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Hochschule der Medien

Außergewöhnliche Nebenjobs

Holzordner für Schlaflabore und die Showbühne

Um das Studium finanzieren zu können, gehen viele Studierende einem Nebenjob nach. Die beliebtesten Jobs sind kellnern, Nachhilfe geben oder texten. Doch es gibt auch Nebenjobs, die nicht ins klassische Raster fallen. Wir haben uns bei unseren Studierenden an der Hochschule der Medien (HdM) umgehört und sind auf einige außergewöhnliche Nebenjobs gestoßen.

Als Rachel Intervention tritt Marcel in mehreren Städten auf, Foto: privat
Marcel Herrmann, Student an der HdM im Studiengang Werbung und Marktkommunikation, hat sicherlich einen sehr ausgefallenen Nebenjob. Er arbeitet neben seinem Studium als Drag Queen. Als Rachel Intervention spielt er mit Geschlechterrollen, unterhält Menschen und bringt sie zum Lachen und klärt über Gender und Sexualität auf. Mit 14 Jahren begann er seine Karriere als Musicaldarsteller, vier Jahre später schlüpfte er dabei in eine Frauenrolle: "Das Publikum hat meinen kurzen Auftritt sehr gefeiert, was mich motiviert hat, diese Kunstform näher zu ergründen. Mit 19 Jahren habe ich dann meine erste eigene Show als 'Rachel Intervention' in einem Kulturverein aufgezogen", erklärt der 22-Jährige. 2018 feiert Marcel seinen größten Erfolg, er gewann Deutschlands größten Drag-Wettbewerb, den "Diva Deluxe" in Frankfurt. "Seitdem trete ich neben Neckarsulm, Heilbronn, Ulm, Heidelberg und Stuttgart auch in Frankfurt und häufig in Köln und Berlin auf." Zur Finanzierung seines Studiums reicht sein Nebenjob allerdings nicht: "Der Nachteil als Drag-Künstler ist, dass man viel von dem, was man mit seiner Kunst verdient, auch wieder in seine Kunst investieren muss - Drag ist nicht billig." Doch der Preis lohnt sich, denn bei seinen Kommilitonen kommt sein Nebenjob gut an: "Manche sind auch schon zu meinen Shows gekommen." Generell ist Marcel stolz auf seine Arbeit und spielt immer mit offenen Karten: "An meinem allerersten Tag an der HdM sollten wir uns alle gegenseitig in unserem Semester vorstellen und eine Eigenschaft von uns nennen, die uns besonders macht. Als 'besondere Eigenschaft' ist mir natürlich direkt mein Nebenjob eingefallen. Ich habe mich dann also direkt am ersten Tag vor meinem gesamten Semester als Drag Queen 'geoutet'."

 

 

Ein Statement gegen unsere schnelllebige Zeit

Lorenzo hat seine Idee zum eigenen Unternehmen gemacht, Foto: privat
Aus einer Idee in der Schulzeit schuf Lorenzo Oschwald 2018 ein eigenes Unternehmen: Nimmerholz. Der 22-jährige Student im vierten Semester des Studiengangs Werbung und Marktkommunikation an der HdM stellt Ordner aus Holz her. "Ein so einfaches Produkt neu erfunden, und dann auch noch so praktisch, sieht man selten", sagt er über sein eigenes Produkt, das auch bei seinen Kommilitonen sehr gut ankommt. Und nicht nur da: "Seit Juni letztes Jahr habe ich das Gewerbe offiziell angemeldet, die ersten Ordner habe ich im Oktober verkauft und inzwischen habe ich knapp 200 Ordner verkaufen können." Um seiner Idee den richtigen Anschub zugeben, hat der Unternehmer im Sommersemester 2018 an der "Sandbox" teilgenommen, einem Gründerprojekt der HdM. Daraus konnte er eine Crowdfunding Kampagne starten und somit das nötige Budget für sein Start-up sammeln. Nimmerholz ist ein Statement gegen unsere schnelllebige Zeit: "Ich hatte all mein Schulzeug immer in einem langweiligen Pappordner dabei, der jedes halbe Jahr ersetzt werden musste, weil der Karton total ausgeleiert ist. Das fand ich doof und hab nach einer stabileren und vor allem auch cooleren Alternative gesucht", erklärt Lorenzo Oschwald seine Motivation hinter seinem Unternehmen. "Wenn die Leute einen Ordner in die Hand nehmen sagen sie auch immer, dass sie erwartet haben, dass er schwerer wäre. Doch der Schein trügt. Im Endeffekt waren alle, die ihn mal in der Hand hatten durch und durch begeistert. Jedoch finden meine Kommilitonen den Preis von 44 bis 49€ pro Ordner im Moment nichts für den Studentengeldbeutel. Das sehe ich ein, aber trotzdem ist und bleibt jeder Ordner ein einzigartiges Stück Handarbeit", sagt der HdM-Student.

 

 

 

Arbeit und Studium unter einem Hut

Veronika Obermaier arbeitet neben dem Studium als Nachtschwester, Foto: privat
Auch Veronika Obermaier hat einen interessanten und ungewöhnlichen Nebenjob, unter dem sich viele ihrer Kommilitonen erstmal nicht viel vorstellen können. Sie studiert im siebten Semester Werbung und Marktkommunikation und arbeitet nebenher als Nachtschwester in einem Schlaflabor. "Als ich 2016 für mein Studium nach Stuttgart gekommen bin, habe ich nach Stellen als Krankenschwester gesucht. Ich dachte, das wäre bestimmt leicht, schließlich gibt es den Pflegenotstand ja nicht erst seit gestern. Allerdings war es echt schwierig, etwas außerhalb der ambulanten Pflege zu finden. Im Internet habe ich schließlich die Stelle im Schlaflabor gefunden", erklärt die HdM-Studentin. Morgens also in Vorlesungen sitzen und in der Nacht arbeiten, kommt da das Lernen nicht zu kurz? "Das geht tatsächlich ganz gut. In der Zeit in der die Patienten schlafen, kann ich viel lesen. Außerdem hatte ich montags fast immer vorlesungsfrei. Also waren Sonntage immer meine Arbeitstage. Mit drei Nachtschichten ist mein Stundensoll auch schon erfüllt. So habe ich unter der Woche mehr freie Zeit als viele arbeitende Kommilitonen", erklärt Veronika Obermaier. Die ersten Reaktionen ihrer Kommilitonen sind meistens "Ah, okay cool." und dann kommt die verwunderte Frage "Was macht man denn da überhaupt?": "Meine Patienten sind in der Regel sehr fit und kommen nur für die zwei Nächte in denen Sie überwacht werden zu uns." Erst bekommen die Patienten eine Einführung, dann werden sie verkabelt: "Hierbei werden Gurte zur Stabilität angelegt und Elektroden an den richtigen Körperstellen angeklebt. Dies dauert pro Patient ca. 30 Minuten. Wenn sich ein Patient in Therapie befindet - also mit Maske und Gerät schläft - muss in einem gewissen Intervall der Druck verändert werden. Sonst ist es ruhig. Ab 5.00 Uhr werden alle geweckt und abgekabelt, danach ist Feierabend", schildert Veronika ihren Arbeitsablauf. Auch mit der Finanzierung des Studiums sieht es recht gut aus, wie die 23-Jährige erklärt: "Ich habe das Glück, dass ich nicht meinen gesamten Lebensunterhalt alleine bestreiten muss. Den größten Teil finanziere ich jedoch dank meiner Arbeit selbst."

 

Foto Startseite: (c) Nimmerholz

 

Carolin Hilleke

VERÖFFENTLICHT AM

01. April 2019

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