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Journalismus 10. August 2017

Paid Content - neues Verständnis des "Reader-Revenue"

Im Internet für Journalismus bezahlen? Vor einigen Jahren war das noch schwer vorstellbar, gegenwärtig entwickeln sich digitale Bezahlinhalte zunehmend zum Branchenstandard und zur wachsenden Erlösquelle.

Zunehmend wird digitaler Journalismus zum Bezahlinhalt (Foto:Pixabay)
Zunehmend wird digitaler Journalismus zum Bezahlinhalt (Foto:Pixabay)

Bisher greifen Verlage bei Paid Content auf vier verschiedene Varianten zurück: Neben den "harten" Bezahlschranken, die ausschließlich zahlenden Kunden Zugriff auf die Inhalte gewähren, gibt es Freemium-Modelle, bei welchen Premium-Inhalte kostenpflichtig sind, alles Übrige jedoch frei zugänglich ist (beispielsweise Spiegel.de). Beim Metered-Model hingegen wird die Nutzung erst kostenpflichtig, wenn der Leser eine bestimmte Anzahl freier Zugriffe im Monat überschreitet (z. B. Welt.de). Das Spenden-Modell setzt auf die freiwillige Zahlungsbereitschaft der Leser. Von 123 Paid Content Anbietern auf dem deutschen Zeitungsmarkt ist laut dem BDZV die Freemium-Variante am häufigsten vertreten (68 Zeitungen), dicht gefolgt vom Metered-Modell. Die harte Bezahlschranke findet eher geringe Anwendung, ebenso wie das Spendenmodell - lediglich die taz und Neues Deutschland setzen auf die freiwillige Bezahlung der Leser.

Mit Daten "bezahlen"

Welches dieser Modelle am erfolgreichsten ist, sei nicht pauschal zu beurteilen, so Prof. Christof Seeger, Studiendekan des Masterstudiengangs Crossmedia Publishing & Management an der Hochschule der Medien (HdM). Der Erfolg hänge von Angeboten des Verlags, aber auch von der Kunden- und Wettbewerbssituation ab. "Wichtig für die Akzeptanz der User ist eine möglichst einfache und unkomplizierte Bedienung der Anmelde- und Bezahlprozesse", so Seeger. Als "denkbar einfachstes Paid Content-Modell" wurde das diesjährig eingeführte Z+ von Die Zeit beworben. Das Freemium-ähnliche Modell lässt einen Großteil der Artikel frei zugänglich - die Nutzer müssen sich lediglich mit ihrer E-Mail Adresse kostenlos registrieren. Für Prof. Seeger ist diese Maßnahme Ausdruck eines Strategie-Wechsels: Nicht mehr nur der monetäre Erfolg sei ausschlaggebend, vielmehr etabliere sich ein neues Verständnis der Währung. "Der Rezipient zahlt nicht mehr nur mit Euro, sondern mit seinen Daten und seinem Nutzungsverhalten, welche die Basis für weitere Produktentwicklungen und Angebotsformen darstellen. Es scheint sich ein neues Verständnis eines 'Reader-Revenue' zu entwickeln."

Erfolgsfaktoren für Paid Content

Grundsätzlich gelte, je exklusiver die Inhalte, desto einfacher die Monetarisierung. "So lange die Nutzer gesuchte und gewünschte Inhalte bei einem anderen Verlag kostenlos finden, wird es für eine flächendeckende Akzeptanz schwierig. Über 300 Verleger müssten gemeinsam an einem Strang ziehen. Da aber jeder eine eigene Vorstellung von 'Reader-Revenue' hat, wird es auch in absehbarer Zeit keinen einheitlichen Weg geben", so Prof. Seeger. Zu einem modernen Verständnis des "Reader-Revenue" gehöre ebenso, dass Medienunternehmen mehr als in der Vergangenheit, ihre Leserschaft kennen. "Es reicht aber nicht mehr aus, diese nur soziodemografisch zu beschreiben, sondern Verlage müssen einerseits die medialen Bedürfnisse ihrer Kunden, aber auch die Nutzungssituation verstehen."

"Zahlungsbereitschaft wird wachsen"

In der Musik- und Filmbranche ist es heute selbstverständlich für Inhalte zu bezahlen. Prof. Seeger sieht auch im Zeitungsmarkt Potenzial. "Ich bin der Überzeugung, dass die Bereitschaft, für mediale Angebote Geld zu bezahlen, wachsen wird." Die Vielzahl an Möglichkeiten überfordere Individuen zunehmend, so dass Medienmarken, die verlässlich und glaubwürdig sind, eine hohe Chance auf Akzeptanz erhalten werden. Die Frage sei, mit welchem Geschäftsmodell sich die Erfolge einstellen werden. "Vielleicht sollten die Verlage auch über Einzelverkäufe ihrer Artikel über Micropayment nachdenken und am Ende gibt es ein Newsify, eine Art Spotify für journalistische Inhalte."

Quelle:
Bundesverband Deutscher Zeitungsverleger e. V.

Anna-Lina Linck

Kontakt

Name:
Prof. Christof Seeger  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Studiendekan Crossmedia Publishing & Management (Master, Studienstart ab WS15/16), Print and Publishing (Master)
Studiengang:
Mediapublishing (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Druck und Medien
Raum:
217, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
331, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2143
Telefax:
0711 8923-2184
E-Mail:
seeger@hdm-stuttgart.de

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