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Filmkritik 16. Mai 2017

Expedition Happiness

In seinem ersten Film "Pedal the World" dokumentierte Felix Starck seine Weltreise mit dem Fahrrad. Mit seiner Freundin Selima Taibi stürzte er sich 2016 in das nächste Abenteuer: Quer durch Amerika mit einem umgebauten US-Schulbus. Dabei entstand die selbstgemachte Dokumentation "Expedition Happiness".

Das Kinoplakat zum Film, Foto: © Felix Starck (Central)
Das Kinoplakat zum Film, Foto: © Felix Starck (Central)

Das junge Paar lebt in Berlin und hat nach eigenen Aussagen alles, was man sich wünschen kann. Doch etwas fehlt zum Glück. Die Stadt engt ein und kurzerhand entscheiden sie sich für ein Auslands-Abenteuer. Von Berlin aus erwerben sie einen alten US-Schulbus in North Carolina. Sie lösen die Wohnung auf, verkaufen den Großteil ihres Besitzes und fliegen schon zwei Wochen später mit Hund Rudi nach Amerika. Dort bauen sie den rostigen Schulbus mit eigenen Händen in ein überdurchschnittlich komfortables Wohnmobil um. Komplett autark, mit Küche, Bad und Schlafzimmer ausgestattet, starten sie ihre Tour durch Amerika und Kanada bis nach Alaska. Von dort aus geht es zurück in den Süden. Die Reise endet jedoch unerwartet nach zehn Monaten in Mexiko.

Persönlich und selbstgemacht

Nicht nur den Umbau des Busses leisten die Zwei mit eigenen Händen, auch die Dokumentation ist selbstgemacht. In einer Art Videotagebuch wird der Zuschauer mit auf die Reise genommen. Positive Momente und einzigartige Erlebnisse, aber auch Rückschläge, wie die Hindernisse bei der Einreise in die USA, das Erkranken von Rudi oder technische Probleme mit dem Bus, werden gleichermaßen gezeigt. Qualitativ hochwertige Drohnen-Aufnahmen und Szenen mit der Hand-Kamera wechseln sich ab. Über die Off-Stimme kommentieren die Reisenden das Dargestellte. Der persönliche Charakter des Films wird durch den handgemachten Soundtrack verstärkt. Selima, als Musikern unter dem Namen "Mogli" bekannt, hat die Lieder auf der Reise selbst geschrieben. Das Zusammenspiel aus melancholischer Folkmusik und eindrucksvollen Landschaftsaufnahmen ist berührend und wirkt. Man spürt die Freiheit, die Selima und Felix leben.

Teilweise einseitig

Bereits in den ersten Filmminuten erklären sie ihre Intention für die Reise: Die Suche nach dem Glück. Diese kommt eher langsam in Fahrt. Die Natur erkunden, seltene Tiere beobachten und mit Hund Rudi Spazierengehen sind zunächst die zentralen Beschäftigungen, die das Paar glücklich machen. Schöne Motive, dennoch haben diese Szenen ihre Längen und im Mittelpunkt steht häufig Hund Rudi. Abenteuerliche Ereignisse, die man von Weltreisenden erwartet, vermisst man zunächst. Im letzten Film-Drittel wird es abwechslungsreicher und informativer. In Mexiko kommt es zu kuriosen und spannenden Begegnungen und einigen kulturellen Eindrücken, die der Dokumentation mehr Leben verleihen. Dass Glück nicht unbedingt Freiheit bedeutet, spüren die Zwei nach einigen Monaten Reise. Sie sehnen sich nach dem Ankommen und einer gewisse Routine. Die Antwort auf die Frage was glücklich macht, geben sie nicht. Das Thema wird nicht in der Tiefe und Konsistenz behandelt, wie es der Titel verspricht - muss es aber auch nicht. Der Film wirkt selbst.

Inspirierend

Aus finanzieller Sicht hat die Reise einen unrealistischen Beigeschmack und gleicht weniger einem "klassischen" Roadtrip: Schließlich schluckt der Bus 30 Liter auf 100 km und die Ausstattung gleicht mehr einer mobilen luxuriösen Wohnung als einem gewöhnlichen Camper. Die sympathischen Persönlichkeiten und ihr natürliches Verhalten vor der Kamera verleihen "Expedition Happiness" jedoch einen sehr authentischen Charakter. Man spürt, die Zwei leben die Reise, sie lieben was sie tun und genießen das Maximum an Flexibilität und Freiheit. Der Mut und vor allem die Leichtigkeit, mit der sie sich in das Abenteuer stürzen, beeindrucken. Sie trotzen den touristischen Attraktionen und meiden attraktive Großstädte auf ihrer Route. Vielmehr lassen sie sich treiben und machen das, worauf sie Lust haben. Das ist nicht nur das, was die beiden verbindet, sondern scheint auch die indirekte Botschaft des Films zu sein: Weg von vorgefertigten Wegen und Musterlösungen. Auch wenn es an kulturellen Eindrücken und spannenden Erlebnissen etwas mangelt, ist "Expedition Happiness" für Roadtrip-Liebhaber, Reiselustige und alle, die sich nach ungefundener Freiheit sehnen, durchaus inspirierend.

"Expedition Happiness" ist seit dem 04. Mai im Kino zu sehen.

 

Anna-Lina Linck

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