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Hochschule der Medien

Fußball-WM und die Medien

Mit Apps wird die WM mobil

"Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister!" Dieser Kommentar ging in die Geschichte der Fußball-Weltmeisterschaft ein, als Deutschland 1954 beim Finale in Bern gegen Ungarn gewann. Zu hören war der Kommentar im damaligen Massenmedium Hörfunk. Wie haben sich die Medien rund um die Fußball-WM seit ihrer Erfindung im Jahre 1930 entwickelt?

Die FIFA-Fußball-Weltmeisterschaft 1954 gilt in der Geschichte des deutschen Fernsehens als erstes Sportgroßereignis. Medienwissenschaftler nennen diesen Zeitpunkt einen Meilenstein für den Durchbruch des neuen Massenmediums. In diesem Jahr war es noch der Kommentar eines Rundfunkreporters, der in die Geschichte der Fußball-WM einging. „Aus! Aus! Aus! Das Spiel ist aus! Deutschland ist Weltmeister", jubelte Herbert Zimmermann als im schweizerischen Bern die Partie Deutschland gegen Ungarn 3:2 zu Ende ging. Zu diesem Zeitpunkt verfolgte man die WM zuhause noch vor dem Radio. In einigen Kneipen gab es bereits Fernsehgeräte mit einer bescheidenen Bildqualität.

Fußball live und in Farbe

Foto: CC BY-SA 2.0 Uwe Hermann, flickr.com/photos/uwehermann/173505493/
Das Bedürfnis Fußball live zu erleben, war bereits in den 50er-Jahren sehr stark. 1950 kamen mehr als 170.000 Fans live ins Stadion - die Rekordzahl in der Geschichte der Fußball-WM. Die Besucherzahlen wurden weniger und bereits 1958 machte man die medialen Live-Übertragungen für deren Rückgang verantwortlich. Wer von nun an Spiele ausstrahlen wollte, musste für die Senderechte zahlen. Damals kostete die Ausstrahlung von zehn Spielen die ARD 160.000 DM.

Die ersten Fernsehbilder von einem anderen Kontinent, und zwar in Farbe, gab es erstmals zur WM 1970 in Mexico. In diesem Jahr begann auch der Einfluss der Fernsehanstalten auf die Spielzeiten. Damit man in Europa am Abend Fußball schauen konnte, mussten die Spieler in Mexico in der heißen Mittagssonne spielen. Acht Jahre später berücksichtigte man dann bereits beim Bau der Stadien die Bedürfnisse der Fernsehanstalten. Eine hervorragende Inszenierung und Dramaturgie sollten gewährleistet werden.

Bis zu 180 Millionen Euro für Übertragungsrechte

Knapp 60 Jahre später verfolgten in Brasilien knapp 50 Prozent der Deutschen im Ersten oder im ZDF die Vorrundenspiele. Die Spiele der deutschen Nationalelf sahen durchschnittlich 80 Prozent der Deutschen. Die Kosten für die gesamten Übertragungsrechte liegen zwischen 150 und 180 Millionen Euro. Dadurch dürfen die Sender alle Fußballspiele auch per Live-Stream im Internet ausstrahlen.

Mittendrin im Geschehen sind die Fans auch bei den FIFA-Fan-Festen, die erstmals zur WM 2006 in Deutschland stattfanden. Die offiziellen Großleinwandübertragungen der FIFA werden an allen Spielorten und seit 2010 auch in weiteren Großstädten veranstaltet. Laut FIFA besuchten 2006 und 2010 insgesamt 24 Millionen Menschen die Fan-Feste.

ARD und ZDF: 420 Mitarbeiter und teure Technik

Insgesamt rund 15.000 Medienvertreter aus 200 Ländern reisten zur WM an, um live davon zu berichten. HD-Qualität, Dolby 5.1, jede Menge TV-Technik und meterweise Glasfaserkabel sollen 2014 dafür sorgen, dass ARD und ZDF den deutschsprachigen Zuschauern medial viel bieten können. Um Kosten zu sparen und Synergien zu erzeugen, arbeiten die beiden öffentlich-rechtlichen Sender in Bereichen wie der Produktion oder der Technik zusammen. Ein hoher Aufwand ist notwendig, da die zwölf Spielorte teils mehrere tausend Kilometer auseinanderliegen.

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Bei der neuen Sportschau FIFA WM App können die Nutzer aktiv an der WM teilnehmen. Quelle: Screenshot Sportschau App
Moderatoren-Teams wie Matthias Opdenhövel und Mehmet Scholl (ARD) oder Oliver Welke und Oliver Kahn (ZDF) berichten live in dem gemeinsamen Studio aus Rio de Janeiro mit Blick auf die Copacabana. Das Sendezentrum mit der Regie befindet sich rund 35 Kilometer entfernt in Rio Barra. Von dort aus wird sowohl für das Fernsehen als auch für den Hörfunk und das Internet gearbeitet. Christoph Hamm, ZDF-WM-Programmchef, verriet der Teleschau in einem Interview: "Wir haben alles in allem etwa 420 Leute vor Ort - da ist alles dabei, vom Radio über die Technik bis zu externen Dienstleistern. 150 Mitarbeiter arbeiten sowohl für die ARD als auch für das ZDF." In der Geschichte des ARD-Hörfunks ist die WM 2014 das erste Rund-um-die-Uhr-Sportprojekt.

Die größte Sportereignis-App aller Zeiten

Das Online-Angebot zur Fußball-WM erreicht 2014 ebenfalls neue Dimensionen. Für die Veranstaltung wurde eigens die Sportschau FIFA WM App entwickelt. Zum Ende der Gruppenphase wurde die App mehr als 1,3 Millionen Mal heruntergeladen. Die Zuschauer können erstmals über Social Media von unterwegs aus aktiv an der WM teilnehmen. Die App ermöglicht den Nutzern Highlights und Spielszenen aus einer beliebigen Kameraposition zu betrachten. Bis zu 20 Kameras sind auswählbar, deren Aufzeichnungen im Fernsehen teils nicht zu sehen sind.

Die offizielle App der FIFA ist seit kurzem die größte Sportereignis-App aller Zeiten. In den ersten 26 Tagen wurde sie 20 Millionen Mal heruntergeladen. Matt Stone, Leiter der Abteilung digitale Medien der FIFA, auf der offiziellen FIFA-Website: "Wir werden Zeuge der Entwicklung zur mobilen WM in den sozialen Netzwerken. Dank der starken Zunahme der Nutzung von Mobilgeräten, insbesondere über die App, sind die Fans immer dabei - egal ob sie unterwegs sind, oder die Infos zusätzlich zum TV-Bild auf dem so genannten Second Screen abrufen."

Quellen:
Presse ARD/ZDF/FIFA
SWR
Sueddeutsche.de
Sportschau.de
Sofacentral.de
Spox.com
Teleschau, der Mediendienst
Ernst Christian Schütt (2008): Chronik des deutschen Fußballs: die Spiele der Nationalmannschaften von 1908 bis heute.
Leonhard, Ludwig, Gruyter (2002): Medienwissenschaft: ein Handbuch zur Entwicklung der Medien und Kommunikationsformen, Teil 3.

Ann-Katrin Wieland

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