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Facebook 17. Juli 2017

Gefühle für Wertung nutzen?

Der US-Konzern Facebook hat ein neues Patent zur Gefühlserkennung seiner Nutzer vom amerikanischen Patentamt zugesprochen bekommen. Dabei geht es darum, die Gefühle der Nutzer per Tastendruck zu analysieren.

Facebook könnte in Zukunft anhand der Tastaturnutzung Rückschlüsse auf den Gefühlszustand der User ziehen.
Facebook könnte in Zukunft anhand der Tastaturnutzung Rückschlüsse auf den Gefühlszustand der User ziehen.

Im US-Patentamt gehen täglich zahlreiche Patente ein - darunter auch von Technologiekonzernen wie Facebook, Google und Co. Ende Mai diesen Jahres hat Facebook ein Patent zugesprochen bekommen, das es dem Konzern ermöglicht, die Gefühle der Nutzer über die Tastatur zu deuten. Bereits 2014 hat Facebook ein Patent eingereicht, das ihm den dauerhaften Zugang auf die Kamera eines Smartphones oder Tablets ermöglicht.

Gefühls-Striptease

Das neu zugesprochene Patent ermöglicht es Facebook, die Tippgeschwindigkeit sowie den Tastendruck beim Schreiben einer Nachricht zu analysieren. Anhand dieser und noch ein paar weiterer Faktoren könnten so Rückschlüsse auf den Gemütszustand eines Users gemacht werden. Beispielsweise könnte daran erkannt werden, ob der Nutzer wütend oder freudig ist und entsprechend würde das Posting auf Facebook angepasst, also gefettet oder mit einem Emoji versehen werden. 2015 hat Facebook bereits ein Patent zugesprochen bekommen, das den dauerhaften Zugang auf die Kamera eines Smartphones oder Tablets ermöglicht. Mit einem bisher noch nicht existierenden Programm könnte das Gesicht analysiert und die Stimmung gedeutet werden. Dies würde eine genauere Platzierung von Inhalten ermöglichen: Lacht jemand beispielsweise über ein angezeigtes Katzenvideo in der Timeline nicht, würden zukünftig auch keine Katzenvideos mehr angezeigt werden.

So könnte auch Werbung gezielter adressiert und sogar auf den jeweiligen Gemütszustand angepasst werden. "Aus ethischer Sicht ist schon allein dieser ökonomische Denkansatz kritisch zu hinterfragen, reduziert er den Menschen doch zu 'Humankapital'. Außerdem lehne ich das ständige Überwachtsein ab: Der Mensch braucht Rückzugsräume der Privatheit, in denen er nicht beobachtet, überwacht und verwertet wird", sagt Dr. Oliver Zöllner, Professor für Medienforschung, internationale Kommunikation und digitale Ethik an der HdM.

Positive Seiten

Neben der Verwendung für Werbezwecke könnte die Gefühlsanalyse aber auch Missverständnissen vorbeugen, die zum Beispiel durch falsch gesetzte Emojis bei Chatnachrichten aufkommen, vorbeugen. Darüber, ob und wie die in den Patenten beschriebenen Möglichkeiten eingesetzt werden, kann bisher nur spekuliert werden. Doch dass Facebook an der Gefühlswelt seiner Nutzer starkes Interesse hat, ist bereits in der Vergangenheit deutlich geworden: 2014 führte Facebook ein Experiment zur Beeinflussung der Gefühlslage der Nutzer durch - problematisch daran war, dass die Nutzer nicht wussten, dass sie Teil eines Experiments sind. Genau diese Thematik macht auch Prof. Dr. Oliver Zöllner Sorgen: "Wird der beobachtete Facebook-Nutzer wissen, dass er auf diese Art und Weise beobachtet wird? Hat er sein Einverständnis abgegeben? Ist geklärt, an wen die gespeicherten Daten weitergeleitet werden? Ich bezweifle, dass Facebook seinen Auswertungsalgorithmus offenlegen wird - bei seiner Datenverwendungspolitik ist die Firma bereits jetzt sehr intransparent."

 

Quellen:

br.de

computerbild.de

futurezone.de

sueddeutsche.de

 

Marleen Kledig

Kontakt

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Professor
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
E-Mail:
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