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Hochschule der Medien

Digitales Semester

Vorlesung via Bildschirm und Webcam

Aufgrund der Corona-Pandemie fand das Sommersemester 2020 an der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart erstmalig komplett digital statt. Das bringt nicht nur einen leeren Campus und mehr Bildschirmzeit mit sich, sondern stellte alle Beteiligten der Hochschule vor neue Herausforderungen. Wir haben mit Professoren und Studierenden über das digitale Semester gesprochen.

Vorlesungen mit fast 100 Studierenden konnte Professor Dr. Arno Hitzges dieses Semester nicht halten.

Als Professor im Studiengang Wirtschaftsingenieurwesen Medien an der HdM lehrt Dr. Arno Hitzges in diesem Semester zwei Vorlesungen mit knapp 20 Studierenden und zwei mit je 100 Studierenden - alle digital. "Es geht bei allen um IT-Themen, deshalb sitzen die Studierenden im Audimax auch schon oft mit dem Rechner da. Ich habe aber noch nicht mit Videokonferenzen gearbeitet, weil der Bedarf noch nicht da war. Jetzt natürlich schon", erzählt Professor Hitzges. Da er bereits seit drei Jahren intensiv mit der Lernplattform Moodle und dem Chatsystem Microsoft Teams arbeitet, hat er sich auch für diese Tools bei der Gestaltung des Online-Unterrichts entschieden. "Die Studierenden erhalten Skriptunterlagen, kleinere Tests und Abgaben oder ähnliches auf Moodle. Das wäre auch über Teams möglich. Ich wollte da aber die gewohnte Umgebung für die Studierenden nicht verlassen. Für die Themenchats; Videokonferenzen, Gruppenarbeiten etc. nutze ich dementsprechend Teams. Ich kann dort problemfrei parallel bis zu vier Sessions haben und es gibt Breakout-Rooms, in denen die Studierenden privat in der Vorlesung chatten und telefonieren können", erläutert Professor Hitzges.

"Ich würde behaupten im Januar/ Februar hatte ich vier bis fünf Videokonferenzen pro Woche und jetzt habe ich zwanzig."

Für die Online-Vorlesungen ist Professor Dr. Arno Hitzges in der HdM geblieben.

Seine Vorlesungen hält Professor Hitzges immer noch an der HdM. Trotzdem vermisst er das "normale Unterrichten" in den Räumen der HdM: "Der persönliche Umgang ist viel angenehmer, man kann mal jemandem über die Schulter schauen, man hat viel mehr Möglichkeiten der Informationsweitergabe. Das geht jetzt beim Digitalen etwas verloren. Ich habe aber auch von vielen Studierenden Rückmeldung bekommen, dass man online etwas konzentrierter arbeitet - allerdings nicht in dieser Masse. Nachdem das Semester dann begonnen hat und die Zahl der Videokonferenzen in die Höhe geschnellt ist, haben viele das gleiche Problem: dass sie den ganzen Tag vor dem Computer sitzen und ihnen der Pausenhof fehlt. Ich glaube, man braucht den Kopf frei. Man kann nicht sechs Stunden Videolernen.", meint der Professor.

Aller Anfang ist schwer

Was sich mittlerweile eingependelt hat, war zu Beginn des Semesters noch etwas schwieriger zu organisieren. Professor Hitzges erzählt: "Bei mir war die größte Herausforderung zu Semesterbeginn, wie meine Tutoren mitspielen können. Für die beiden großen Veranstaltungen habe ich zehn bis zwölf verschiedene Tutoren, die jeweils Übungsgruppen betreuen. Am Anfang war es etwas stressig, bis alle Tutoren verstanden haben, was man da machen kann und das aktiv eingesetzt haben. Aber jetzt habe ich die Hoffnung, dass es etwas weniger stressig wird."

Online-Vorlesung über BigBlueButton, gehostet an der HdM

So sieht die Ideensammlung in einer Vorlesung bei Professor Dr. Joachim Charzinksi im normalen Semester aus.

Im Gegensatz dazu hat Professor Dr. Joachim Charzinski aus dem Studiengang Mobile Medien bisher noch nicht mit Videokonferenz-Tools gearbeitet und nur das Stundenplansystem sowie ILIAS benutzt. "Bei mir läuft normalerweise vieles über den Hörsaal und die Folien. Ich halte viel klassische Vorlesung, natürlich auch mit Interaktion, streue Fragen ein und lasse auch die Studierenden Fragen stellen." Auch er musste sich neue Möglichkeiten überlegen, und hat sich für das Videokonferenz-Tool BigBlueButton entschieden. "Ich habe die Begrüßungen mit Zoom und Alfaview ausprobiert und habe da schon so gemerkt, dass viele Studierende gar keine Lust haben, ihre Webcams in der Lehrveranstaltung anzuschalten. Gerade bei uns fühlen sich die Informatiker wohl, wenn sie vor ihrem Rechner sitzen, jemand redet und sie nebenher im Chat etwas eintippen oder Fragen stellen können. Diese Interaktion liegt meinen Studierenden total und dafür ist BigBlueButton sehr gut geeignet." Weitere Gründe für dieses Tool waren für Charzinski das gemeinsame Schreiben in den Notizen und zu wissen, wo sich der Server befindet. Direkt neben seinem Büro steht nämlich ein Cluster mit 16 Rechnern, auf denen die BigBlueButton-Sessions der Hochschule der Medien laufen.

