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Hochschule der Medien

130 Jahre Füllfederhalter

Nichts für Grobmotoriker

Mit dem Füllfederhalter wurden Liebesbriefe geschrieben, Staatsverträge unterzeichnet oder die ersten Schreibversuche in der Grundschule unternommen. Der moderne Füller war einst ein Massenprodukt, das sich seit dem 12. Februar 1884 den Weg bahnte. Heute ist das Schreibwerkzeug ein untergegangener Industrieartikel, dessen Zauber nur noch Sammler nachvollziehen können.

Vor etwa 200 Jahren standen auf Schreibpulten neben Federn und kleinen Tintenfässern, Löschwiegen zum Trocknen, Löschsand zum Entfernen und selbstverständlich Papier zum Beschreiben. Die Schreibfedern stammten meist von Vögeln - die Ältesten waren Gänsekiele, mit denen die Menschen schon im vierten Jahrhundert schrieben. Die ersten Stahlfedern setzten sich 1822 in England durch. Weitere 20 Jahre dauerte es bis sie in Deutschland produziert wurden.

Einfach war es nicht, mit Gänsekielen oder Stahlfedern zu schreiben: Die Federn klecksten, die Tinte beschmierte die Hände und ständig musste der Schreiber den Schreibprozess unterbrechen, um die Feder in das Tintenfass einzutauchen.

Der Aufstieg des modernen Füllfederhalters ...

Dann die Revolution: Lewis Edison Waterman meldete am 12. Februar 1884 den Tintenleiter zum Patent an. Das neue Dreispalt-Tintenzufuhrsystem garantierte erstmals einen regelmäßigen Tintenfluss. Die Feder musste nun auch nicht mehr so oft in die Tinte eingetaucht werden. Folglich wurde es viel einfacher, mit einer geschmeidigen Handbewegung ein sauber geschriebenes Wort auf Papier zu bringen. Das leichte Kratzen der Feder auf dem Papier konnte der Schreiber aber immer noch hören, wenn er zu fest aufdrückte.

In den nächsten Jahren entwickelte sich der Markt rasant: Von 200 verkauften Füllfederhaltern im Jahr 1884 veräußerte die Waterman Company 1901 bereits 350.000 Stück. 1904 kam der erste Stift mit Sicherheitsclip, so dass der Stift an der Brusttasche befestigt werden konnte, 1907 der erste Füller, der nicht auslief, und 1913 schließlich der erste mit Selbstbefüllungssystem.

... und sein Niedergang

Der Füllfederhalter wurde zu einem Alltagsprodukt, das vor allem in Schulen genutzt wurde. Doch für Schüler war das "Schön-Schreiben" oft ein Kampf. Füller sind nichts für Grobmotoriker, denn sie erfordern eine entspannte Haltung. Zu viel Kraft in den Händen oder zu viel Druck in der Bewegung lassen keine fließenden Handbewegungen zu und damit auch keine schön geformten Buchstaben schreiben. Viele stiegen deshalb auf Kugelschreiber um. Ab den 1960er Jahren verdrängten die Kulis den Füller in Deutschland. Der Niedergang des Füllfederhalters als Massenprodukt begann und der Beruf des Füllhalterdrechslers verschwand.

Schreibwerkzeughersteller vermarkteten nun den Füllfederhalter als Sammelobjekt und Statussymbol. Die Marken Montblanc oder Faber-Castell brachten zum Beispiel immer wieder besondere Editionen heraus. Der teuerste Füllfederhalter der Welt soll aus der Diamant-Kollektion von Montblanc stammen und bis zu 330.000 Euro gekostet haben. Aktuell gibt es im Online-Auktionshaus ebay einen Montblanc Le Grand Royal mit rund 4600 Diamanten für knapp 100.000 Euro zu kaufen, was auch für die Sammler ein stolzer Preis ist.

Die Zukunft des Schreibens

Die Zukunft des Schreibens muss aber nicht unbedingt dem Kugelschreiber gehören - oder der Tastatur, die ebenfalls immer weiter Stifte als Schreibwerkzeug verdrängt. Vielleicht kann man bald ohne einen Stift schreiben. Beispielsweise hat das Karlsruhe Institut für Technologie einen Airwriting-Handschuh entwickelt, der die Beschleunigungs- und Drehbewegungen der Hand in Schrift umwandelt. Am schönsten sehen Liebesbriefe aber nach wie vor handgeschrieben aus.

Welche Verbindungen die Mitarbeiter der Hochschulkommunikation zu Füllfederhaltern haben, könnt ihr in den Zoom-Bildern lesen.

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Stephanie Frank hat einen Füller mit Geschichte.
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Kristina Simic brauchte viele Tintenkiller.
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Franziska Böhl schrieb gerne mit ihrem Pelikan-Füller.

 

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Florian Fahrbach wünschte sich einen Lamy-Füller.
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Mirjam Müllers Held war nicht der Füller.
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Kerstin Lauer hatte einen Geha-Füller.

 

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Prof. Dr. Franco P. Rota findet Füller authentisch.
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Alexandra Peschke fehlten oft Patronen.

 

 

 

Quellen:
www.manager-magazin.de
www.collectiblestars.de
www.richtigteuer.de
www.gofeminin.de
www.wikipedia.de

Franziska Böhl

VERÖFFENTLICHT AM

12. Februar 2014

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