Logo der HdM
Netzwerk Artikel per Mail verschicken

Die Alumni der HdM, Teil 49 13. April 2017

"Ich würde alles wieder so machen"

Philip Gnadt machte 2008 sein Diplom im Studiengang Audiovisuelle Medien an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM). Neun Jahre später ist sein Dokumentarfilm "Gaza Surf Club" im Kino zu sehen. Wie es zu der Entstehung des Film gekommen ist, verrät er hier.

HdM-Alumnus Philip Gnadt, Foto: Mohammed Alsousi
HdM-Alumnus Philip Gnadt, Foto: Mohammed Alsousi

Schon während seines Studiums an der HdM gründete Philip Gnadt die Produktionsfirma "Substanz Film" und realisierte mit Kommilitonen kleinere Jobs. 2003 bekam er den Förderpreis der Baden-Württembergischen Filmindustrie in der Kategorie Dokumentarfilm. Mit dem Ende ihrer Studienzeit und mit dem Abschluss in der Tasche bauten Gnadt und seine Studienkollegen die Jobs einfach aus - er sitzt bis heute mit zwei ehemaligen HdM-Kommilitonen in einem Büro in Stuttgart und sie machen immer wieder gemeinsam Projekte. Größtenteils sind es Corporate- oder Produktfilme, aber manchmal kommt auch ein Herzensprojekt wie sein aktueller Doukmentarfilm "Gaza Surf Club" dabei heraus.

 

Alumni Sprechstunde mit...

Name: Philip Gnadt
Alter: 42
Studiengang an der HdM: Audiovisuelle Medien

Jahr des Studienabschlusses: 2008

Thema der Abschlussarbeit: "Die Dramaturgie der letzten Reise am Beispiel des selbst produzierten Kurzfilms 'Gyzicko'"; der spätere Filmtitel war dann "Zwölf Seiten"

Berufsbezeichnung: Regisseur

HdM: Wo haben Sie in der HdM am liebsten studiert?
Philip Gnadt: Das war definitiv im ersten Stock der Raum ganz hinten der an eine Schiffsbrücke erinnert, wo auch ein Klavier stand. Egal welches Fach, hier kam man sich immer vor wie in einem Atelier, mir hat das sehr gut gefallen und ich bilde mir ein, hier konnte ich am besten lernen.

HdM: Welche Vorlesung ist Ihnen am meisten hängen geblieben und warum?
Philip Gnadt: Die Mathevorlesungen des leider kürzlich verstorbenen Prof. Dr. Lutz Lichtenau waren schon einzigartig, vor allem für Leute, die mit Mathe auf Kriegsfuß standen. Inhaltlich war es Filmgestaltung bei Prof. Rolf Coulanges, der uns Woche für Woche versuchte, die Nouvelle Vague von "Atemlos" bis "Alphaville" näher zu bringen. Es war nicht immer einfach, nach der Mittagpause zwei Stunden französischen Filmen im Original mit meist englischen Untertiteln zu folgen und sie im Anschluss zu analysieren, aber im Nachhinein bin ich sehr froh. Besonders im Gedächtnis ist mir "Les Carabiniers" von Jean Luc Godard geblieben. Laut Herrn Coulanges der einzig wirkliche Antikriegsfilm, da er keinen Krieg zeigt und ihn damit auch nicht verherrlicht.

HdM: Wer war ihr Lieblingsprof?
Philip Gnadt: Prof. Dr. Lutz Lichtenau. Wenn man anfängt, an einer Medienhochschule zu studieren, gehört Mathe zwar eher zu den Hürden des Grundstudiums, aber er hat es mit Witz und Fachwissen geschafft, dass man immer mit einer gewissen Vorfreude den fensterlosen Vorlesungssaal betrat.

HdM: Würden Sie als Student heute etwas anders machen?
Philip Gnadt: Ich habe mein Studium relativ spät begonnen und hatte vorher schon eine Ausbildung absolviert und Praxiserfahrung gesammelt. Damit konnte ich mich während des Studiums relativ zielsicher auf die Vorlesungen und Praxisteile konzentrieren, die mir wichtig erschienen. Es gab Fächer, die ich gerade so bestand, weil sie Pflicht waren, aber das war ok, weil ich meine Energie dann in die Wunschfächer legen konnte. Das würde ich heute wieder genauso machen.

HdM: Wie sind Sie auf die Idee für den Film "Gaza Surf Club" gekommen?
Philip Gnadt: An der HdM habe ich Hossam kennen gelernt, der in Gaza geboren wurde und dort aufgewachsen ist. Er hat sozusagen mein erstes Interesse an der Region geweckt. Der eigentliche Auslöser war aber erst Jahre später eine Fotostrecke in einem Sportmagazin über eben jene Surfer im Gazastreifen. Da ich mich schon etwas mit der Region befasst hatte, gefiel mir sofort der andere Blickwinkel, der entsteht, wenn man mal den kriegerischen, politischen Aspekt des Konflikts nicht in den Mittelpunkt rückt, sondern die Menschen in Gaza, die mit der Situation tagtäglich klar kommen müssen.

