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Deutsches LTE im europäischen Vergleich

Laut einer Studie des ZDF und der ARD sind 90 Prozent aller Deutschen ab 14 Jahren tagtäglich im Internet unterwegs. Durchschnittlich wenden sie sich 353 Minuten pro Tag der Online-Welt zu. Ohne Internet läuft in Deutschland quasi nichts - doch was bekommen Nutzer eigentlich für ihr Geld?

Will man unterwegs im Netz surfen, hat man selbstverständlich Bedarf nach schnellem Internet, Foto: Unsplash.com

Will man unterwegs im Netz surfen, hat man selbstverständlich Bedarf nach schnellem Internet, Foto: Unsplash.com

Wenn man außerhalb seiner eigenen vier Wände surft, ist man meist auf mobile Daten angewiesen. Für 20 Euro im Monat erhält man bei einem beliebigen Anbieter in Deutschland ein Datenvolumen von 8 GB. Gehört man zu den Menschen, die gerne unterwegs streamen, dann wird dieses Datenvolumen schon sehr knapp. Zum Vergleich: In Dänemark bekommt man für 18 Euro im Monat ein unbegrenztes Datenpaket.

Das Problem mit dem deutschen Mobilfunknetz

Im Vergleich zu anderen europäischen Ländern ist das in deutschen Mobilfunktarifen enthaltene Datenvolumen teuer. Denn die geschäftlichen Interessen weniger Netzbetreiber stehen dem schnellen und unbegrenzten Internetzugang entgegen. Die Provider machen sich keine Mühe, um möglichst viel Datenvolumen für wenig Geld zu verkaufen, da die Preise hierzulande von den Nutzern akzeptiert werden. Der sogenannte Digital Fuel Monitor hat im April 2018 aufgelistet, wie viel LTE-Datenvolumen ab einer Geschwindigkeit von 3 MBit pro Sekunde Nutzer in verschiedenen Ländern zu einem Preis von 30 Euro erhalten können. Während die Nutzer in Kroatien sowie in den Niederlanden knapp 22 Euro im Monat für unlimitiertes Datenvolumen zahlen, werden in Deutschland 30 Euro für gerade einmal 15 GB fällig.

Es gibt eine große Anzahl an Ländern in Europa, in denen die Datenmenge im Mobilfunk in Tarifen bis zu 30 Euro monatlich nicht beschränkt ist. Hierzu zählen neben Kroatien und den Niederlanden auch Dänemark, die Schweiz, Bulgarien, Finnland, Litauen, Lettland, die Slowakei und Estland. Im letzten genannten Land können die Nutzer für 16 Euro monatlich unbegrenzt im Internet surfen. Sogar in Frankreich erhält man 120 GB LTE-Volumen für nur 19 Euro.

Ein zweischneidiges Schwert

Man merkt: Wer zuverlässig mobil surfen möchte, der hat in Deutschland schlechte Karten. Mit einer durchschnittlichen Downloadrate von nur 22,7 MBit pro Sekunde und einer Netzabdeckung von 65,7 Prozent ist das deutsche LTE-Netz eins der Schlusslichter in Europa, wie ein aktueller Vergleich von OpenSignal zeigt. Insgesamt wurden die Verbindungen in 36 europäischen Ländern untersucht. Spitzenreiter bei der Geschwindigkeit ist mit 42,1 Mbit pro Sekunde das Netz in den Niederlanden, die höchste Abdeckung hat mit 92,2 Prozent Norwegen. Ebenfalls in die Top Ten schaffen es Bulgarien und Serbien, wie eine Grafik von Statista zeigt. Deutschland erreicht bei der Geschwindigkeit nur Rang 32 und bei der Verfügbarkeit Rang 31.

Man kann die Frage, wie gut Deutschlands Internet ist, also auf zwei Weisen beantworten. So wie beispielsweise der größte Netzanbieter des Landes: Deutschland liege beim Breitbandinternet in führender Position in Europa, die Mobilfunknetze zählten sogar "zu den schnellsten der Welt". Doch Deutschland ist, was das Internet angeht, mal schnell und mal zu langsam. In Großstädten herrscht Überangebot, die Anbieter locken mit Highspeed-Tarifen oder zahlen beim Abschluss eines neuen Vertrags sogar Prämien. Doch je ländlicher Deutschland wird, desto mehr wird man digital um mehrere Jahre - vielleicht sogar Jahrzehnte - zurückgeworfen.

 

Quellen: netzpolitik.org 

             zeit-online.de

             golem.de

 

Christopher Müller

Mobilfunknetz-Begriffe

LTE/4G LTE ist die Abkürzung für "Long Term Evolution" und der Name eines Mobilfunkstandards der vierten Generation (4G). Mit dieser Technik ist es möglich, Daten zu versenden und herunterzuladen. LTE/4G bietet Nutzern eine Surf-Geschwindigkeit von bis zu 50 MBit in der Sekunde. LTE wird umgangsprachlich als 4G bezeichnet, was technisch falsch ist. Richtiges 4G beziehungsweise LTE-Advanced kann Internetgeschwindikeiten von 300 Mbit pro Sekunde erreichen. 

Mbit pro Sekunde bezeichnet die Download-/Uploadgeschwindigkeit eines Internetzuganges dar. Alles unter 20 Mbit pro Sekunde gilt als langsam. 50 Mbit pro Sekunde sind vergleichsweise schnell.

MB/GB ist eine Maßeinheit der Digitaltechnik. Ein hochauflösendes Bild einer Spiegelreflexkamera hat ungefähr 9 MB. Eine Stunde Streaming auf Netflix in hoher Auflösung verbraucht 3000 MB. 3000 MB entsprechen 3 GB. Da Smartphone-Anwendungen immer datenintensiver werden, steigt mit der Zeit auch das pro Monat verbrauchte Datenvolumen. Könnte man Serien in Ultra HD streamen, hätte man innerhalb einer Stunde bereits 14 GB verbraucht.    

Provider sind die Anbieter verschiedenster Kommunikationsmöglichkeiten und in diesem Falle der Mobilfunknetze. Beispiele sind die Telekom, Vodafone oder o2. 

Netzabdeckung beschreibt die Verfügbarkeit des Mobilfunknetzes. Deutschland ist derzeit mit Funklöchern durchsetzt. Das sind Orte an denen man nicht mobil surfen kann, da die Internetverbindung fehlt. Meist hat man dieses Problem in ländlicheren Gegenden.


VERÖFFENTLICHT AM

08. November 2018

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