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Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

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Kulturtechnik-Projekt

Erzählen als Kulturtechnik

In Kooperation mit der Universität Abidjan an der Elfenbeinküste und mit finanzieller Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer der HdM hat der Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement ein Kulturforschungs-Projekt realisiert. Zentrale Frage: Wie unterscheidet sich die archaische mündliche von der modernen schriftlichen Wissensweitergabe? Zum Abschluss des Projekts im Februar bedankten sich jetzt die teilnehmenden Schulen aus Abidjan.

Schüler bei der kreativen Bearbeitung von Geschichten

Schüler bei der kreativen Bearbeitung von Geschichten

Abschlussveranstaltung: Gruppe Ngowa (Fotos: Stefanie Kastner)

Abschlussveranstaltung: Gruppe Ngowa (Fotos: Stefanie Kastner)

Dankschreiben der Schule

Dankschreiben der Schule

Dankschreiben der Schule

Dankschreiben der Schule

Die Bedeutung des Erzählens als Kulturtechnik stand im Zentrum des Projektes "Oralität und Literalität", das mit finanzieller Unterstützung des Vereins der Freunde und Förderer der Hochschule der Medien (HdM) in Kooperation der Universität Houphouet Boigny Abidjan (Prof. Dr. Firmin Ahoua) und der HdM (Prof. Dr. Richard Stang) in der Elfenbeinküste durchgeführt wurde. In dem Projekt ging es unter anderem um die Frage, wie Leseförderung in mündlich geprägten Gesellschaften an die traditionelle Kulturtechnik des Erzählens gekoppelt werden kann. In einer Veranstaltung präsentierten Stefanie Kastner (Masterstudentin der HdM), Hippolyte Yao Bondouho (Projektmitarbeiter von der Elfenbeinküste) und Dieu-Donné (Erzähler von der Elfenbeinküste) die Ergebnisse an der HdM. Die Präsentation war verbunden mit einem Auftritt der Gruppe "N'gowa", die Geschichten durch Musik und Erzählungen erlebbar macht und zur Leseförderung beitragen will.

Schnittstelle zwischen Sprech- und Schreib-Überlieferung

Die Ergebnisse des Projektes machen deutlich, dass die Weitergabe von Informationen und der Transfer von Wissen in vielen Ländern Afrikas in mündlicher Form erfolgt und dass die westliche Perspektive der Literalität, dem nur bedingt gerecht wird. Ziel des Projektes war es deshalb, herauszufinden, wie eine Brücke zwischen den Informationssystemen Oralität und Literalität, die beide nach unterschiedlichen Regeln funktionieren und parallel nebeneinander existieren, gebaut werden kann. An der Schnittstelle von Oralität und Literalität wurde untersucht, ob vor allem die Arbeit mit Bildern, Tönen, Musik und bewegten Bildern eine Brückenfunktion einnehmen kann.

Forschungsort war die Kleinstadt Prikro (etwa 33.000 Einwohner), die rund 300 km von Abidjan entfernt im Landesinneren der Elfenbeinküste liegt. Die Kleinstadt ist stark von der Mündlichkeit geprägt, es gibt in den Dörfern einen bzw. mehrere Griots (Erzähler und Bewahrer der mündlichen Tradition). Durchgeführt wurden die Untersuchungen in den beiden lokalen Gymnasien "Lycée Moderne de Prikro" und "Institut Secondaire Mamie Adiata". Mit der Untersuchung mit Hilfe von Befragungen, teilnehmenden Beobachtungen sowie der Analyse von Leseförderaktivitäten ging die Einrichtung von zwei Schulbibliotheken an den beiden Gymnasien einher. Dafür haben sich die Schulen bei dem Verein der Freunde und Förderer der HdM bedankt.

Geschichtenerzählen noch immer lebendig

Eines der Resultate der quantitativen Befragung zum Mediennutzungsverhalten der Jugendlichen war, dass N'gowa, das Geschichtenerzählen, in den Familien sehr lebendig ist. 51 Prozent der Jugendlichen gaben an, dass sie schon einmal oder noch immer Geschichten erzählt bekommen. Das Storytelling erfreut sich darüber hinaus großer Beliebtheit: 96 Prozent der befragten Jugendlichen sagten, dass sie gerne oder sehr gerne Geschichten erzählt bekommen bzw. erzählt bekommen würden. Es konnten auch Hinweise dafür gefunden werden, dass Leseförderung zu besseren Ergebnissen führen kann, wenn Mündlichkeit und Schriftlichkeit gleichberechtigt betrachtet werden und wenn die Förderung des Lesens und Schreibens an die kulturelle Basis der Schüler, an die Oralität geknüpft wird. Um dies zu verifizieren, bedarf es aber weiterer Studien.

Afrikanische Erzähltradition wiederbeleben

Über die Diskussion und Verwertung der gewonnenen Daten in der Elfenbeinküste hinaus, bieten die Ergebnisse auf für Deutschland interessante Hinweise. Vor allem Jugendlichen mit Migrations- oder Fluchthintergrund und sehr leseschwachen Jugendlichen könnte geholfen werden, auf dem Arbeitsmarkt durch bessere Leseleistungen und damit bessere Bildung bessere Chancen zu bekommen. Welche Lebendigkeit in der Erzähltradition in Afrika steckt, konnten die Besucher in der Veranstaltung miterleben. Mit musikalischer Untermalung konnte der Erzähler Dieu-Donné alle in den Bann ziehen und die Kraft der Sprache erlebbar machen. Manche gingen mit der Erkenntnis nach Hause, dass hier in der westlichen Kultur etwas verloren gegangen ist.

VERÖFFENTLICHT AM

15. März 2017

KONTAKT

Prof. Dr. Richard Stang

Bibliotheks- und Informationsmanagement

Telefon: 0711 8923-3174

E-Mail: stang@hdm-stuttgart.de

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