HdM: Was waren die größten Herausforderungen beim Dreh?
Philip Gnadt: Das Projekt ging über fünf Jahre und war stellenweise ziemlich kompliziert. Es gab immer wieder Herausforderungen, deren Lösung erst mal unklar waren. Zunächst war da das Sprachproblem, da ich kein Arabisch spreche. Ich habe aber einen Produzenten gefunden, der sowohl Deutsch als auch Arabisch spricht, das war sehr wichtig. Dann die Frage der Einreise. Für die Recherchereise 2013 sind wir noch über Ägypten rein gegangen, für den eigentlichen Dreh anderthalb Jahre später war diese Grenze nur noch für humanitäre Zwecke offen, und wir mussten über Israel einreisen. Da war es jedes mal ziemlich aufwendig, heraus zu bekommen, wo man welche Papiere beantragen muss. Später im Schnitt war lange nicht klar, welche der vielen Geschichten wir im Film erzählen wollen.

HdM: Sie waren sechs Wochen im Gazastreifen zum Drehen: Gibt es einen Moment, der Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist, wenn Sie sich an die Zeit dort zurückerinnern?
Philip Gnadt: Das Mittelmeer ist ja nicht gerade für seine wahnsinnig großen Wellen bekannt, deshalb waren wir uns nicht sicher, ob in der Zeit, die wir vor Ort waren, gute Wellen auftauchen würden. Und dann gab es diesen stürmischen Tag, die Wellen schlugen über die Kaimauer, die Surfer gingen immer weiter, aber unser Kameramann blieb irgendwann mit unserer Arri Amira stehen, da er sie nicht mehr trocken halten konnte. Das waren wahnsinnige Bilder, die ich unbedingt haben wollte, aber unsere Hauptkamera konnte nicht schnell genug wasserdicht gemacht werden. Da schnappte ich mir unsere beiden GoPros und ging den Surfern im knietiefen Wasser hinterher bis zum Ende der Kaimauer, die aus Kriegstrümmern aufgeschüttet ist. Das war ein irres Wellenerlebnis, das ich so in dieser Region nicht erwartet hätte. Einen Teil der Bilder hat es auch in den Film geschafft.

HdM: Standen Sie selbst schon mal auf einem Surfbrett?
Philip Gnadt: Ich war am Atlantik mal Bodyboarden und kann ein wenig abschätzen, wie schwierig es ist, eine Welle zu Reiten, aber auf einem Surfbrett stand ich noch nie. In der Vorbereitung auf den Film hatte ich eigentlich fest vor, zumindest einen Grundkurs zu machen, aber irgendwas kam immer dazwischen. Ausprobieren will ich es auf jeden Fall.

HdM: Woran arbeiten Sie gerade?
Philip Gnadt: Ich habe momentan drei neue Doku-Ideen, die ich jetzt mal anschieben werde. Welche dann wirklich umgesetzt werden kann, wird sich zeigen. Aber ganz konkret muss ich jetzt erst mal wieder etwas Geld verdienen, da man von so einem langen und aufwendigen Doku-Projekt nicht seine Miete bezahlen kann.

Kristina Simic

Weiterführende Links

Studiengang Audiovisuelle Medien

Kommentar hinzufügen

Ihr Kommentar


Hinweise zur Kommentarfunktion

Die Redaktion der HdM-Website freut sich über Ihre konstruktiven Kommentare - ob kritisch, lobend oder neutral. Wir behalten uns vor, Beiträge vor der Veröffentlichung zu prüfen und gegebenenfalls zu editieren oder abzulehnen.

Die Prüfung kann in Ausnahmefällen einige Stunden in Anspruch nehmen.

Bitte beachten Sie bei der Erstellung Ihres Kommentars folgende Regeln:

  • Wir legen Wert auf einen sachlichen Stil der Kommentare und den Respekt vor anderen Meinungen.
  • Kommentare werden gelöscht, wenn sie andere etwa wegen ihres Geschlechts, ihres Alters, ihrer Sprache, ihrer Abstammung, ihrer religiösen Zugehörigkeit oder ihrer Weltanschauung diskriminieren.
  • Demagogische, sexistische oder rassistische Äußerungen führen zur sofortigen Löschung des Kommentars.

Heute ist

Tag der Seefahrer

Termine

Weitere Termine im HdM-Kalender

Online Info Session - Weiterbildungszentrum - Berufsbegleitend Studieren in Outlook eintragen 28.06.2017 Online Info Session - Weiterbildungszentrum - Berufsbegleitend Studieren mehr

CONMEDIA "Stutopia - Stadt der Zukunft" in Outlook eintragen 28.06.2017 CONMEDIA "Stutopia - Stadt der Zukunft" mehr

MediaNight in Outlook eintragen 29.06.2017 MediaNight mehr

Werkstattgespräch mit Tagesthemen-Anchorman Ingo Zamperoni in Outlook eintragen 29.06.2017 Werkstattgespräch mit Tagesthemen-Anchorman Ingo Zamperoni mehr

Tagung: Narrative des Populismus in Outlook eintragen 30.06.2017 Tagung: Narrative des Populismus mehr

Absolventenfeier in Outlook eintragen 28.07.2017 Absolventenfeier mehr

Erstsemesterbegrüßung zum Wintersemester 2017/2018 in Outlook eintragen 09.10.2017 Erstsemesterbegrüßung zum Wintersemester 2017/2018 mehr

Workflow Symposium in Outlook eintragen 26.10.2017 Workflow Symposium mehr

Weitere Termine im HdM-Kalender

© Hochschule der Medien 2017 | Impressum | Hinweise zum Datenschutz Login