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Versicherungen

Die Angst vor dem Shitstorm

Schlechte Arbeitsbedingungen, Fehltritte des Chefs oder andere Missgeschicke einer Firma können sich heutzutage in Sekundenschnelle über die ganze Welt verbreiten. Ein solcher Skandal kann den Ruf eines Unternehmens ruinieren oder es in die Insolvenz treiben. Gegen die möglichen Auswirkungen eines Shitstorms gibt es mittlerweile eine passende Versicherung.

(Bild: unsplash.com)

(Bild: unsplash.com)

In Zeiten, in denen die Lasagne mit Pferdefleisch verfeinert wird, die Abgaswerte nur gelegentlich im Labor eingehalten werden und das Internet völlig neue Möglichkeiten bietet, um einen Skandal zu verbreiten, sehnen sich Unternehmen nach einer finanziellen Absicherung. Denn ein Shitstorm sorgt nicht nur für schlechte Presse, sondern kann im schlimmsten Fall den Abgang von wichtigen Kunden und damit Umsatz-Einbußen zur Folge haben. Darin sehen Versicherungen offenbar einen neuen Geschäftszweig und bieten seit Kurzem Policen an, mit denen sich Unternehmen gegen Imageschäden absichern können.

Ein Sturm von Anfragen

Nach großen US-Versicherern ist mittlerweile auch der europäische Marktführer Allianz mit einer Anti-Skandal-Versicherung in das Geschäft mit dem "Reputationsschutz" eingestiegen. Die angebotenen Policen decken Umsatzverluste ab, die Firmen durch rufschädigende Krisen erleiden. Versichert sei auch der entgangene Gewinn, heißt es aus der Zentrale, und das sei das wirklich Neue. Außerdem ist eine Beratung für das Krisenmanagement inklusive, die wichtig sei, um Lehren aus dem Vorfall zu ziehen und aus den gemachten Fehlern zu lernen. Doch die spezielle Versicherung hat ihren Preis. "Die Beiträge beginnen im fünfstelligen Bereich", sagt Daniel Aschoff, Allianz-Kommunikationsleitung Regional. Trotzdem habe bereits eine Vielzahl von Unternehmen eine Shitstorm-Versicherung abgeschlossen.

Kein Schutz für Privatpersonen

Doch nicht jeder kann Gebrauch von der neuartigen Versicherung machen. Social-Media-Influencer etwa, deren Arbeit sich im Auge des Shitstorms - dem Internet - abspielt, werden vom Reputationsschutz außen vorgelassen. "Die Allianz Global Corporate & Speciality SE, die die Policen anbietet, ist der Versicherer der Allianz Gruppe für Firmen- und Spezialrisiken. Das heißt im Umkehrschluss, dass wir uns mit der Versicherung nicht an Privatpersonen wenden, sondern nur an Unternehmen. Die Kosten wären für Influencer sicherlich auch etwas hoch", meint Aschoff. Trotzdem: Ob die neuen Versicherungen wirklich halten, was sie versprechen, wird sich erst in den kommenden Monaten zeigen. Spätestens aber dann, wenn sich in den Weiten des Internets der nächste Shitstorm zusammenbraut.

 

Quellen:
allianz.de
meedia.de
stuttgarter-zeitung.de

 

David Groß

VERÖFFENTLICHT AM

16. Juli 2018

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