrioten" als auch Mitglieder der Pegida Schweiz verbreiteten das Zitat, das sich letztlich als frei erfunden herausstellte. Auch die Süddeutsche Zeitung, die im Post als Quelle angegeben war, hatte diese Falschmeldung nie publiziert. Frau Künast erstattete Anzeige und Strafantrag gegen Unbekannt und bestimmte Facebook-User.

Facebook will gegen Fake News vorgehen

Der öffentliche Druck auf Facebook wächst. Immer mehr Politiker fordern den Konzern auf, gegen die Fake News vorzugehen, die sich über die soziale Plattform rasend schnell verbreiten. Mark Zuckerberg versprach in einem Post, dass Facebook die Angelegenheit ernst nähme und eine Lösung dafür bereits in Arbeit sei. Wie genau die letztendlich aussehen wird, ist noch nicht bekannt. In den USA testet das Unternehmen bereits Umfragen, die den Nutzern unter News-Beiträgen angezeigt werden. Hierbei soll der Nutzer beispielsweise angeben, ob die Überschrift des Beitrags irreführend ist. Auch das Melden von Posts soll vereinfacht werden. Wie mit diesen Daten anschließend umgegangen wird, damit kritische Beiträge sich nicht verbreiten, ist noch nicht klar. Die Bundesregierung kündigte bereits an, notfalls die rechtlichen Regelungen gegen die Verbreitung von Falschmeldungen zu aktualisieren.

Beeinflussung der Bundestagswahl

Aufgrund der bevorstehenden Bundestagswahl im kommenden Jahr fürchten bereits einige deutsche Politiker eine Beeinflussung der Wähler durch Fake News. Bundesjustizminister Heiko Maas forderte eine konsequentere Verfolgung der Verfasser von Falschmeldungen und höhere Strafmaße. SPD-Fraktionschef Thomas Oppermann fordert hingegen Bußgelder von bis zu 500.000 Euro, sofern Facebook die Falschmeldungen nach einer Prüfung nicht innerhalb 24 Stunden löscht. Neben der Verbreitung von Fake News durch rechtspopulistische Parteien wie die AfD zog Unions-Fraktionsgeschäftsführer Michael Grosse-Brömer sogar in Erwägung, dass Wladimir Putin an einer Manipulation der Bundestagswahl durch Fake News interessiert sein könnte. Merkels klare Standpunkte zur Ukraine-Krise und ihrer Kritik gegenüber Menschenrechtsverletzungen gefielen ihm nicht, weshalb dieser eine rot-rot-grüne Regierung bevorzuge.

Quellen:

  • http://www.sueddeutsche.de/panorama/washington-mann-schiesst-in-pizzeria-um-sich-wegen-fake-news-ueber-hillary-clinton-1.3280151
  • https://www.tagesschau.de/ausland/wahlkampf-manipulation-fakenews-cyberattacken-101.html
  • http://www.zeit.de/politik/deutschland/2016-12/fake-news-nachrichten-journalismus
  • https://www.morgenpost.de/politik/article208978291/SPD-nimmt-Facebook-im-Kampf-gegen-Fake-News-in-die-Pflicht.html
  • http://www.focus.de/politik/deutschland/fake-news-ueble-nachrede-im-netz-maas-blaest-zum-angriff-auf-falschnachrichten_id_6371708.html
  • https://www.welt.de/politik/deutschland/article160349122/Koalition-plant-Gesetz-zum-Kampf-gegen-Fake-News.html
  • https://www.facebook.com/zuck/posts/10103269806149061

 

Kathrin Werner

VERÖFFENTLICHT AM

20. Dezember 2016

ARCHIV

Medienwelt
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Lina

am 16.04.2017 um 20:18 Uhr

Bei der ganzen Diskussion und Empörung über Fake News sollte man nicht vergessen, dass hier auch ein Nachahmer-Effekt mitwirkt, der nicht unterschätzt werden sollte. Oder sollen sich die Erzeuger solcher Nachrichten etwa nicht dadurch ermutigt fühlen, wenn prominenteste Leute mit schlechtem Beispiel vorangehen und damit auch noch Karriere machen? Aktuellstes Beispiel (aber eben nur ein extremes Beispiel für viele andere, die ebenso handeln) ist natürlich Trump, der für seinen Blödsinn auch noch von weiten Teilen seines Anhanges bejubelt wird. Zum Glück lassen sich in USA geradew viele Wissenschaftler seine Klitterungen und Faktenverdrehungen nicht mehr gefallen, wie ich z.B. hier erfahren habe: https://www.textundwissenschaft.de/2017/03/20/wissenschaft-als-fake-news/In diesem Sinne sollten die Wissenschaftler auch in Europa noch viel selbstbewusster gegen solche Geschichtsklitterer und Demagogen vorgehen, was in Zeiten der zunehmenden Abhängigkeit der Hochschulen von Drittmitteln usw. natürlich nicht leichter wird. Gemeinsam mit seriösen Medien und Bloggern sollte es ihnen gelingen, den Fake-News-Unsinn in eine unbedeutende Randerscheinung zu verwandeln, wie es sie immer gegeben hat und wohl auch in jedem Medium immer geben wird.

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