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Smartphone-Nutzung

Achtung, Smombies!

Wenn Fußgänger im Straßenverkehr ständig auf ihr Smartphone starren, ist das gefährlich. Nicht nur für die sogenannten Smombies selbst, sondern auch für andere Verkehrsteilnehmer. Verschiedene Städte probieren sich deshalb an unterschiedlichen Lösungsansätzen für das allgegenwärtige Problem. Von Bodenampeln über Smombie-Warnschilder bis hin zu Geldstrafen ist alles dabei.

Das Kunstwort "Smombie" setzt sich aus Smartphone und Zombie zusammen.

Das Kunstwort "Smombie" setzt sich aus Smartphone und Zombie zusammen.

Das Kunstwort "Smombie" beschreibt einen Menschen, der seine Umwelt kaum noch wahrnimmt, weil er ständig auf sein Smartphone starrt. Es setzt sich aus Smartphone und Zombie zusammen und wurde 2015 sogar zum Jugendwort des Jahres gewählt. Das Phänomen Smombie ist allerdings nicht neu. Denn Smartphones dominieren schon lange unseren Alltag. Bei der Arbeit, in der Vorlesung und sogar im Straßenverkehr. Eine internationale Studie aus dem Jahr 2016 stellte fest, dass 17 Prozent der Fußgänger ihr Smartphone im Straßenverkehr benutzen. Dabei wird telefoniert, Musik gehört oder getextet. Die damit verbundene Unaufmerksamkeit forderte im Januar dieses Jahres in Deutschland erstmals ein Todesopfer.

Ampeln im Boden

Nicht nur in Deutschland, sondern weltweit, reagieren Städte deshalb mit verschiedenen Gegenmaßnahmen. An U-Bahn-Übergängen in Köln, Augsburg und Karlsruhe wurden beispielsweise im Boden installierte LED-Leuchten getestet. Sie sollen notorischen Smartphone-Nutzern entgegenleuchten, die ihren Blick ohnehin in Richtung Boden gesenkt haben. Die sogenannten Bodenampeln, kurz Bompeln, dienen neben der traditionellen Ampel als zusätzliches Warnsignal. Gebracht haben sie bisher aber kaum etwas, wie ein Bericht des Forschungsinstituts Stuva zeigt. Die Wissenschaftler zählten die Zahl der Rotläufer an zwei Kölner Haltestellen - einmal vor der Installation der Bompeln, einmal danach. In beiden Fällen lag die Rotläuferquote bei über 80 Prozent. Trotzdem könnten Bompeln bald auch in Stuttgart Smombies an U-Bahn-Übergängen entgegenleuchten. 

Andere Städte, andere Ansätze

In Reutlingen sorgte dagegen ein über Nacht aufgetauchtes Verkehrsschild für Aufsehen, auf dem ein junger Mann und eine junge Frau zu sehen waren, die - in ihr Smartphone vertieft - über die Straßen laufen. Ganz nach dem Motto "Achtung, Smombies!" sollte das täuschend echte Verkehrsschild, das von Unbekannten in der Nähe eines Gymnasiums aufgehängt wurde, Autofahrer vor der potenziellen Gefahr warnen. Außerhalb Europas begegnet man den Smombies auf andere Weise. In China experimentiert man etwa mit getrennten Gehwegen für Normalos und textende Smombies. In den USA gibt es versuchsweise Busse, die beim Abbiegen über Lautsprecheranlagen Warnungen ausgeben. In der hawaiianischen Hauptstadt Honolulu wurde im letzten Jahr sogar ein Gesetz erlassen, das besagt, dass Menschen, die beim Überqueren einer Straße auf ihr Smartphone schauen, bis zu 35 Dollar (umgerechnet ca. 30 Euro) zahlen müssen. In Hongkong scheint man die Hoffnung, Smombies bekehren zu können, dagegen bereits aufgegeben zu haben. Dort zeigen im Boden installierte Displays in U-Bahnen mittlerweile die nächste Haltestelle an, da die Blicke der Fahrgäste ohnehin nur noch in den seltensten Fällen nach oben gerichtet sind.

 

Quellen:

stuttgarter-zeitung.de

sueddeutsche.de

adac-blog.de

welt.de

David Groß

VERÖFFENTLICHT AM

10. Juni 2018

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