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Studieren. Wissen. Machen.

Hochschule der Medien

Studentenverbindungen

Eine Entscheidung fürs Leben

Wenn es um Studentenverbindungen geht, haben viele das Bild von strengen, rechtsorientierten Burschenschaften oder ausartenden Trinkgelagen im Kopf. Doch es kann auch anders sein: Vier Studenten der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart erzählen von ihrem Alltag und ihren Erfahrungen in einer solchen Verbindung. Sie räumen dabei mit Vorurteilen auf und zeigen, wie bereichernd so ein "Bund für’s Leben" sein kann.

Die T.V. Grafia bei einem Ausflug © T.V. Grafia

Die T.V. Grafia bei einem Ausflug © T.V. Grafia

Einer der Aufenthaltsräume im Verbindungshaus des KAV Rheno-Nicaria © Alexandra Seidel

Einer der Aufenthaltsräume im Verbindungshaus des KAV Rheno-Nicaria © Alexandra Seidel

Wakeboard-Ausflug der ATV Suevia Stuttgart © ATV Suevia

Wakeboard-Ausflug der ATV Suevia Stuttgart © ATV Suevia

"Wir sind in eine Studentenverbindung eingetreten, weil sie einen wichtigen Austausch mit anderen Studenten und vor allem auch mit Ehemaligen bietet", erklären Andreas Hoos und Sebastian Faulhaber, beide im sechsten Semester Bachelor Print-Media-Management an der HdM. Sie sind Mitglieder der Technischen Verbindung (T.V.) Grafia, die 1955 an der HdM, damals noch "Höhere Fachschule für das Graphische Gewerbe", gegründet wurde. Hoos und Faulhaber gehören zu den zehn "aktiven" Mitgliedern, die Veranstaltungen und Exkursionen für die Verbindung planen und die sogenannten "Füxe" (neue Mitglieder) in die Gemeinschaft einführen. Neben den aktiven Studenten besteht die Verbindung aus 160 "Altherren" (Ehemalige), die die Gemeinschaft und ihre Aktivitäten finanziell unterstützen und den Studenten als bereits Berufstätige mit Rat zur Seite stehen. "Man spürt einen starken Rückhalt von den älteren Mitgliedern, auch wenn sie einen nicht so gut kennen", beschreibt Hoos anerkennend.

Zwischen Tradition und Moderne

Auch wenn das klassische Verbindungshaus fehlt, sind viele traditionelle Elemente einer deutschen Studentenverbindung in der T.V. Grafia verankert: Die Mitglieder tragen zu offiziellen Anlässen, wie der "Semesterantritts- und -abschlusskneipe", ein "Couleur"-Band mit den Farben der Verbindung und stimmen ihre Hymne "Stoßt an, die Grafia soll leben" sowie alte Studentenlieder an. "Es mag einem zunächst komisch vorkommen, doch es geht einfach nur darum, eine Kultur oder Tradition fortzuführen, die immer mehr verschwindet", erklärt Faulhaber. "Im Grunde genommen feiern wir das Student-Sein heute wie damals: Die Lieder handeln vom Spaß am Studieren, dem Trinken und der Liebe." Die T.V. Grafia hat auch weibliche Mitglieder, ist unpolitisch und "nichtschlagend" (ohne Fechtkampf). "Schlagend sind eigentlich nur die Burschenschaften und die Corps. Wenn wir jemanden aufnehmen, dann wird er mit Bier übergossen", sagt Hoos mit einem Grinsen. Er ergänzt: "Wir sind ganz normale Studenten, die sich einfach freuen, mit tollen Leuten zusammenzukommen."

