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Helvetica reloaded

Die Schrift Helvetica gehört zu den ganz großen Typografie-Klassikern. Nun stellt der Schriftanbieter Monotype mit der Helvetica Now eine neue Version fürs digitale Zeitalter vor und will damit die Schwächen des Vorgängers beseitigen.

Helvetica Now ist eine Gemeinschaftsarbeit des Monotype Design-Studios unter der kreativen Leitung von Charles Nix, Steve Matteson, Hendrik Weber und Alexander Roth, Foto: (c) Monotype, via www.monotype.com

Helvetica Now ist eine Gemeinschaftsarbeit des Monotype Design-Studios unter der kreativen Leitung von Charles Nix, Steve Matteson, Hendrik Weber und Alexander Roth, Foto: (c) Monotype, via www.monotype.com

Sie ziert Haltestellen, Werbetafeln, Zeitungen und Konzernzentralen: Seit mehr als 60 Jahren gehört die Helvetica zu den meistverwendeten Schriftarten weltweit - Unternehmen wie etwa BMW, American Apparel oder Lufthansa verwenden sie in ihrem Logo. Entwickelt wurde die Schrift 1957 vom Unternehmer Edouard Hoffmann und dem Grafikdesigner Max Miedinger, 1983 erschien die Neue Helvetica. Die serifenlose Schrift wurde zum Sinnbild für modernes, minimalistisches Design noch bevor es das Internet und grafische Benutzeroberflächen in Computern gab. Um die Schrift jetzt für das Zeitalter der Digitalisierung fit zu machen, hat Monotype die Helvetica Now entwickelt und mit Erweiterungen versehen, die die typografischen Ansprüche der Kreativen von heute erfüllen sollen.

Schriftklassiker neu gedacht

Die Helvetica Now bietet erstmals drei optische Größen - Mikro, Text und Display -, die für Kleingedrucktes, Lesetexte und Headlines entwickelt wurden. Insgesamt bietet die neue Version 48 Schriftschnitte sowie die Wahl aus alternativen Buchstabenformen und Satzzeichen. So verbessert sich die Lesbarkeit und auch die Leistung des neuen Schriftsatzes. "Heute erwarten wir von einer Helvetica noch mehr, als ihr bereits in den vergangenen Jahrzehnten abverlangt wurde. Frühere Versionen der Schrift waren nicht für Einsatzbereiche gedacht, die erst in den letzten 30 Jahren entstanden sind. Daher konnten ältere Versionen zuletzt nicht mehr in allen Bereichen überzeugen", sagt Charles Nix, künstlerischer Leiter bei Monotype, über den neuen Schriftsatz. Die Begeisterung bei den Machern und den Fans ist groß. Wir haben bei Professoren der HdM nachgefragt, wie sie die Helvetcia finden.

"Wie das kleine Schwarze"

Prof. Gabriele Kille ist Studiendekanin im Studiengang Werbung und Marktkommunikation. Zu ihren Lehrgebieten gehört unter anderem Corporate Design. "Die Helvetica ist wie ihr Herkunftsland neutral. Sie ist sehr funktional, breit einsetzbar und sehr zeitlos. Ein bisschen wie das kleine Schwarze von Coco Chanel", findet sie. Die Helvetica Now sei ein sehr gelungener Facelift für unsere digitalen Anforderungen. "Die Helvetica ist an sich ein Font, der sich einer großen Beliebtheit im Einsatz erfreut, deshalb ist es für mich durchaus nachvollziehbar, dass die digitale Variante auf Begeisterung stößt", so Kille weiter. Auch sie selbst mag den Font: "Einen Lieblingsfont kann ich generell nicht benennen, da die Auswahl des Fonts immer abhängig ist von Einsatz, Bedürfnissen, Verwendungszwecken und Zielgruppen. Aus diesem Grund gibt es nicht nur den einen Lieblingsfont, aber die Helvetica würde ich in diesen Kanon einreihen."

"Neutral, stabil, vertraut"

Prof. Barbara Scholz unterrichtet unter anderem Grundlagen der Gestaltung im Studiengang Integriertes Produktdesign an der HdM. Jedesmal, wenn sie die Helvetica anwende, denke sie an ihren ehemaligen Chef und Wegbegleiter Erik Spiekermann, der sagte 'Helvetica ist wie Toastbrot. Schmeckt nach nix, aber man kann alles drauflegen.' Barbara Scholz sieht das Ganze etwas pragmatischer: "Bei der Helvetica geht es nicht so sehr um gefallen oder nicht gefallen. Die Helvetica weist ein neutrales Schriftbild auf. So wie die Schweiz eben neutral ist. Sie funktioniert. Sie ist gut lesbar und verfügt über ein sehr großes Repertoire an Schnitten. Sie richtet keinen Schaden an." Den neuen Namen "Helvetica Now" findet Scholz pfiffig gewählt. Er impliziere "in die Zukunft schauen" und unterstütze bei der Vermarktung der Schrift. "Die Helvetica erlebt im letzten Jahrzehnt eine Renaissance. Zu vermuten ist, dass in digitalen Zeiten auch in der visuellen Kommunikation ein Bedürfnis nach Entschiedenheit, Stabilität und Klarheit entstanden ist. Diesen Trend hat Monotype aufgegriffen. Man kommt als Gestalter nicht drum herum, sich zackig gestaltete Filme über die Helvetica anzuschauen, die Spaß machen", sagt Scholz. Sie verstehe auch, warum die Schrift bei Gestaltern so beliebt sei: "Die Helvetica ist vertraut, sie gibt nicht an. Sie behauptet nichts. Das macht sie vielleicht so populär. Wahrscheinlich wird sie die nächste Schrift sein, die auf dem Mond landet. Als zweite Schrift neben der Futura." Auch Barbara Scholz hat keine Lieblingsschrift, aber ein Lieblingszitat, von Bruce Rogers, einem amerikanischen Schrift- und Buchgestalter des 20. Jahrhunderts: "Man kann mit beinahe jeder Schrift gute Typografie machen, wohingegen die beste Schrift eine schlechte Typografie nicht zu retten vermag."

 

Quellen:
www.monotype.com/de
www.wikipedia.org

VERÖFFENTLICHT AM

27. Mai 2019

KONTAKT

Prof. Gabriele Kille

Werbung und Marktkommunikation

Telefon: 0711 8923-2225

E-Mail: kille@hdm-stuttgart.de

Prof. Barbara Scholz

Integriertes Produktdesign

Telefon: 0711 8923-2805

E-Mail: scholzb@hdm-stuttgart.de

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