DE | EN

Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Promovieren an der HdM, Teil 5

"Eine Dissertation bietet die Chance zur Persönlichkeitsentwicklung"

Viele Masterabsolventen haben den Traum von einem Doktortitel, denn eine Promotion bietet die besten Voraussetzungen für eine Karriere in der Wissenschaft oder für Spitzenpositionen in Unternehmen. Eine Promotion ist das akademische Verfahren, das zur Verleihung des Doktortitels führt. Auch die Hochschule der Medien (HdM) ermöglicht ihren Absolventen und externen Interessenten die Promotion.

Michael Waltinger hält einen Feldforschungsmethoden-Workshop bei iHub research (Nairobi), Foto: Angela Okune (2013)
Die Dissertation (wissenschaftliche Arbeit zur Erlangung der Doktorwürde) erfolgt in Kooperation mit Hochschulen im In- und Ausland. Derzeit betreuen an der HdM rund 35 Professoren Promotionen. Unter den verleihenden Institutionen sind unter anderem die University of the West of Scotland (UWS), die Universitäten Tübingen und Stuttgart, die gemeinsam mit der HdM das Promotionskolleg Digital Media anbieten, sowie beispielsweise die Universität Passau, die Universität Swansea (Wales), die Universität Linköping/Norrköping (Schweden) oder die Staatliche Universität für das Druckwesen (Moskau) und die Technische Universität Xi'an in China, die kooperative Promotionen mit der HdM anbieten.

Erfolgreich promoviert hat auch Michael Waltinger, der 2010 seinen Abschluss im Masterstudiengang Elektronische Medien an der HdM machte. Acht Jahre später, im Juni 2018, verteidigte er seine sozialwissenschaftliche Dissertation zum Thema "Das Mobiltelefon im Alltagsleben des urbanen Kenia. Eine medienethnografische Studie zur Mobiltelefonaneignung unter besonderer Berücksichtigung von Alltagsmedienkompetenzen" mit großem Lob (magna cum laude). Betreut wurde die Arbeit von Prof. Dr. Horst Niesyto (Pädagogische Hochschule Ludwigsburg) und Prof. Dr. Oliver Zöllner (HdM). Während der Dissertation lehrte Michael Waltinger unter anderem an der HdM  und an der Macromedia Hochschule für Medien und Kommunikation (MHMK). Zudem war er als Gastforscher an den Medien- und Innovationshub iHub Research in Nairobi (Kenia) angeschlossen, wo er Forschungsprojekte beriet. Michael Waltinger lebt seit mehreren Jahren in Stockholm (Schweden) und arbeitet dort heute als Design Researcher bei McKinsey Design.

Gespräch mit Michael Waltinger ...


HdM: Warum haben Sie sich entschlossen zu promovieren?

Michael Waltinger: Daran ist vermutlich Prof. Dr. Oliver Zöllner nicht ganz unschuldig. Er war bereits der Zweitbetreuer meiner Bachelorarbeit und Erstbetreuer meiner Masterarbeit. Während zu einer Dissertation und dem forscherischen Interesse sicherlich auch eine entsprechende Persönlichkeitsanlage gehört, sind akademische Lehrer, die eine solche Anlage erkennen, fördern und fordern, ebenfalls von großer Bedeutung. Prof. Zöllner verstand es in meinem Fall, die schon vorhandene Glut zu entfachen.

HdM:
Zu welchem Thema haben Sie geforscht?

Michael Waltinger: Mein Thema war die Frage nach der Einbettung, Bedeutung und Verwendungsweise von Mobiltelefonen im urbanen Kenia. Mich interessierte, was die Menschen mit der Medientechnologie Mobiltelefon im Alltag machen (Verwendungsweisen), was sie mit diesen Handlungen verbinden (Bedeutung, Sinn) und unter welchen soziostrukturellen Lebensbedingungen (Einbettung) sich dieses Medienhandeln vollzieht. Zudem wollte ich wissen, welche Alltagsmedienkompetenzen die Menschen im alltäglichen Medienhandeln mitbringen und entwickeln - und wo in diesem Alltagsmedienhandeln eventuell auch auf Handlungsgrenzen gestoßen wird.

HdM: Was haben Sie aus der Promotion gelernt?

