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Social Bots 27. Februar 2017

Meinungsmache auf höchstem Niveau

Politische Debatten werden mittlerweile stark über die sozialen Medien gelenkt. Da ist es nicht verwunderlich, dass auch der US-amerikanische Wahlkampf 2016 zu großen Teilen in diesen stattgefunden hat. Künstliche Wahlkampfhelfer – sogenannte Social Bots – wurden dabei eingesetzt, um die Stimmung aufzuheizen. Doch wie funktionieren diese vermeintlich menschlichen Accounts und wie gefährlich sind sie?

In den sozialen Medien tummeln sich zunehmend Social Bots, die automatisierte Botschaften verbreiten. (Bild: HdM)
In den sozialen Medien tummeln sich zunehmend Social Bots, die automatisierte Botschaften verbreiten. (Bild: HdM)

Am 24. September 2017 finden in Deutschland wieder Bundestagswahlen statt. Bis dahin kämpfen die Parteien um jeden Wähler. Warum diese nicht mit ein paar propagierenden Robotern auf seine Seite locken? Was nach Science Fiction klingt, ist längst Realität geworden: Social Bots - eine Abkürzung für "Robots" - heißen programmierte Fake-User in den sozialen Netzwerken, die täuschend echte, voreingestellte Botschaften autonom und massenhaft verbreiten. Inzwischen kommen sie immer öfters zum Einsatz, um über Beiträge, Tweets oder Kommentare Informationen zu verbreiten und damit bestenfalls die öffentliche Meinung zu manipulieren. Sie kommen insbesondere im politischen Kontext zum Einsatz. So wurden sie beispielsweise auch im Ukraine-Konflikt, bei der Brexit-Abstimmung und zuletzt im US-amerikanischen Wahlkampf eingesetzt.

Jeder dritte Follower im US-Wahlkampf eine Maschine

Wo sich früher Unternehmen Likes und Follower kauften, um sich im Netz besser zu positionieren, werden heutzutage - insbesondere bei moralischen und emotionalen Themen - Meinungsroboter eingesetzt. In der Politik agieren sie neuerdings als künstliche Wahlkampfhelfer. So haben US-Forscher herausgefunden, dass Hilary Clinton und Donald Trump im US-Wahlkampf 2016 massive Unterstützung durch Social Bots hatten, um auf die Meinung in sozialen Netzwerken Einfluss zu nehmen. Das heißt konkret: Jeder dritte Follower der beiden Präsidentschaftskandidaten war kein Mensch, sondern eine Maschine. Darüber hinaus waren es Bots, die einen beträchtlichen Teil der Nachrichten zur Unterstützung der Kandidaten in deren erster TV-Debatte absetzten. Kritiker sind sogar überzeugt, dass es dem umstrittenen Präsidentschaftskandidaten Trump erst durch jene Fake-Use überhaupt gelungen sei, Präsident der Vereinigten Staaten zu werden.

Eine eigene Identität

Die ursprüngliche Idee solcher Bots lag in der maschinellen Weiterreichung von Nachrichten. So werden sie zum Beispiels im Online-Kundenservice eingesetzt, wo sie auf Fragen von Usern mit vordefinierten Antworten reagieren. Doch mittlerweile handelt es sich nicht nur bloß um Fake-Accounts, die massenhaft kommentieren und Nachrichten absetzen, sondern häufig auch um schlichtweg falsche Nachrichten, also Fake-News, die über Social Bots verbreitet werden und die ein großes Problem in den sozialen Netzwerken darstellen (siehe dazu: https://www.hdm-stuttgart.de/view_news?ident=news20161220172509). Ein einfacher Social Bot ist schnell programmiert: Die Texte, die in der Welt verbreitet werden sollen, werden vorab erstellt, der Roboter schickt diese dann ab. Zudem antworten sie auf bestimmte Schlagworte oder retweeten automatisch die Tweets zu einem bestimmten Thema von "echten" Usern. Ihr Programmcode wird immer intelligenter, sodass eine Unterscheidung zwischen echten und gefälschten Profilen zusehends schwieriger wird. Über intelligente Algorithmen, mit denen sich die Bots aus Informationen im Netz selbst Profile zusammenstellen, und künstlicher Intelligenz, die dem Bot unter anderem ermöglicht, anderen Nutzern zu folgen, wirken sie immer authentischer. Hinzu kommt die Verwendung echter Profilbilder anderer Nutzer. Daher sind sie oftmals nur schwer als Absender automatisch generierter Nachrichten zu entlarven, womit sie in der Masse von echten Profilen untergehen und kaum von diesenzu unterscheiden sind. Sie können sogar "echte" Menschen als Freunde oder Follower in den sozialen Netzwerken haben.

