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Drohneneinsätze 16. Juli 2015

Neue Perspektiven für den Journalismus

Für Fernsehdokumentationen waren Bilder aus der Luft bisher durch Helikopter möglich. Doch Helikoptereinsätze sind teuer und aufwendig. Für kleine Produktionen sind Luftaufnahmen deshalb oft nicht realisierbar. Der Einsatz von Drohnen kann dem Journalismus zu neuen Perspektiven verhelfen. Klingt wie ein absurdes Zukunftsszenario und ist doch längst Realität.

Im Copter Communication Camp haben Studenten zwei eigene Drohnen gebaut.
Im Copter Communication Camp haben Studenten zwei eigene Drohnen gebaut.
Gegen extreme Witterungen ist die Technik des Copters empfindlich.
Gegen extreme Witterungen ist die Technik des Copters empfindlich.
Journalisten könnten schon bald mit ihrem eigenen Copter zum Ort des Geschehens gehen.
Journalisten könnten schon bald mit ihrem eigenen Copter zum Ort des Geschehens gehen.
Wer eine Drohne steuern möchte, sollte vorher am Flugsimulator üben. (Fotos: Copter Communication Camp 2015)
Wer eine Drohne steuern möchte, sollte vorher am Flugsimulator üben. (Fotos: Copter Communication Camp 2015)

Schon heute setzen selbst kleine Redaktionen, zum Beispiel regionale Fernsehsender, die unbemannten kleinen Flugobjekte für Dokumentationen und Berichte ein. "Drohnen sind viel billiger, kleiner und vielfältiger einzusetzen als Helikopter", sagt Max Ruppert, akademischer Mitarbeiter an der Hochschule der Medien (HdM). Zusammen mit einem Studententeam gründete er das "Copter Communication Camp", das durch ein Junior-Fellowship der Baden-Württemberg (14.000 Euro) gefördert wird. Selbständig bauten die Studenten in diesem Semester zwei Drohnen, erlernten rechtliche und technische Grundlagen und machten Versuche zu ihrer Einsatzfähigkeit.

Der Begriff "Drohne" wird in unserem Sprachgebrauch häufig negativ assoziiert, vor allem durch Berichterstattung über militärische Einsätze mit Kampfdrohnen. Militärische Drohnen haben jedoch wenig mit den an der HdM hergestellten und im Journalismus verwendeten Drohnen gemein - einzig, dass die Flugobjekte unbemannt sind und gesteuert werden. Ruppert spricht deshalb von Coptern statt von Drohnen.

Seiner Einschätzung nach wird der Einsatz der Quatro- oder Hexacopter, je nachdem ob er vier oder sechs Rotoren hat, im Journalismus noch vierfältiger. "Diese Technik kann noch viel innovativer eingesetzt werden", so Ruppert. Heute würden Luftbilder oft nur als Schnittbilder in Dokumentationen verwendet. "Man könnte zum Beispiel auch Kameraschwenks bei Moderationen mit einer Drohne realisieren."

Drohnen im investigativen Einsatz

Nicht nur in technischer, vor allem in investigativer Hinsicht bieten Drohnen eine Menge Potenzial, etwa um Bilder von verbotenen oder schwer erreichbaren Arealen zu schießen. Tierschützer oder Atomkraftgegner könnten die Technik beispielsweise für ihre Zwecke ebenfalls entdecken.

Ruppert will im nächsten Semester mit dem Copter Communication Camp in den Datenjournalismus einsteigen. "Man kann an einen Copter zum Beispiel einen Geigerzähler montieren", so der Drohnenexperte. Neben der Radioaktivität kann man mithilfe von Drohnen die Temperatur oder andere Werte messen und für die Berichterstattung in Form von Infografiken nutzbar machen.

Technische und juristische Grenzen

Die Möglichkeiten sind also nahezu unbegrenzt. Doch: Ist dieses Szenario des uneingeschränkten "Drohnen-Reporters" überhaupt realisierbar?

Rechtlich und technisch sind dem Einsatz von Drohnen einige Grenzen gesetzt. Die Copter lassen sich nur mithilfe einer sensiblen Fernsteuerung bedienen, deshalb muss der Drohnenführer das Objekt immer in eigener Reichweite fliegen lassen. Einsätze in entlegenen oder verbotenen Gebieten sind somit nicht möglich. Der Flug selbst muss einige Wochen vorher geplant und angemeldet werden. Die Luftfahrtbehörde fragt nach der genauen Gerätebezeichnung - ein Problem bei selbst erbauten Coptern - dem Führer des Geräts, dem genauen Datum und Ort. Investigative Recherchen sind auf legalem Weg also kaum umsetzbar, ein Problem, das gelöst werden muss.

Lizenz zum Steuern?

Max Ruppert schließt nicht aus, dass bald ein Führerschein zum Steuern eines Copters benötigt wird. "Klar ist: Die Regelungen werden noch strenger." Bisher reichen einige Übungsstunden oder Stunden am Flugsimulator, um ein Gespür für die richtige Bedienung zu bekommen. Völlig Unerfahrenen rät er davon ab, gleich loszufliegen. Sicherheitstechnisch müssen einige Regeln befolgt werden. So dürfen Drohnen niemals direkt über einem Menschen fliegen. Durch die Befestigung von Kameras ist der Flug einer Drohne beeinträchtigt, das Flugzeug wird um einiges schwerer.

Auch bei besten technischen Voraussetzungen kann das Wetter einen Strich durch die Rechnung machen. Bei Regen, Sturm und in der Nacht ist der Drohnenflug verboten. „Bei extremer Kälte muss auch an die Akkus der Kameras gedacht werden", so Ruppert.

Die Drohne im Rucksack

Kindische Spielerei oder ein neuer Weg für investigative Berichterstattung? Copter bereichern schon heute den journalistischen Alltag. Durch ausgefeiltere Technik können Redaktionen mehr und mehr auf Produktionsfirmen verzichten. Stattdessen wäre denkbar, dass Journalisten selbst mit dem Copter an den Ort des Geschehens gehen. "Es ist möglich, dass Reporter bald ihre Drohnen selbst zusammenbauen und im Rucksack dabei haben," so Ruppert.

Victoria Kunzmann

Kontakt

Name:
Max Ruppert  Elektronische Visitenkarte
Funktion:
Akademischer Mitarbeiter
Abteilung:
Institut für angewandte Forschung (IAF)
Raum:
227, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2698
E-Mail:
ruppert@hdm-stuttgart.de

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