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Hochschule der Medien

Kommunikations-Studie

Vertrauen in die Medien schwankt

Kommunikationswissenschaftler des Instituts für Publizistik der Johannes Gutenberg-Universität Mainz untersuchten im Oktober und November 2016 mithilfe einer repräsentativen Umfrage das Vertrauen der Bevölkerung in die Medien.

Das Wort des Jahres 2016 war "postfaktisch", in den sozialen Netzwerken wimmelt es von Fake News und die sogenannte "Lügenpresse" ist in aller Munde. Die Debatte rund um das Vertrauen in die Medien wird vielfach diskutiert und medial aufbereitet. Nun haben fünf Mainzer Kommunikationswissenschaftler das Thema auf der Grundlage einer empirischen Umfrage mithilfe von 1.200 Personen untersucht und bereits erhobenen Daten aus den Jahren 2015 (n = 500) sowie 2008 (n = 850) gegenübergestellt.

MEDIENVERTRAUEN BEI WICHTIGEN DINGEN (in %). Frage:„Wie ist das, wenn es um wirklich wichtige Dinge geht –etwa Umweltprobleme, Gesundheitsgefahren, politische Skandale. Wie sehr kann man da den Medien vertrauen?“ Quelle: EJO

Polarisierung des Vertrauens

Bei der Frage, wie sehr man den Medien bei wichtigen Dingen wie etwa Umweltproblemen, Gesundheitsgefahren und politischen Skandalen vertrauen könne, nahmen sowohl die Antwortmöglichkeit "Man kann eher nicht/überhaupt nicht vertrauen" als auch "Man kann eher/voll und ganz vertrauen" im Vergleich zu den Vorjahren zu. Während in den Jahren 2008 und 2015 nur 29 Prozent sowie 28 Prozent den Medien in wichtigen Dingen eher oder voll und ganz vertrauten, waren es im vergangenen Jahr 40 Prozent. Ein wenig bis nicht ausgeprägtes Vertrauen in die Medien steigerte sich von acht Prozent auf über 19 Prozent und schließlich 24 Prozent. Die Antwortmöglichkeit "teils/teils" verringerte sich von 63 Prozent über 53 Prozent auf 36 Prozent. Somit wird deutlich, dass sich die Entscheidung für das aktive Vertrauen oder Nicht-Vertrauen in die Medien über die Jahre hinweg polarisiert hat.

Zwar hat der Vertrauensverlust gegenüber den Medien Zuwachs erhalten, deutlich höher ist jedoch der Zuwachs in das Vertrauen in die Medien. Hierbei ist die Mediengattung ausschlaggebend, da viele Bürger hierfür eine Unterscheidung vornehmen. Mit einem großen Abstand werden das öffentlich-rechtliche Fernsehen mit 69 Prozent und Tageszeitungen mit 66 Prozent der Bevölkerung als eher bis sehr glaubwürdig eingestuft. Die Mediengattungen Internet, privates Fernsehen sowie Boulevardzeitungen werden nur von 24 Prozent, 21 Prozent und 10 Prozent der Bevölkerung als eher oder sehr glaubwürdig eingestuft.

GLAUBWÜRDIGKEIT MEDIENGATTUNGEN (in %).Frage:„Manche Menschen halten bestimmte Medienangebote für glaubwürdiger als andere. Ich lese Ihnen die Medienangebote von eben noch einmal vor. Bitte sagen Sie mir, wie glaubwürdig Sie diese Angebote finden.“. Quelle: EJO

Das Phänomen "Lügenpresse" und Hasskommentare im Netz

Dennoch ist der Begriff "Lügenpresse" bei den Befragten nicht zu unterschätzen: Über ein Viertel der Probanden wirft den Medien vor, die Meinung der Bevölkerung zu manipulieren und gemeinsam mit der Politik zu arbeiten. Weiterhin geht fast ein Fünftel der Probanden davon aus, dass die Bevölkerung "systematisch (von den Medien) belogen" wird.

Auch die Thematik von Trollen und Hasskommentaren in den sozialen Medien wird in der Studie betrachtet: Sie werden lediglich von einer sehr kleinen, jedoch lauten und radikalen Minderheit eingesetzt. Der Großteil der Bevölkerung entzieht sich einer aktiven Teilnahme an Debatten im Netz. Folglich wird die Aufmerksamkeit auf eine Minderheit gelenkt, wenn eine Stimmung im Netz beschrieben wird.

Verschwörungstheorien

Ein weiteres Ergebnis der Erhebung ist die Anfälligkeit von 15 bis 20 Prozent der Bevölkerung für klassische Verschwörungsmythen. Hierbei herrscht ein Zusammenhang zum nicht vorhandenen Vertrauen in die Medien: Menschen, die davon ausgehen, von den Medien systematisch belogen zu werden schenken klassischen Verschwörungstheorien wie beispielsweise der Inszenierung von 9/11 Glauben. Ebenso bestehen Zusammenhänge zwischen der Politik- und Medienverdrossenheit und dem Verschwörungsdenken.

Quelle: EJO

Bildquelle Startseite: PEXELS

Isabelle Knapp

VERÖFFENTLICHT AM

08. Februar 2017

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