Bundestagswahlkampf ohne Social Bots

Dürfen diese meinungslenkenden Programme zur Stimmungsmache im sozialen Netz überhaupt eingesetzt werden? Sie verstoßen lediglich gegen das Kleingedruckte in den AGB's der Netzwerke. Bis dato plant die Bundesregierung nicht, strafrechtlich gegen Social Bots tätig zu werden. Sie will zunächst prüfen, ob ein Gesetz tatsächlich sinnvoll ist. Die Grünen-Spitzenkandidatin Katrin Göring-Eckhardt sprach sich beispielsweise für eine gesetzlich vorgeschriebene Kennzeichnung von Roboter-Meldungen aus. Auch andere Parteien wie CDU, SPD, FDP und Linkspartei sind sich einig, keine Social Bots als digitale Wahlhelfer einzusetzen. Lediglich die Alternative für Deutschland (AfD) bezieht keine klare Stellung: Hatte sie zunächst angekündigt, im Bundeswahlkampf 2017 auch auf Social Bots setzen zu wollen, ruderte sie wieder zurück. Es bleibt also abzuwarten, ob die Parteien bei einem fairen Wettkampf im Internet bleiben oder sich diesem zu diesem mächtigen und sicherlich verführerischen Tool hinreißen lassen.

Einfluss auf Meinungsbildung

Das Ziel hinter Social Bots ist, die Nutzer in den sozialen Medien von einer bestimmten - angeblich vorherrschenden Meinung - zu überzeugen. Ihre Macher nutzen es aus, dass Menschen sich gewisserweise an der Mehrheit orientieren. Doch genau diese "Mehrheit" stellt ein Problem dar: Denn sie wird im Internet verzerrt wahrgenommen. Dies liegt an der Struktur der Netzwerke: Man kennt nicht alle Teilnehmer, sondern nur einen Teil - und zwar die, mit denen man verbunden ist. So könnte man durch die dominierende Meinung anderer Nutzer - und somit auch die der Social Bots, die sich unters Volk mischen - den Eindruck gewinnen, dass dies die vorherrschende Meinung und sich dieser Meinung schlussendlich anschließen.

Inwiefern Social Bots ihr Ziel der Meinungsmanipulation in den sozialen Medien tatsächlich erreichen, ist jedoch nicht eindeutig bewiesen: Bislang gibt es keine Studien über die unmittelbaren Effekte dieser Propagandaroboter. Es wird lediglich vermutet, dass sie diese manipulierende Wirkung haben aufgrund des künstlichen Aufbauschens bestimmter Themen und des damit einhergehenden großen Beeinflussungspotenzials.

 

Quellen:

Daniel Jordan, Isabell Meurers

Kommentare zum Beitrag

Peter (am 28.02.2017 um 16:58 Uhr ): Hallo,

einen Artikel, der als Quellen ausschließlich Zeitungsartikel verwendet, finde ich einer angesehenen Medien-Hochschule nicht würdig. Einen etwas kritischeren Umgang mit jenen würde ich mir von zukünftigen Wissenschaftlern schon wünschen.



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