BoD tanzt aus der Reihe der Verlage

Prof. Ulrich Huse, BoD-Pressesprecher Thorsten Simon und Mediapublisherin Rebecca Notter (Foto: fm059)
Prof. Ulrich Huse, BoD-Pressesprecher Thorsten Simon und Mediapublisherin Rebecca Notter (Foto: fm059)

BoD tanzt aus der Reihe, denn sie arbeiten mit Autoren zusammen und veröffentlichen deren Texte als E-Books und Printtitel, aber ein reiner Verlag sind sie nicht. Sie drucken die Printtitel auf Digitaldruckmaschinen, aber eine reiner Druckerei sind sie nicht. Was sie wirklich sind, das erkundeten 37 Mediapublisher am 30. Mai 2016, als sich die Exkursionsteilnehmer zusammen mit ihren Professoren Ulrich Huse und Dr. Okke Schlüter über die Stadtgrenze Hamburgs hinauswagten, um das Unternehmen Books on Demand kennenzulernen.

BoD mit Sitz in Norderstedt ist Produktionspartner und Lieferant für viele Autoren und Verlage. Das Besondere an dem Unternehmen ist: Es bietet Autoren die Möglichkeit, ihre Werke in kreativer Freiheit zu veröffentlichen. Für Verlage hat BoD den Vorteil, kleinste Auflagen drucken und somit auch Backlisttitel wiederbeleben zu können.

Beeindruckende Zahlen und Fakten

Begrüßt und mit reichlicher Verpflegung empfangen wurde die Gruppe von Pressesprecher Thorsten Simon. Dieser stellte zunächst das Unternehmen mit einigen Zahlen und Fakten vor: 30 000 Autoren und 2 000 Verlage publizieren bereits E-Books und Printtitel über BoD. Darunter befinden sich viele Self-Publisher, aber auch namenhafte Verlage wie Springer und Suhrkamp. Auf 40 000 m² bzw. bald 60.000 m² werden auf ausschließlich Digitaldruckmaschinen sämtliche Printtitel ab Auflage 1 gedruckt. Dabei bietet BoD seinen Autoren und Verlagen eine direkte Anbindung an das Barsortiment Libri (dessen Tochter BoD ist). Verlage profitieren besonders durch die niedrigen Auflagen und das Scan-on-demand-Angebot bei BoD. Dabei handelt es sich um das Digitalisieren der Verlags-Backlist, um diese als E-Books zugriffsfähig zu machen.

Die Welt des Self-Publishing

»800 bis 1 000 E-Books konvertieren und vertreiben wir bei BoD im Monat«, bringt Thorsten Simon seine Zuhörer zum Staunen. Davon sei jedes zweite E-Book und jeder vierte Printtitel selbst verlegt. Dies veranlasst den Pressesprecher zu einer kleinen Exkursion in die Welt des Selfpublishing, die BoD regelmäßig in einer Studie erfasst. »Früher«, erklärt er, »haben Familien die Autobiografien ihrer Großeltern veröffentlichen wollen. Heute sieht das ganz anders aus. Die inhaltliche Bandbreite ist enorm gestiegen und die Professionalität der Autoren gewachsen.« So verweist er auf 50 Shades of Grey-Erfolgsautorin E.L. James, die als Self-Publisherin startete. Zudem zeige auch die tägliche Amazon-Bestsellerliste mit 60% Self-Publishing-Titeln, wie stark mittlerweile diese Sparte geworden sei. Das Marketing und der Vertrieb zu dem eigenen Buch liegen jedoch in den Händen der Autoren. Allerdings bietet BoD Leitfäden und Workshops zur Hilfestellung. Über Statistiken kann zudem jeder Autor die Verkaufswerte seines Titels einsehen und dadurch den Erfolg seiner Titel kontrollieren.

Digitaldruck trifft Buch

Eine Druckereiführung durch zwei erfahrene BoD-Mitarbeiter ermöglichte den Studierenden anschließend einen interessanten Einblick in den Produktions-Workflow der Printtitel. Durch die Möglichkeit zur Produktion auch kleinster Auflagen kann es auch passieren, dass nur ein einziges Buch gedruckt und gebunden werden muss. Dabei ist die Vielfalt an Formaten und Papieren beeindruckend.

Dadurch entstehen ganz unterschiedlich lange Workflows, die optimal koordiniert werden müssen. Ein großes Papierlager sucht man bei BoD trotzdem vergebens: Jeden Tag wird das benötigte Papier frisch angeliefert und verarbeitet. Der Besuch bei BoD in Norderstedt öffnete allen eine spannende Tür zum ›Etwas-anderem-Büchermachen‹ und brachte der Gruppe überzeugter Verlagsmenschen auch die Welt des Selfpublishing näher.

 

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21. Juni 2016