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Hochschule der Medien

„About:Kate“ bei ARTE

Multimediale Therapiebegleitung

Seit vier Wochen läuft Samstagnacht die transmediale Serie „About:Kate“. ARTE nennt das Format „ein Experiment zur psychischen Verfassung im digitalen Zeitalter.“ Aber es ist viel mehr als das: Es hinterfragt unser gesamtes mediales Verhalten und revolutioniert den klassischen Fernsehkonsum.

Florian Hager, ehermaliger HdM-Student, erarbeitete das neue Konzept "About:Kate" mit. Foto:  Jens Becker/lensemann.de

Florian Hager, ehermaliger HdM-Student, erarbeitete das neue Konzept "About:Kate" mit. Foto: Jens Becker/lensemann.de

Zur Detailansicht Kate Harff auf der Suche nach sich selbst, überfordert und gelangweilt von der eindimensionalen Social-Media-Welt. Foto: Arte/ Ulmen TV

Kate Harff auf der Suche nach sich selbst, überfordert und gelangweilt von der eindimensionalen Social-Media-Welt. Foto: Arte/ Ulmen TV

Während der Serie synchronisiert sich die App und gibt zusätzlich Infos. Foto: Screenshot der App "About Kate".

Während der Serie synchronisiert sich die App und gibt zusätzlich Infos. Foto: Screenshot der App "About Kate".

Florian Hager, der Kopf hinter der Idee, ist HdM-Absolvent und hat mit der HdM-Redaktion über das TV-Projekt gesprochen. Das Interview finden Sie unter dem Artikel auf der nächsten Seite.

Schon in der ersten Minute ist klar, dass das neue Format „About:Kate" von dem deutsch-französischen Kultursender ARTE völlig anders ist, als alles, was bisher im Fernsehen lief. Das liegt zum einen an dem speziellen Thema der Serie, viel mehr jedoch daran, wie der Zuschauer in Kates Leben einbezogen wird: Über alle denkbaren Medienkanäle. Während Kate und ihre Therapeutin aneinander vorbeireden, sitzt der Zuschauer im Idealfall mit seinem Smartphone vor dem Fernseher oder Laptop und beantwortet interaktive Fragen und klickt sich durch popkulturelle Informationen und Videos. Die kostenlose App synchronisiert sich automatisch über den Ton der Serie und begleitet sie mit Fragen, die dem User den Spiegel vorhalten sollen. Am Ende der Sitzung bekommt er eine Diagnose, die auf Facebook geteilt werden kann.

Wer ist Kate Harff?

Die Protagonistin Kate Harff (hervorragend gespielt und interpretiert von Natalia Belitski) ist knapp 30 Jahre alt, hat in Paris Kunst studiert, lebt in Berlin. Ihr Facebook-Profil wirkt hipstermäßig, meine Freundschaftsanfrage beantwortet sie innerhalb von zehn Minuten und ihr Beziehungsstatus ist kompliziert. Aber wer Kate Harff eigentlich genau ist, weiß sie selbst nicht. An Silvester weist sie sich in eine Berliner Nervenklinik ein, weil sie nicht mehr auseinanderhalten kann, was ihr virtuelles Alter Ego und was ihre reale Persönlichkeit ist. Und wir alle begleiten sie bei dieser Therapie mit.

Der Zuschauer ist Freund, Mitpatient und Regisseur zugleich

Auf der Homepage bietet die Rubrik „Gruppenraum" die Möglichkeit, aktiv und kreativ beim Projekt „About:Kate" mitzumachen. Zu jeder Folge gibt es bestimmte Aufgaben, wie beispielsweise Fotos einzuschicken, auf denen man irgendeine verrückte Rolle spielt. Die besten Einsendungen werden dann in die Serie eingebaut. Das funktioniert deshalb, weil Kates Fragen mitten aus der Lebenswelt ihrer Generation gegriffen sind. Fragen, die nicht immer einfach sind und die sie auch in der Therapie beantworten muss, es aber häufig nicht kann. Was stiftet dir Identität? Wer sind deine Freunde? Warum schreiben wir Menschen, die gestorben sind, „RIP" auf die Pinnwand? Wieso kann alles, wirklich alles auf der Welt, immer noch gepimpt werden?

Kate: „In diesem Jahr heißt mein Vorsatz: Überleben."

Für Kate ist das Gefühl, dass sie nicht mehr weiß, wer sie wirklich ist, existenziell. „Bisher habe ich all meine Vorsätze immer gebrochen", erzählt sie in der ersten Folge in der Silvesternacht. „In diesem Jahr heißt mein Vorsatz: Überleben." Um ihre echte Identität wiederzufinden, wühlt sie sich immer wieder durch Facebook-Timelines und Blogs, Videos, Chats und anderen „Internetmüll", wie sie es selbst nennt. Die Grenzen zwischen virtueller Inszenierung und Realität verwischen. Und das Paradoxe ist: Der Zuschauer fiebert auf die Weise mit, die Kate selbst in den Wahnsinn getrieben hat - auf allen Kanälen, omnipräsent. So wird an seiner Aufmerksamkeit gezogen, wie an einem Gummiband, das kurz davor ist, zu zerreißen.

Sind wir nicht alle ein bisschen Kate?

 

„About Kate" startete am Samstag, den 27. April 2013. Insgesamt werden 14 Folgen ausgestrahlt. Zur Serie gibt es eine kostenlose App und eine Website: www.arte.tv/kate. Die nächste Folge (5) läuft am 25. Mai um 23.50 Uhr auf ARTE.

 


Lesen Sie weiter auf der nächsten Seite:
Florian Hager im Interview


VERÖFFENTLICHT AM

22. Mai 2013

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