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Trash-TV 03. Mai 2017

Die Rosen sind verwelkt, Trash-TV blüht

"Möchtest du diese Rose annehmen?" Oder: "Du bist es vielleicht!" Diese Sätze haben die meisten TV-Zuschauer in den vergangenen Wochen und Monaten einige Male gehört. Zugeben möchten es zwar nicht alle, aber Trash-TV wird fleißig geschaut. Jetzt ist "der Bachelor" vorbei, die letzte Rose vergeben, der Dschungelkönig gekrönt. Was bleibt, sind neue Z-Promis in der Fernsehwelt und die nächste Trash-Sendung in den Startlöchern.

Wird derzeit donnerstags der Fernseher wieder angeschaltet, bietet sich ein ähnliches Bild. Es werden zwar keine Rosen verteilt, stattdessen fiebern die "Määääädels" um die Gunst von Heidi. Keine möchte hören, dass es dieses Mal "leider kein Foto" gibt. Trash-TV ist und bleibt beliebt, jedes Jahr gibt es gefühlt eine neue, originelle Idee. Das Sommerhaus der Stars, Sendungen in der Wüste Afrikas oder eben die Klassiker, die jedes Jahr produziert werden, wie das Dschungelcamp, DSDS oder Promi Big Brother.

Zicken-Zoff oder Drama, Baby!

Der Bachelor. Quelle: RTL
Der Macho, die Zicke, die Einfühlsame, der Verrückte und das Playboy-Model, die Typen sind in fast jeder Show ähnlich und mittlerweile dem Publikum bekannt. Wieso schalten wir trotzdem all die ähnlichen Shows ein? Die Kniffe der Trash-TV Redakteure sind simpel, aber erfolgreich. Das Prinzip der Shows geht immer wieder auf. So weiß der Zuschauer oft von Anfang an, welcher Teilnehmer welche Rolle einnimmt, wer sich wie verhält. Die Sendungen leben aber auch von ihrer Eigendynamik. Mittlerweile bedienen sich fast alle der Trash-TV Formate an Klischees, die während der Sendung bedient werden sollen. So ist im Voraus meist klar definiert, wer welchen Part innerhalb der Shows einnimmt, wer muss beim "Bachelor" neben dem Pool Sportübungen in knappen Shorts machen, um für die Einschaltquote zu sorgen, wer sorgt für Skandale beim Dschungelcamp. Alles, was Schlagzeilen bringt, wird genutzt. Wer sich jedoch zum Sympathieträger mausert oder sich mit spontanen Ausbrüchen ins Abseits schießt, kann zuvor nicht definiert werden. Denn die Teilnehmer entwickeln sich während einer Sendung weiter, brechen auch zum Teil ganz aus ihrer gegebenen Rolle aus. Diese Verbindung aus stereotypen Handlungen und der Eigendynamik der Teilnehmer sind ein großer Erfolgsfaktor einer Show. Und sobald diese Kniffe nicht mehr ausreichen, werden die Protagonisten emotionalisiert. Dramatische Ereignisse werden thematisiert und überspitzt dargestellt, die Jugend oder die Familienverhältnisse aufgearbeitet, emotionale Ausbrüche mit melancholischer Hintergrundmusik. Das bindet die Zuschauer an eine Show.

Miami oder L.A. - Hauptsache hot!

Aber auch bereits die Ortswahl ist ausschlaggebend für den Erfolg der Sendung und ein weiterer Kniff der Produzenten. Es ist eine einfache Rechnung: warme Temperaturen und knappe Kleidung gleich Erfolg. DSDS dreht den Recall seit einigen Jahren bereits an den schönsten Stränden in Thailand, auf Curacao und aktuell Dubai, der Bachelor wurde in Miami und GNTM meistens in L.A. gedreht. Bei DSDS ging es am Anfang ausschließlich um gesangliche Talente, bei "der Bachelor" möchte die große Liebe gefunden werden, alle Teilnehmer der Shows werden aber zuvor im Bikini oder in Shorts für Pressefotos abgelichtet, denn Sex sells! Der Erfolg von Trash-TV basiert also auf relativ einfachen Kniffen, die Beweggründe der Zuschauer lassen sich ebenfalls simpel zusammenfassen. Zum einen kann der Zuschauer in dieser Zeit dem Alltag entfliehen, sich berieseln lassen von der seichten Unterhaltung, schöne Menschen anzuschauen, ohne dabei nachdenken zu müssen. Zum anderen ist es auch die Neugier, die einen antreibt, immer mehr über die Teilnehmer zu erfahren, wie die Personen ticken oder was diese alles erlebt haben. Für manche Zuschauer kann noch ein Grund sein, dass sie durch das ständige Sich-Messen im Alltag, beruflich oder privat, unzufrieden mit sich selbst sind. Der Blick auf die Trash-TV Formate hilft einem dabei, sich ab und zu besser zu fühlen als die Teilnehmer. Das Normalo-Dasein erscheint einem dann doch nicht mehr ganz so übel. Diese Aspekte machen neben den Teilnehmern auch den Erfolg von Trash-TV aus. Es kann sogar ein besseres Gefühl über das eigene Leben vermittelt werden. Dafür sollte man den Produzenten dieser Shows fast schon "Danke" sagen.

Ann-Kathrin Gugel

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