Letzteres unterstreicht auch Ferdinand Stöhr, Student im vierten Semester Bachelor Werbung und Marktkommunikation an der HdM. Er ist Mitglied beim Katholischen Akademischen Verein (KAV) Rheno-Nicaria und lebt im Verbindungshaus in Stuttgart. Dort laden die "Aktiven" regelmäßig zum gemeinsamen Kochen im "Haustübchen", zum Grillen auf der Terrasse, zum Fußballschauen oder zu Vorträgen im "Saal" ein. Wie auch bei der T.V. Grafia, sind mehrere Herren bereits über 80 Jahre alt. "Es ist schön zu sehen, wie manche nach so vielen Jahren der Verbindung noch so nah sind und sich für uns junge Studenten interessieren", erzählt Stöhr von den älteren Mitgliedern. Auch in dieser Verbindung gilt das sogenannte Lebensbundprinzip: "Die Bereitschaft der Mitglieder aller Altersstufen, sich gegenseitig zu unterstützen und ein Leben lang Kontakt zueinander zu halten". Die Verbindung ist ebenfalls nichtschlagend, unpolitisch und offen für Menschen jeder Herkunft, allerdings ein reiner Männerbund. "Aber die Freundinnen kommen zu vielen Veranstaltungen mit und bleiben natürlich auch mal ein paar Tage da", so der Student. Wie Stöhr seinen Alltag bei der Verbindung beschreiben würde: "Rambazamba, weil immer was los ist."

Zeitlose Prinzipien

Eine Studentenverbindung, die fast alle traditionellen Bräuche abgelegt hat, ist die Akademische Turnerverbindung (ATV) Suevia Stuttgart. Jessica Ludwig ist im dritten Semester Master Elektronische Medien an der HdM und trifft sich immer montags mit Studenten und Ehemaligen der Verbindung zum Gruppensport. "Einer Verbindung beizutreten hilft einem unglaublich, wenn man zum Beispiel als Student in eine neue Stadt zieht und noch niemanden kennt", beschreibt Ludwig. "Die Gemeinschaft heißt einen willkommen und bietet einen wertvollen Rückhalt." Auch hier finden im Verbindungshaus verschiedene Veranstaltungen wie Gartenfest, Weihnachtsfeier, Vorträge oder Kochabende statt. Die Verbindung ist gemischt, nichtschlagend und geht nach dem "schwarzen Prinzip": Sie trägt keine Farben und hat daher auch kein Wappen, kein Couleur-Band und keine Fahne, die traditionsreiche Verbindungen sonst kennzeichnen. Doch die wesentlichen Prinzipien, die Verbindungen seit jeher ausmachen, sind da: Zum einen gilt das Lebensbundprinzip, bei dem die im Beruf stehenden "alten Herren und Damen" den Studenten beratend und finanziell zur Seite stehen. Zum anderen organisiert sich die Verbindung selbst. "Es läuft alles auf freiwilliger Basis und man lernt dabei gemeinsam etwas zu schaffen und zu pflegen."

Eine Studentenverbindung steht demnach für den Austausch mit anderen und ist ein helfendes Netzwerk, in dem die Mitglieder Teamwork und Organisationstalent beweisen. Inwieweit die alten Traditionen den Verbindungsalltag bestimmen sollen, entscheidet jeder selbst durch die Wahl seiner Verbindung. Die Hauptsache bleibt, dass sich jeder in der Gemeinschaft wohl fühlt.

 

Alexandra Seidel

VERÖFFENTLICHT AM

15. Juli 2016

KONTAKT

Sebastian Faulhaber
T.V. Grafia, Fuxmajor
E-MailSf064@hdm-Stuttgart.de
Andreas Hoos
T.V. Grafia, Senior
E-Mailah148@hdm-stuttgart.de

ARCHIV

Studium
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Anton Balling

am 02.10.2017 um 19:17 Uhr

Sehr geehrter Herr Faulhaber, bei der Suche nach einem sog. "Bierzipfel" mit den Druckerfarben, bin ich auf einen Eintrag von Jürgen Mauser von der TV Grafia gestoßen. Als Druckermeister und Drucktechniker interessiere ich mich über die Möglichkeit einen solchen Bierzipfel zu erwerben. Falls Sie mir eine Bezugsquelle oder eine Kontaktadresse mitteilen können, bin ich Ihnen sehr dankbar. Mit freundlichen Grüßen Anton Balling

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