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Wenn die Software auf Lochstreifen passt

Eigentlich ist der PDP-8 so groß wie ein Kühlschrank. Trotzdem gelang dem Computer vor 50 Jahren eine kleine Revolution: Nie zuvor passte ein ganzer Computer auf einen Schreibtisch.

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Ein PDP-8 mit angeschlossener Teletype links daneben
Im Vergleich zu Smartphones oder Tablet-Computern aus dem Jahr 2015 ist der PDP-8 der Digital Equipment Corporation (DEC) von 1965 riesig. Trotzdem gilt die inzwischen 50 Jahre alte Rechenmaschine als einer der ersten Minicomputer, der zudem kommerziell erfolgreich war. Computer galten damals als Riesenmaschinen, die viel Raum und Strom benötigten - eine große Zahl an Personal war zur Bedienung nötig. Deshalb nannte DEC seine Maschine "Programmed Data Processor", kurz: PDP. Der PDP fand bequem auf einem Tisch Platz, wodurch er für Wissenschaftler und Ingenieure auch in kleineren Firmen attraktiv war.

Zur Ausstattung gehörten bei dem mit 18.000 Dollar für damalige Verhältnisse sehr preiswerten PDP-8 neben dem eigentlichen Computer auch ein Satz mit Lochstreifen als Software und ein modifizierter Fernschreiber der Firma Teletype. Diese wurde direkt mit dem Computer verbunden. "Mit Fernschreibern konnten quasi erste E-Mails verschickt werden - dank des Fernschreibers konnte interaktiv mit dem Computer kommuniziert werden", sagt Klemens Krause, der den PDP und andere Rechenmaschinen aus längst vergangenen Jahren im Stuttgarter Computermuseum auf dem Campus Vaihingen in Schuss hält. Besuchern zeigt und erklärt Krause gerne, wie die Exponate arbeiten und funktionieren.

PDP-8: Leistung verbunden mit gutem Design

"Beim PDP-8 kam es neben der Funktionalität auch aufs Design an", sagt Krause und zeigt auf das Frontpanel aus echtem Mineralglas. Den Fuß des Geräts ziert an den Seiten eine Furnierfolie in Eichenoptik – amerikanischer Büroschick der 1960er Jahre. Vorne kann der Anwender dank zwei Dutzend Kippschaltern mit dem Computer kommunizieren. Oberhalb des Bedienfeldes befindet sich hinter getönten Plexiglasscheiben das Herzstück des Rechners: Hinter der rechten Flügeltür arbeitet der Prozessor, die linke Flügeltür beherbergt den Magnetkernspeicher. Der vergisst die geladenen Programme und Daten beim Abschalten der Maschine nicht. Nach dem Wiedereinschalten musste nichts neu geladen werden.

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Die mitgelieferte Software auf Lochstreifen, Fotos: HdM/Stephanie Frank
Verschiedene Programmiersprachen für den PDP lieferte der Hersteller DEC auf Zickzack-Lochstreifen aus Papier mit. Assembler, FORTAN, FOCAL und ein Floating Point Package gehörten zur Standardausrüstung. BASIC wird noch heute von Microsoft in vielen Office-Produkten eingesetzt. Mit der mitgelieferten Teletype können Programme auf Lochstreifen gespeichert und Quellprogramme wieder eingelesen  werden. Der Compiler übersetzt die Löcher schließlich wieder in Maschinencodes.

Noch heute frei programmierbar

Bis 1969 baute DEC den classic 8, es folgten Verbesserungen und verschiedene Versionen des Verkaufsschlagers - bis in die 1990er Jahre entsanden Computer der PDP-Reihe. Der Befehlssatz blieb dabei immer gleich, sodass im Laufe der Zeit ein riesen Fundus an Software entstand. Für Entwickler war auch die vom Hersteller gut dokumentierte Hardware interessant: Erweiterungen und Interfaces ließen sich problemlos selbst einbauen. Heute ist der PDP-8 eher etwas für Liebhaber wie Klemens Krause vom Computermuseum. Wenn er Zeit hat, programmiert er ein Schachspiel oder einen Sudoku-Löser für den 50 Jahre alten PDP. Und bei allem technischen Fortschritt: Die Quadratwurzel von zwei konnte schon der PDP-8 mit 1,4142136 berechnen.

Stephanie Frank

VERÖFFENTLICHT AM

10. April 2015

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