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Rundfunkanstalten

Öffentlich-Rechtliche in der Kritik

Die öffentlich-rechtlichen Sender der Bundesrepublik kommen nicht aus der Kritik - die Diskussion um die Informationsqualität von ARD, ZDF und Deutschlandradio gilt als Dauerbrenner in der deutschen Gesellschaft. Trotz der letzten Fauxpas der Rundfunkanstalten wird zurzeit über den Anstieg des Rundfunkbeitrags diskutiert.

Stehen die öffentlich-rechtlichen Sender auf dem Abstellgleis? Quelle: Unsplash.com

Stehen die öffentlich-rechtlichen Sender auf dem Abstellgleis? Quelle: Unsplash.com

Der Rundfunkbeitrag löst regelmäßig Kontroversen aus - dabei ist die Rede immer wieder davon, ob der ZDF-Fernsehgarten und die Lindenstraße dem Auftrag der Rundfunkanstalten zur Sicherung der Meinungsvielfalt gerecht werden. Im Mittelpunkt der Diskussion steht die Gebühr als "Zwangsabgabe" für ein Programmangebot, das von Teilen der deutschen Bevölkerung massiv kritisiert wird.

Zweifel an journalistischer Qualität

In die Diskussion reihen sich einige Ereignisse der letzten Jahre ein, die eine mangelhafte Berichterstattung sowie teils schwache journalistische Leistungen verdeutlichen. Als Beispiel dafür halten die Olympischen Sommerspiele 2008 her, als 600 Mitarbeiter der ARD und des ZDF nach Peking flogen, obwohl sich nur knapp 450 Sportler aus Deutschland qualifiziert hatten. Die jüngste Kritik wurde beim Brand der Pariser Kathedrale Notre-Dame im April laut, als die deutschen Rundfunkanstalten deutlich später berichteten als die meisten Nachrichtensender aus aller Welt. Die verspätete Berichterstattung kritisierten Medienschaffende bereits 2015 beim Terrorakt in der französischen Hauptstadt. Als im selben Jahr das Länderspiel Deutschland gegen die Niederlande kurzfristig abgesagt wurde, hatten die Medienanstalten auf Anhieb keinen Sendeplan als Ersatz parat. Informationen zur Absage gab es ebenfalls keine, die Zuschauer tappten im Dunkeln.

Framing Manual der ARD

Eine erneute Welle der Empörung brachte das sogenannte Framing Manual der ARD von 2017 hervor, das erstmals im Februar dieses Jahres an die Öffentlichkeit gelang. Vor rund zwei Jahren hat die ARD die Sprach- und Kognitionswissenschaftlerin Dr. Elisabeth Wehling beauftragt, ein Papier zu entwickeln, das in gewisser Weise eine Sensibilisierung für den Einsatz von Sprache und ihrer Wirkung veranschaulicht. Das Manual beschreibt, wie man die Vorzüge des öffentlich-rechtlichen Senders bei den Beitragszahlenden besser kommunizieren könnte. So könne die ARD zum Beispiel von "Unser gemeinsamer, freier Rundfunk ARD" sprechen, anstelle von "öffentlich-rechtlicher Sender". Dr. Klaus Kamps, Professor im Studiengang Crossmedia Redaktion / Public Relations an der Hochschule der Medien (HdM), sieht das Framing Manual ambivalent: "Grundsätzlich ist es legitim, dass sich die ARD als Unternehmen Gedanken über seine Außendarstellung macht. Allerdings hätte sich das Erste in dem Framing Manual auf die eigenen Stärken fokussieren müssen und nicht im Gegenzug die Konkurrenz Privatsender schlechtreden."

Gedacht war das Gutachten als interne Arbeits- und Diskussionsunterlage. Doch die medienpolitische Öffentlichkeit fasste das Manual als Manipulation der Rezipienten auf. Dieser Fehlschlag mit anschließend schwachem Krisenmanagement des Senders führte erneut zu einer öffentlichen Debatte darüber, wofür hier insbesondere die ARD ihren Anteil des Rundfunkbeitrags verbraucht. "Gerade bei den Öffentlich-Rechtlichen fällt jegliche Handlung auf den Finanzierungsprozess zurück, so auch in diesem Fall", erklärt Klaus Kamps. Die Kosten für die Workshops und das Gutachten legte die ARD nach der Medienberichterstattung offen; sie haben sich auf 120.000 Euro belaufen.

Man kann nicht nicht Framen

Beim Framen geschieht die Einbettung von Themen und Ereignisse in thematische Deutungsrahmen, also in sogenannte "Frames". Ein Thema wird demnach in einen subjektiven, kontextuellen Rahmen gesetzt, sodass nur ein Bruchteil des gesamten Bildes im "Frame" dargestellt wird. Ein unzulängliches Beispiel aus dem Gutachten ist die Bezeichnung "medienkapitalistische Heuschrecken" als Synonym für Privatsender. Das Sprachbild der Heuschrecke stößt im deutschen Sprachgebrauch bitter auf, da die Verwendung dieser Begrifflichkeit stark an den Nationalsozialismus erinnert. Derartige Plagen sollten im Holocaust "ausgerottet" werden.

Framing ist nicht per se manipulativ oder propagandistisch. So ist auch an einem Framing Manual in erster Linie nichts auszusetzen. Jedoch waren der Umgang mit dem Gutachten und die zu Anfang fehlende Transparenz der ARD von den beitragszahlenden Bürgern als Missachtung aufgefasst worden.

Legitimation des Rundfunkbeitrags

17,50 Euro. Das ist der monatliche Betrag, den jeder Haushalt in Deutschland für die öffentlich-rechtlichen Sender zahlt. Vor allem Studierende und junge Erwachsene haben oft ihre Schwierigkeiten mit dieser Zahlung. Im Zeitalter diverser Streamingdienste schlägt der Rundfunkbeitrag bei geringem Einkommen teuer zu Buche, zumal das Angebot der Senderfamilie von ARD, ZDF und Deutschlandradio tendenziell von älteren Generationen genutzt wird. Mittlerweile schließt die Gebühr neben dem klassischen Fernsehen und Hörfunk auch Online-Angebote mit ein, sodass jeder Haushalt den Beitrag bezahlen muss. Der Rundfunkbeitrag wird 2021 nach insgesamt zwölf Jahren erneut angehoben werden. Möglicherweise geschieht dies nach einem neuen Beitragsmodell. Wie hoch die Anhebung aussieht, oder das neue Modell, wird sich in nächster Zeit zeigen. Die Diskussion um den Rundfunkbeitrag wird in den kommenden Jahren wohl nicht abbrechen.

Quellen:

  • Ard.de
  • Netzpolitik.org
  • Sueddeutsche.de
  • Handelsblatt.com
  • Welt.de

Margarita Fangrat

VERÖFFENTLICHT AM

24. Mai 2019

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