Konversationen im Feld in Eastlands Nairobi, Foto: Mark Omondi (2013)
Michael Waltinger: Eine Dissertation ist ein tiefgreifendes Projekt, welches auf verschiedensten Ebenen Transformationsprozesse und geistige wie emotionale Erfahrungen mit sich bringt. Besonders wichtig auf geistiger Ebene waren für mich dreierlei Dinge: Auf eine sehr spezifische Weise abstrakt zu denken und Bezüge herzustellen, komplexe Probleme anzugehen und zu lösen sowie empirische Sachverhalte durch deren theoretische Einordnung - etwa in Gedankengut aus Soziologie oder Ethnologie - sehr viel reichhaltiger werden zu lassen. All das sind keine altbackenen oder weltfremden Abstrakta, sondern äußerst nützliche alltägliche Werkzeuge in meinem heutigen Beruf, in welchem es darum geht, Organisationen zu helfen und schwierigste Probleme in unsicheren und dynamischen Umwelten zu lösen. Auf emotionaler Ebene habe ich gelernt, durchzuhalten und eine bescheidene Form von Dankbarkeit erfahren. Es hat viel Kraft gekostet, so eine Arbeit durchzuführen, die eine oder andere Talfahrt ist gewiss. Dann gilt es, besonnen zu bleiben, und trotz manchmal widriger Umstände einfach weiterzumachen. Mindestens ebenso großen Anteil haben ein stützendes beruflich-persönliches Umfeld und im Falle meiner ethnografischen Arbeit auch jene Menschen, die mich in ihre Alltagsleben aufnahmen.

HdM: Was ist während dieser Zeit besonders gut gelaufen?
Michael Waltinger: Die Feldforschung und die theoretische Arbeit waren so interessant, dass mir meine Arbeit bis zuletzt nie langweilig wurde. Ich erlebte Orte und verarbeitete Gedanken, die mir ohne diese Dissertation im Leben nicht begegnet wären. Das ist ungemein viel wert. Auch hat es sich für mich bewährt, während des gesamten Prozesses fortwährend zu Schreiben. Längere Stücke am Computer, ebenso wie schnelle Notizen in die Feldkladde. Während dabei vieles letztlich nie Eingang in die finale Arbeit fand, so erleichterten die vielen Textbausteine die schlussendliche Gesamtverschriftlichung doch enorm.

HdM: Gab es Schwierigkeiten?
Michael Waltinger: "A smooth sea never made a skilled sailor" besagt eine englische Redensart. Natürlich gab es zahlreiche Schwierigkeiten. Am herausforderndsten war der Charakter der Dissertation als Erst- und Einmalvorhaben. Während das viele Lernmöglichkeiten eröffnet, so bringt es auch Unsicherheiten und Spannungen mit sich, die sich leider manches Mal nicht planerisch beseitigen lassen - und die man einfach aushalten lernen muss. Schwierig fand ich auch die Datenanalyse. Vor einem Meer von Feldnotizen und Interviewtranskripten zu sitzen und eine Antwort darauf zu finden, wie und wo sich hier sinnvolle Strukturen ausmachen lassen, ist nicht einfach. Ist es gelungen, ist es einfach großartig.

HdM: Wie sieht Ihr abschließendes Fazit aus?
Michael Waltinger: Trägt man sich mit dem Gedanken, promovieren zu wollen, so glaube ich, dass die Nutzenfrage, was so eine Promotion später einmal 'bringt' - vor allem, wenn diese rein ökonomisch definiert ist - der falsche Ansatz ist. Die Frage beinhaltet zu viele kaum vorhersagbare Variablen, und in der Regel auch längere Zeitspannen, über welche hinweg sich die eigenen initialen Interessen verändern können. Wichtiger finde ich daher das Hineinhören in sich selbst. Die Ergründung dessen, was die eigene Motivation für eine Doktorarbeit ist und ob diese Motivation Substanz hat. Während eine Antwort auf diese Fragen immer subjektive Züge hat, so würde ich doch als relativ gesichert annehmen: So eine Diss 'bringt' in jedem Fall die Chance auf eine Persönlichkeitsentwicklung, die man in kaum einem anderen Kontext in vergleichbarer Gestalt erfahren kann. Wer darauf Lust hat, sollte die Reise Promotion unbedingt in Erwägung ziehen.

HdM-Absolventen und Externe, die Interesse an einer Promotion haben, wenden sich mit Fragen an Prof. Dr. Nils Högsdal, Prorektor für Innovationsmanagement an der HdM.

VERÖFFENTLICHT AM

03. Juli 2018

KONTAKT

Prof. Dr. Oliver Zöllner

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2281

E-Mail: zoellner@hdm-stuttgart.de

Prof. Dr. Nils Högsdal

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2003
0711 8923-2725

E-Mail: hoegsdal@hdm-stuttgart.de

Lesen Sie mehr zu diesem Thema

Promovieren an der HdM

ARCHIV

Forschung
WAS DENKEN SIE DARÜBER?


Verstanden

Diese Website verwendet Cookies. Durch die Nutzung dieser Website erklären Sie sich damit einverstanden, dass Cookies gesetzt werden. Mehr erfahren