Karriere

Zwischen Hörsaal und Business Meetings

"Wenn du eine Passion und das richtige Mindset hast, dann schaffst du das auch" - Linda Mory ist Vertretungsprofessorin im Studiengang Online-Medien-Management an der Stuttgarter Hochschule der Medien (HdM). Die Entscheidung für eine Professur fiel ihr nicht leicht, und sie hat sie sehr bewusst getroffen. Unterstützung erhielt sie durch das Mentoring-Programm "Traumberuf Professorin", das Frauen bei ihrer akademischen Karriere zur Seite steht.

Prof. Dr. Linda Mory (rechts) lehrt im Studiengang Online-Medien-Management (Foto: privat)

Prof. Dr. Linda Mory (rechts) lehrt im Studiengang Online-Medien-Management (Foto: privat)

Wenn Linda Mory über ihren Beruf als Professorin spricht, kommt sie schnell ins Schwärmen. "Lehre ist für mich das, was für Marathonläufer das Joggen ist - wenn du einmal angefangen hast, kannst du nicht plötzlich damit aufhören", erklärt sie. Sich auf eine Professur zu bewerben sei aber nicht schon immer ihr Ziel im Leben gewesen. Mory studierte ursprünglich das Fach Medienkommunikation und absolvierte ihren Master in European Public Relations an der Leeds Metropolitan University in Großbritannien und am Dublin Institute of Technology in Irland. Dort erhielt sie das Angebot zur Promotion, lehnte jedoch zunächst ab. "Ich hatte gerade meine Masterthesis hinter mir und alles andere als Lust auf eine Doktorarbeit", sagt die 40-jährige. Über Umwege landete sie an der Universität Speyer und entschied sich schließlich doch für eine Promotion. Der klassische Gendergap sei hier bereits deutlich geworden - Mory war die einzige Frau am gesamten Lehrstuhl, wo sie seit Dezember 2021 auch eine Honorarprofessur innehat.

Erfolgreiches Mentoring

Der Anstoß zur Professur kam 2019 durch das Mentoring-Programm "Traumberuf Professorin". "Ich hatte noch nie davon gehört, aber es reizte mich, für meine Lehrtätigkeit dazuzulernen", erzählt Mory. Mehr Frauen für den Beruf der Professorin begeistern und ihnen Selbstzweifel nehmen - das ist ein Ziel des Programms. Langfristig soll der Anteil weiblicher Bewerbungen auf ausgeschriebene Professuren erhöht werden. Dafür setzen sich seit 2017 sieben Hochschulen für Angewandte Wissenschaften in Baden-Württemberg ein, darunter auch die HdM. Mory gehörte zum zweiten Jahrgang, der das Mentoring-Programm durchlief.

Mit Dr. Bettina Schwarzer, Professorin für Betriebswirtschaftslehre an der HdM, hatte Mory eine erfahrene Mentorin an ihrer Seite. "Frauen müssen im ersten Schritt den Mut aufbringen, sich auf eine Professur zur bewerben. Sich nicht zu trauen, ist der größte Fehler", betont Schwarzer. Für viele Frauen sei es nicht naheliegend, diesen Berufsweg zu wählen, wie sich häufig auch am kleinen Anteil der Bewerberinnen auf ausgeschriebene Professuren zeige. Der zweite wichtige Tipp sei, eine Absage niemals persönlich zu nehmen. "Bei der Entscheidung der Berufungskommission spielen viele Faktoren eine Rolle: Die fachliche Ausrichtung, das Forschungsprofil und vieles mehr - das sollte man nie auf die eigene Persönlichkeit zurückführen", sagt Schwarzer. Ein Mentoring-Programm hätte sie sich auch zu ihrer Zeit gewünscht: "Klar wäre es schön gewesen, eine Person zu haben, die ihre Erfahrungen mit mir geteilt und mir Tipps für den Bewerbungsprozess gegeben hätte."

Umso mehr motivierte Schwarzer ihre Mentee Linda Mory für die Bewerbung und klärte sie über verschiedene Formen der Professur auf. "Ich wusste beispielsweise überhaupt nicht, dass es Vertretungsprofessuren gibt", erzählt Mory. Nach reiflicher Überlegung entschied sie sich gegen eine Vollzeitprofessur und für eine Vertretungsprofessur an der HdM - auch aus dem Grund, weil sie noch Portfolio-Managerin bei SAP ist.

Forschend und führend

Diesen Job aufzugeben, um in die Lehre zu wechseln, kam für Mory nie in Frage. "Ich habe den Luxus, in beiden Welten arbeiten zu dürfen. Das ist total bereichernd für mein Team bei der SAP und für meine Studierenden", sagt sie. Die Praxiserfahrung aus der Arbeit könne sie direkt in der Lehre weitergeben und umgekehrt erhalte sie durch die Studierenden neue Denkanstöße für ihr Team bei SAP. Ganz spurlos geht der Arbeitsalltag aber nicht an der zweifachen Mutter vorbei: "Natürlich ist es extrem stressig, aber es funktioniert wahnsinnig gut, beide Berufe miteinander zu vereinen und dafür bin ich sehr dankbar." Trotzdem würde sie sich selbst nicht als den klassischen "Karrieretyp" bezeichnen. "Ich würde sogar sagen, mein Leben verlief ohne konkreten Plan. Und auf Grund dieser mentalen Freiheit ergaben sich einfach immer wieder neue Chancen", sagt sie.

An der HdM lehrt Linda Mory im Studiengang Online-Medien-Management die Fächer Design Thinking, Kreativität mit dem Schwerpunkt Design Thinking, Digital Content mit dem Schwerpunkt Storytelling sowie Digital Work und Social Collaboration.

Fehlende Frauen in der Wissenschaft

Die Unterrepräsentanz von Frauen in Forschung und Lehre führt Mory auf die eigenen Selbstzweifel zurück. "Wir sind uns oft gar nicht bewusst, wie leistungsfähig wir sind und stehen uns selbst im Weg. Ich dachte am Anfang auch, wie wird das wohl werden - und ist das überhaupt zu schaffen", berichtet sie über ihre Zweifel an der Professur. Schon als Kind habe sie sich wenig zugetraut und schrieb Klassenarbeiten getrennt von ihren Mitschülerinnen und Mitschülern. Sie hielt es nicht aus, wenn die anderen bereits anfingen zu schreiben, und setzte sich selbst unter Druck. "Den eigenen Selbstwert zu erkennen ist ein Lernprozess", sagt sie. Natürlich hänge von der Entscheidung zu einer Professur aber noch mehr ab, wie zum Beispiel die Frage nach der Kinderbetreuung. Sie selbst habe großes Glück mit einem stabilen familiären Umfeld an ihrer Seite. Ihre damaligen Selbstzweifel hat sie heute überwunden und empfiehlt Frauen, die Bedenken bei ihrer Entscheidung für eine Professur haben: "Wenn du eine Passion für etwas hast, dann schaffst du das auch. Einfach machen, es funktioniert!"

VERÖFFENTLICHT AM

13. April 2022

KONTAKT

Prof. Dr. Linda Mory

Online-Medien-Management

Telefon: 0711 8923-3264

E-Mail: mory@hdm-stuttgart.de

Prof. Dr. Bettina Schwarzer

Telefon: 0711 8923-3180

E-Mail: schwarzer@hdm-stuttgart.de

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