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Ausstellung 26. Mai 2017

Vom Laufburschen zum Millionär

Das Haus der Geschichte Baden-Württemberg holt Hollywood nach Stuttgart: Zum 150. Geburtstag des am 17. Januar 1867 in Laupheim geborenen Carl Laemmle präsentiert das Museum bis 30. Juli 2017 noch nie zuvor gezeigte Ausstellungsstücke aus dem Leben und Werk des Mannes, der Hollywood erfunden hat.

Das Plakat zur Ausstellung, Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg
Das Plakat zur Ausstellung, Quelle: Haus der Geschichte Baden-Württemberg

Die Große Landesausstellung "Carl Laemmle presents..." zeigt, wie ein jüdischer Oberschwabe zum Erfinder der Traumfabrik Hollywood wurde: Laemmle wanderte aus dem Ländle in die USA aus, war dort erst als Runner tätig, bevor er seinen Traum wahrmachte, die "Universal Studios" gründete und zu einem der international erfolgreichsten Filmproduzenten aufstieg. Was wie der Plot eines Hollywoodfilms klingt, ist auch als solcher inszeniert: Das Haus der Geschichte erzählt Laemmles Leben stilchecht und passend in Filmsets. Dabei inszenieren fünf Studios fünf Geburtstage Laemmles, die Wegmarken seines Lebens darstellen. Zu den einzigartigen Ausstellungsobjekten gehören dabei unter anderem ein echter Oscar sowie internationale Filmplakate und Requisiten, wie beispielsweise die Fledermaus aus "Dracula".

Fünf Kapitel aus Laemmles Leben

Das Kapitel "Der Deutsch-Amerikaner" zeigt Laemmles Leben aus zwei Perspektiven: Am Vorabend des Eintritts der USA in den Ersten Weltkrieg feierte Laemmle seinen 50. Geburtstag. Danach drehte er eine Reihe antideutscher Filme, reiste aber nach dem Ende des ersten Weltkrieges regelmäßig nach Deutschland und wurde ein Wohltäter seiner Geburtsstadt Laupheim. Der Regie-Oscar, der in diesem Teil der Ausstellung zu sehen ist, rückt ein Meisterwerk in den Mittelpunkt: den 1930 mit zwei Academy Awards ausgezeichneten Antikriegsfilm "Im Westen nichts Neues". Dieser markiert den Höhepunkt von Laemmles Karriere, andererseits auch eine Zäsur. In Deutschland wurde der Film vor allem in rechtsnationalen Kreisen gehasst, Laemmle als "Filmjude" beschimpft. Daraus resultierend reiste Laemmle nicht mehr in seine alte Heimat.

Der Austellungsteil "Der Gründer" verdeutlicht, warum Carl Laemmle der Vater Hollywoods ist. Er kaufte 1914 das Gelände einer Hühnerfarm in der Nähe von Los Angeles und baute darauf ein Produktionsstudio, das alle damaligen Maßstäbe sprengte: "Universal City", eine Filmstadt mit Zoo, Krankenhaus, eigener Polizei und Bürgermeisterin. Das Kapitel "Der Global Player" widmet sich der weltweiten Filmvermarktung: Laemmle verstand den Namen seines Unternehmens "Universal" durchaus wörtlich. Eine große Landkarte führt die rund 120 Niederlassungen vor Augen, die bis zu Carl Laemmles 66. Geburtstag entstanden waren - von Oslo bis Buenos Aires und von Vancouver bis Tokio. Im Kapitel "Der Patriarch" wird gezeigt, dass Laemmles Familie für ihn größte Bedeutung hatte. Zahlreiche Verwandte arbeiteten bei Universal, 1929 übergab er die Geschäfte seinem Sohn Julius, genannt Junior. Dessen Filme wurden Kassenschlager - und die ausgestellten Objekte wie die Fledermaus aus "Dracula", eine Handschelle aus "Frankenstein" oder die Bandage der "Mumie" erinnern an berühmte Filmszenen.

Einen weniger glamourösen, aber umso bedeutenderen Teil aus Laemmles Leben schildern die Ausstellungsmacher im Studio zu seinem letzten Geburtstag 1939: "Der Retter". Nach seinem Abschied vom Filmbusiness rettete er einige hundert deutsche Juden vor dem sicheren Tod, indem er ihnen mit Bürgschaften (Affidavits) die Einreise in die USA ermöglichte. Die Namen dadurch geretteter jüdischer Deutscher bestimmen das in grauen Tönen gehaltene Raumbild. Nachdem Carl Laemmle rund 300 Affidavits ausgestellt hatte, erkannten die US-Behörden keine weiteren mehr von ihm an. Laemmle drängte seine Freunde, ebenfalls Bürgschaften zu übernehmen. Wie sehr es ihn beschäftigte, dass er nicht alle Hoffnungen auf Hilfe erfüllen konnte, zeigt ein Brief Laemmles an den früheren Stuttgarter Schauspieler Fritz Wisten - er endet mit den Worten "I am terribly sorry".

Die Ausstellung ist noch bis 30. Juli 2017 im Haus der Geschichte Baden-Württemberg zu sehen. Informationen zu "Carl Laemmle presents..." und zum Begleitprogramm finden sich im Internet unter www.carl-laemmle-ausstellung.de

Kristina Simic

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