"Jetzt sind wir eben gezwungen, etwas mehr zu experimentieren."

Im digitalen Semester fand die Ideensammlung mit den Studierenden bei Professor Dr. Joachim Charzinski über den Chat von BigBlueButton statt.

Insgesamt hält Professor Charzinski in diesem Semester sieben Vorlesungen, zwei davon führt er als "Flipped-Classroom-Modell" durch. Dafür hat er die Vorlesungen aufgezeichnet. Die Studierenden können sich die Inhalte anschauen, wann sie möchten. Es gibt Aufgaben auf ILIAS und diese werden dann in der Online-Vorlesung auf Big Blue Button diskutiert. "Normalerweise habe ich die Vorlesung gehalten, den Studierenden Aufgaben gegeben und musste dann in der nächsten Stunde über die Lösungen reden und habe dadurch Zeit verloren. Jetzt habe ich die ganze Vorlesungszeit für die Aufgaben." Die anderen Vorlesungen hält er als Live-Veranstaltungen via BigBlueButton. Dafür hat er sämtliche Skripte und Veranstaltungen überarbeitet, etwa nach jeder fünften Folie Zwischenfragen eingebaut, die er dann mit dem Umfrage-Tool bei BigBlueButton live bei den Studierenden abfragen kann. "Insgesamt finde ich es erstaunlich erfrischend, etwas Neues ausprobieren zu müssen. Ich habe mir vor fünf Jahren schonmal vorgenommen etwas zu ändern. Jetzt bin ich dazu gezwungen, es zu tun. Was mich positiv überrascht, ist die Sache mit der Interaktion in der Vorlesung. Das klappt ziemlich gut", erzählt er begeistert.

"Das ist ein riesiger Vorbereitungsaufwand, den habe ich normalerweise so nicht."

Doch neben den positiven Effekten des digitalen Semesters, gibt es auch negative Seiten. Für Professor Charzinski sind das vor allem die Überlast und der Mehraufwand: "Die Tatsache, dass gerade einfach alles mehr Aufwand ist, ist die größte Veränderung. Dadurch, dass man nicht weiß, wie es genau geht, muss man immer wieder probieren, die Vorlesungen anfassen und verändern. Alle Prozesse sind schwieriger - die Routine fehlt und das macht das ganze ineffizienter und stressiger." Ein weiteres digitales Semester würde er machen, wenn es sein müsste, wünscht es sich jedoch nicht. "Ich fände es schön, man könnte wieder normal zusammenkommen, weil dieses direkte, menschliche Interagieren mir schon noch mehr liegt", meint Professor Charzinski. "Inzwischen haben wir durch die Evaluation und mehrere Umfragen auch festgestellt, dass die Online-Zeit zwar für viele Studierende sehr gut funktioniert, für manche aber auch ganz schlecht. Die Kluft zwischen denen, die gut mitkommen und denen, die Probleme haben, ist deutlich größer geworden."

Ab Oktober kehrt wieder etwas Normalität an der HdM ein

Beide Professoren haben sowohl positive als auch negative Erfahrungen mit dem digitalen Semester gemacht und nehmen einiges davon mit. Dennoch wünschen sie sich, wie viele andere auch, im Wintersemester 2020/2021 wieder ein Präsenzsemester. Momentan strebt die HdM an, dies auch so umzusetzen. Damit alles problemfrei funktionieren kann, müssen die erforderlichen Infektionsschutzmaßnahmen und Abstandsregeln der geltenden Corona-Verordnung berücksichtigt werden. Zusätzlich dazu sollen die digitalen Lehrformen und Zusatzangebote weiterhin eingesetzt werden.

Jennifer Mareen Kögel

VERÖFFENTLICHT AM

28. Juli 2020

KONTAKT

Prof. Dr. Ing. Arno Hitzges

Wirtschaftsingenieurwesen Medien

Telefon: 0711 8923-2634

E-Mail: hitzges@hdm-stuttgart.de

Prof. Dr. Joachim Charzinski

Mobile Medien

Telefon: 0711 8923-2774

E-Mail: charzinski@hdm-stuttgart.de

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