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E-Books in Lehre und Studium

Die Hochschule der Medien sprach mit Sebastian Mundt, Professor im Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement, über sein aktuelles Forschungsprojekt aus dem Schwerpunkt Information und Digitaler Medienwandel des Instituts für Angewandte Forschung (IAF) der HdM.

Herr Prof. Mundt, was genau ist Gegenstand Ihres Forschungsprojektes und wie ist dieses angelegt?

Mundt: Der Titel des Projektes lautet: Akzeptanz und Nutzungsperspektiven von E-Books in Lehre und Studium. Wir möchten mit dem Forschungsprojekt wichtige Ansatzpunkte zur Optimierung von Lizenzmodellen, Portalen und Benutzeroberflächen für Verlage und Bibliotheken liefern und deren strategische Marktkommunikation wirksam unterstützen.

Empirisch gesicherte Marktinformationen haben sowohl für Verlage als auch für Bibliotheken eine strategische Bedeutung. Den meisten bisher vorliegenden Studien liegt jedoch kein Erklärungsmodell zugrunde, das die Motive der Verwendung von E-Books umfassend erklärt. Es fehlt insbesondere an einer systematischen Erhebung der Nutzungsmotive und des Umfeldes, zum Beispiel des individuellen Informationsbedarfs, der Mediennutzung im privaten Umfeld oder der Lehr- und Lernumgebung.

Hinzu kommt, dass die meisten Studien bisher auf Grundlage von hoch selektiven Online-Stichproben durchgeführt wurden; deren Ergebnisse können nicht ohne weiteres über den Kreis der Befragungsteilnehmer hinaus verallgemeinert werden. Um repräsentative Aussagen über die Breite und Nachhaltigkeit der Nutzung und die Motive und Beweggründe zu gewinnen, haben wir das Design unserer Studie komplett offline angelegt.

Ist diese die erste Studie zum Thema E-Books an der HdM oder gab es bereits frühere Untersuchungen?

Mundt: Es gab eine Pilotstudie im Jahr 2007, die uns wichtige Hinweise lieferte. Damals hatten wir Studierende an vier baden-württembergischen Hochschulen zu ihren Einstellungen und Erfahrungen im Umgang mit elektronischer Studienliteratur befragt. Die jetzt angelaufene Studie bezieht jedoch auch Lehrende als mögliche Nutzer und Multiplikatoren ein und wurde auf alle Hochschultypen ausgeweitet.

Welches Ziel verfolgen Sie mit Ihrer derzeitigen Studie?

Mundt: Das Ziel der Studie ist, empirisch gesicherte Erkenntnisse über die Akzeptanz von elektronischer Studien- und Fachliteratur zu erheben. Akzeptanz bezeichnet dabei die emotionale und kognitive Bereitschaft von Personen, eine Einstellung zu einem innovativen Produkt auszubilden und dieses in der Folge gleichwertig zu nutzen. Elektronische Studienliteratur verstehen wir im Kontext der Studie als ein solches innovatives Technologieprodukt und untersuchen, welche Faktoren Lehrende und Studierende bewegen, E-Books nachhaltig und emanzipiert zu nutzen bzw. nicht zu nutzen.

Und wie ist der Verlauf Ihres Projektes geplant?

Mundt: Das Projekt hat im April 2010 begonnen und ist auf zwei Jahre angelegt. Die Kernphase des Projektes wird im November 2010 mit einer telefonischen Befragung von Lehrenden an insgesamt sechs baden-württembergischen Hochschulen starten. Im Verlauf des Sommersemesters 2011 folgen sogenannte classroom surveys unter Studierenden.

Wer ist von Seiten der HdM an dem Projekt beteiligt?

Mundt: Das Projekt wird unter meiner Leitung am IAF-Forschungsschwerpunkt "Information und Digitaler Medienwandel" durchgeführt. Sabine Bachofner hat zum 01. Juli 2010 als Akademische Mitarbeiterin die Projektkoordination übernommen. Die HdM-Studentinnen Kathy Heintz, Sabrina Kistner Hidalgo und Melanie Oldenburg führen wesentliche Teile der Befragungen durch.

Gibt es auch externe Projektpartner?

Mundt: Unternehmerischer Partner des Projektes ist die UTB-Verlagsgruppe mit ihren 16 angeschlossenen Verlagen. Sie stellt die gemeinsame E-Book-Plattform UTB-studi-e-book als Untersuchungsumgebung zur Verfügung. Die empirischen Untersuchungen finden an sechs baden-württembergischen Universitäten und Hochschulen statt. Die dortigen Bibliotheken unterstützen das Projektteam vor allem bei den Studierendenbefragungen vor Ort. Die Gesamtzuständigkeit für die Anlage und Durchführung der empirischen Studie liegt bei der Hochschule der Medien.

Erhält das Projekt externe Fördermittel?

Mundt: Das Projekt wurde im Rahmen des Förderprogramms Innovative Projekte / Kooperationsprojekte des Ministeriums für Wissenschaft, Forschung und Kunst des Landes Baden-Württemberg bewilligt. In dem Programm werden vor allem Projekte gefördert, die von Hochschulen für Angewandte Wissenschaften mit Beteiligung von baden-württembergischen Klein- und Mittelstandsunternehmen und anderen Hochschulen durchgeführt werden.

Wo liegen die Anknüpfungspunkte des Projektes in der Wirtschaft und wie muss ich mir diese vorstellen?

Mundt: Insbesondere durch die medienwirksame Einführung der aktuellen E-Book-Lesegeräte und des iPad in Deutschland ist in den vergangenen zwei bis drei Jahren ein erheblicher Handlungsdruck bei den Buchverlagen entstanden. Insbesondere Lehr- und Fachbuchverlage diskutieren und testen derzeit intensiv, ob und wie E-Book-Programme in die bestehenden Geschäftsmodelle integriert werden sollten.

Universitäts- und Hochschulbibliotheken stehen vor ähnlichen Überlegungen: Bücher sind neben Vorlesungsmaterialien und dem Internet die wichtigste Informationsquelle im Studium. Für Bibliotheken stellt sich daher die Frage, inwieweit elektronische Fachliteratur bereitgestellt und wie das Angebot vermarktet werden sollte. Und für eben diese Fragen soll unser Forschungsprojekt erste Antworten liefern.

Herr Mundt, vielen Dank für das Gespräch.

Das Gespräch führte Mirjam Müller

Kontakt

Sabine Bachofner akademische Mitarbeiterin Telefon:0711 25706-160 E-Mail: bachofner@hdm-stuttgart.de

 



Kontakt:
Prof. Sebastian Mundt
Telefon: 0711 25706-160
E-Mail: mundt@hdm-stuttgart.de

31. Juli 2014

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