S. Fischer – Ein kulturbewusster Verlag

Die stellv. Herstellungsleiterin Annette Scheerer im Gespräch mit Mediapublishing-Studierenden
Die stellv. Herstellungsleiterin Annette Scheerer im Gespräch mit Mediapublishing-Studierenden
Lektorin Iris Kirschenhofer (l.) bei ihrem Vortrag über die Verlagspraxis (Fotos: uhu)
Lektorin Iris Kirschenhofer (l.) bei ihrem Vortrag über die Verlagspraxis (Fotos: uhu)

Am zweiten Tag der Frankfurt-Exkursion lud der 1886 von Samuel Fischer gegründete S. Fischer Verlag zu einem Besuch in die Hedderichstraße ein. Sehr anregend wurden die markantesten Bereiche des Verlagshauses wie Lektorat, Marketing und Herstellung von den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern präsentiert – darunter auch drei Alumni des Studiengangs Mediapublishing, die über ihren Werdegang berichteten.

Mit Thomas Mann durch die Verlagsgeschichte
Durch Lektor Roland Spahr aus dem Programmbereich Deutsche Literatur erhielten die Studierenden zunächst einen Einblick in die mehr als 130-jährige Geschichte des S. Fischer Verlags. Vor allem Thomas Manns Jahrhundertroman ›Buddenbrooks‹ diente als Beispiel, um eine ereignisreiche Verlagsgeschichte zu veranschaulichen. Dabei verdeutlichte Spahr, dass es zu den wichtigsten Eigenschaften eines Lektors gehört, einen »guten Riecher für erfolgreiche Bücher zu haben«.

Einblick in die Arbeit eines Lektors
Als zweite Referentin widerlegte Iris Kirschenhofer aus dem Programmbereich Spannungsliteratur gängige Mythen rund um den Arbeitsalltag eines Lektors. So ist Lesen zwar ein wichtiger Bestandteil der täglichen Arbeit, oft findet diese aber erst in den (privaten) Abendstunden statt. Das Korrigieren der Texte wird meist von freien Korrekturlesern übernommen, so dass der Lektor vor allem als ›Projektmanager‹ tätig wird: Er prüft Inhalt und Qualität eines Manuskripts, hält den Kontakt zu Agent und/oder Autor und ist vorwiegend mit Kommunikation nach innen und außen beschäftigt. Das Verfassen von Texten für die Programmvorschau, die Formulierung eines ›funktionierenden‹ Titels und die Akquise neuer Titel gehören ebenfalls zu seinen Tätigkeiten.

Herstellung und Vermarktung eines Buches
Die 17 Mitarbeiter/innen der Herstellungsabteilung betreuen über 500 Novitäten pro Jahr, darunter die HdM-Absolventinnen Annette Scheerer, Daniela Pichotta und Julia Steurer. Die vielfältige Arbeit in der Herstellung lässt besonders veredelte oder bearbeitete Produkte entstehen, wie die Exkursionsteilnehmerinnen anhand zahlreicher Beispiele selbst feststellen durften. Zudem betonten alle drei die Wichtigkeit von Datenhandling und optimierten Prozessen, um schnell auf den agilen Markt reagieren zu können.

Neben der Herstellung ist natürlich die Vermarktung der Produkte entscheidend für den Erfolg. Sophia Grundhoff aus dem Marketing stellte die Online- und Offlinestrategien des S. Fischer Verlags vor und zeigte Möglichkeiten zur Vernetzung beider Bereiche auf. Dabei steht die Erfüllung der Leserbedürfnisse ganz weit vorn, um die Konsumenten mit geeigneten Werbemaßnahmen zum Kauf zu verführen.

Mit der kurzen Vorstellung von Personalleiterin Christina Bartz näherte sich der Besuch dem Ende - mit der ermutigenden Erkenntnis, dass es für die angehenden Mediapublisherinnen möglich ist, auch in einem der ›ganz großen‹ Verlagshäuser unterzukommen. S. Fischer präsentierte sich als zukunftsorientierter Verlag und sympathischer Arbeitgeber, der sich den aktuellen Herausforderungen anpasst und bereit ist, mit den Veränderungen des Marktes Schritt zu halten.

(sh271 und mr167)

 

20. Juni 2018