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Hochschule der Medien

IVW-Quartalszahlen

Potenzial für Onlineangebote

Die Informationsgemeinschaft zur Feststellung der Verbreitung von Werbeträgern e.V. (IVW) veröffentlichte die Auflagezahlen von Printmedien des vierten Quartals 2018. Deutlich wird, dass auch die großen Player der Printmedien vom Minus-Trend nicht verschont bleiben. Die Bild, der Stern und der Spiegel haben Verluste einzustecken, aber die Zahlen der Onlineangeboten geben Hoffnung.

Das Logo der IVW

Das Logo der IVW

Die Entwicklung der verkauften Auflagen von Printmedien zeigt über die vergangenen zehn Jahre einen eindeutigen Minus-Trend. Doch die Tageszeitungen können ihre aktuelle Bilanz durch abnehmende Verlustraten stabilisieren. Die Gesamtverkäufe der Wochenzeitungen liegen mit 1,70 Mio. verkauften Exemplaren nur leicht unter dem Vorjahresergebnis (4/2017: 1,71 Mio.). Deutlich gestiegene Verluste müssen die Publikumszeitschriften hinnehmen. Die Fachzeitschriften können für den direkten Jahresvergleich im Schlussquartal 2018 ihre Verlustraten zurückfahren und sich gegenüber dem vierten Quartal 2017 leicht verbessern. Bei den Kundenzeitschriften ist im Jahresvergleich der Rückgang in der Gesamtverbreitung erneut stark, bei den Gesamtverkäufen hingegen begrenzt. Die elektronischen Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften verzeichnen bei den Verkäufen eine zweistellige Zuwachsrate: Bei den Tageszeitungen beträgt hier der Anstieg der E-Paper-Verkäufe 14 Prozent, bei den Publikumszeitschriften rund 19 Prozent.

E-Paper auf dem Vormarsch

Die Bild hat mit rund 1,5 Millionen verkauften Auflagen neun Prozent ihrer Verkäufe zum Vorjahr verloren. Auch bei dem E-Paper muss der Axel-Springer-Riese einige Verluste einstecken: Er verlor 12.660 Nutzer, was einem Verlust von 16,3 Prozent entspricht. Die Süddeutsche Zeitung verkaufte 3,6 Prozent weniger Auflage, konnte aber dafür ein Plus bei dem E-Paper einstreichen: Knapp 7.500 neue Leser hat sie in einem Jahr dazugewonnen. Auch die Frankfurter Allgemeine Zeitung muss bei den Verkäufen einen Verlust von 4,2 Prozent hinnehmen. Beim E-Paper gewann sie hingegen neun Prozent an Lesern dazu. Der größte Verlierer bei den Publikumszeitschriften ist der Stern. Die Verkaufszahlen sind im Vergleich zum Vorjahr um 11,5 Prozent gesunken und auch das Interesse am E-Paper ist nicht mehr dasselbe: 4,7 Prozent der Nutzer haben sich vom Onlineangebot abgewandt.

Zwar sind bei Focus die Printverkäufe um drei Prozent zurückgegangen, jedoch haben sich mehr als 7.000 Nutzer für das E-Paper angemeldet. Noch besser sieht es bei dem Spiegel aus: Hier gab es nur 2,6 Prozent Verlust bei den Verkäufen, beim Onlineangebot konnte das Magazin rund 20.000 Leser dazu gewinnen. Bei den Wochenzeitungen ist Die Zeit der Sieger. Sie konnte einen Zuwachs von 630 Verkäufen und beim E-Paper rund ein Viertel mehr an Nutzern verzeichnen. Bei den Kundenzeitschriften hat die Apotheken Umschau die Nase ganz klar vorne: Mit insgesamt 9,2 Millionen Verkäufen hat sie fast 90.000 Exemplare mehr verkauft als im Jahr zuvor. Allerdings bleiben diese positiven Zuwächse eine Seltenheit.

Zeitungssterben bleibt bislang aus

Prof. Dr. Boris Kühnle, Studiendekan des Studienganges Medienwirtschaft an der Hochschule der Medien (HdM) und Professor für Finanzmanagement, sagt dazu: "Bei den Absatzmengen, also den Auflagen, mussten und müssen Zeitungen und Zeitschriften viel verkraften. Doch die Verlage haben in diesem Zeitraum kräftig an der Preisschraube gedreht und zudem ihre Kostensituation angepasst. Das von vielen Seiten avisierte und geunkte Zeitungssterben ist in Deutschland bislang ausgeblieben." Zudem seien die starken Verluste ein Resultat aus den Einzelverkäufen, also dem Verkauf am Kiosk. Denn die für einen Zeitungs- und Zeitschriftenverlag wichtigsten Kunden, die Abonnenten, hätten ihre Bodenlinie erreicht, sodass das Minus kleiner geworden sei, sagt Kühnle, dennoch bleibe es ein Minus. Allerdings zeigen die Wachstumsraten in den E-Paper-Auflagen, dass Potenzial für das Onlineangebot vorhanden sei: "Dennoch muss verstanden werden, was die Kunden am Wechsel von Print auf E-Ausgaben hindert, sodass aus den daraus hervorgehenden Informationen das Angebot von den Verlegern entsprechend optimiert werden kann."

 

Carolin Hilleke

VERÖFFENTLICHT AM

28. Januar 2019

KONTAKT

Prof. Dr. Boris Kühnle

Medienwirtschaft

Telefon: 0711 8923-2246

E-Mail: kuehnle@hdm-stuttgart.de

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