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Lernen braucht Raum - Fachtagung zur Gestaltung von Lernräumen in Bonn

Foto: Thomas Vollmer (DIE)
Foto: Thomas Vollmer (DIE)

Die Frage, wie Lernräume und Lernarrangements gestaltet werden können, erhält in Anbetracht verschiedener Lernzugänge und Lernmethoden eine immer größere Relevanz bei der Raumgestaltung in Weiterbildungseinrichtungen, Hochschulen und Bibliotheken. Sowohl beim Neubau als auch beim Umbau stellen sich hier besondere Herausforderungen, die die Zusammenarbeit von Bildungsexperten und Architekten erfordern.

Die Tagung "Inszenierung von Lernen - Architektur und Bildung", die am 23./24. Februar 2012 in Bonn stattfand, hat dieses Thema in den Fokus gerückt. In Kooperation von der Hochschule der Medien Stuttgart (HdM) und dem Deutschen Institut für Erwachsenenbildung Bonn (DIE) wurde ein Tagungssetting geschaffen, das sowohl theoretische Grundlagen lieferte als auch Erfahrungen aus der Praxis reflektieren half. Über 50 Teilnehmende aus Hochschulen, Volkshochschulen, wissenschaftlichen und öffentlichen Bibliotheken sowie weiteren Bildungseinrichtungen diskutierten die zukünftigen Anforderungen an Architektur für Lernen.

Prof. Dr. Karin Dollhausen (DIE) wies in ihrer Einführung darauf hin, dass Lernen immer schon auf Inszenierung angewiesen war und Bau bzw. Um- und Ausbau von Bildungshäusern ein politisches Statement darstellen, das die gesellschaftliche Relevanz von Bildung zum Ausdruck bringt. Dr. Urs Maurer-Dietrich, Netzwerk Bildung & Architektur (Zürich), zeigte aus Architektenperspektive auf, wie nicht selten architektonische Perspektiven den Blick auf die Nutzungsstrukturen von Bildungsbauten verstellen. Dabei bezog er sich auf den Blochschen Diskurs über "Todeskristall" und "Lebensbaum", der das rationale und das organische Bauen als Antagonismus thematisiert. Anhand der Architekturgeschichte zeigte er auf, wie sich das Pendel zwischen diesen beiden Polen im Laufe der Menschheitsgeschichte hin und her bewegte, um heute stärker auf der rationalen Seite zu stehen. Dies hat auch Auswirkungen auf Bildungsbauten, die Lernen teilweise fast unmöglich machen. Maurer plädierte für ein ausgewogenes Verhältnis von ökologischer, sozialer und ökonomischer Perspektive, wobei die Lernenden immer im Mittelpunkt stehen sollten.

Räume für neue Lehr-/Lernkonzepte

Frauke Burgdorff, Montag Stiftung Urbane Räume (Bonn), nahm in ihrem Vortrag den Schulbau in den Blick und zeigte auf, welche Aspekte in Planungsprozessen zu berücksichtigen sind, wenn man Räume für neue Lehr-/Lernkonzepte gestalten will. Anhand von Praxisbeispielen machte sie deutlich, wie sich z.B. die Rolle des Lehrers vom Instrukteur zum Mentor wandelt und welche Auswirkungen dies auf die Gestaltung von Lernräumen hat. Eine visionäre Perspektive präsentierte Rob Bruijnzeels, De LibrarySchool (Amsterdam), in seinen Überlegungen zur Architecture of Knowledge. Bezogen auf Bibliotheken zeigte er auf, dass sich die Bibliothek neu erfinden muss, um in der Zukunft ihre Kompetenzen zum Tragen bringen zu können. Er ging sogar soweit, zu sagen, dass Bibliothek in Zukunft kein Gebäude mehr sein muss, sondern eher die Bündelung von Aktivitäten, da Informationen überall zur Verfügung stehen und es letztendlich egal ist, wo ich darauf zugreife. Allerdings wird es dabei immer wichtiger Kontexte und Verknüpfungen zu inszenieren.

form follows function

Welche Faktoren bei der Planung von Lernarchitekturen von besonderer Relevanz sind, nahm Prof. Dr. Richard Stang, Hochschule der Medien (Stuttgart), in den Blick. Er wies darauf hin, dass bei der Planung von Bildungsbauten Architekten und Leitungen von Bildungseinrichtungen unterschiedliche Sprachen sprechen und nicht auf Augenhöhe kommunizieren. Meist führen die Bauämter die zentralen Diskussionen, bei denen dann die pädagogische Perspektive eher Außen vor bleibt. Heute gelte mehr das Motto "function follows form" als "form follows function". Wie dieses konkret in der Praxis aussieht, wurde an drei Beispielen gezeigt. Auf der Tagung wurde dazu die Form der Roundtables gewählt, d.h. die Teilnehmenden konnten in kleineren Gruppen abwechselnd mit den Referenten/innen der Praxisbeispiele konkrete Fragestellungen besprechen.

Beispiele aus der Praxis

Rita Weißenberg stellte das Zentrum für Information und Bildung Unna vor und zeigte auf, dass sieben Jahre nach Eröffnung konzeptionelle Weiterentwicklungen nun auch in Umbauten münden werden. Der Wissensturm in Linz, der von Hubert Hummer vorgestellt wurde, ist in seiner architektonischen Planung ein Vorzeigemodell, das sich einer immensen Resonanz in der Bevölkerung erfreut. Viele konzeptionelle und architektonische Entscheidungen haben sich als richtig herausgestellt, wobei auch hier manches Detail nicht optimal gelöst wurde. Einen Schwerpunkt legte Anne-Kathrin Lindner, Bildungscampus Nürnberg, auf die Gestaltung von Selbstlernzentren. Die Erfahrungen aus dem südpunkt Nürnberg werden nun im Neubau der Stadtbibliothek genutzt.

Die Resonanz auf die Tagung zeigte, dass das Thema von hoher Aktualität ist. Vor allem im Hinblick auf Planungsprozesse von Neu- und Umbauten bedarf es beim Leitungspersonal von Bildungseinrichtungen und Bibliotheken architektonischer Kompetenz, um in den Planungen die spezifischen inhaltlichen Foki zum Tragen bringen zu können. Um mit Architekten auf Augenhöhe diskutieren zu können, bedarf es allerdings eines spezifischen Handwerkszeugs, dass es für die Zukunft zu entwickeln gilt. Der Forschungsschwerpunkt "Lernwelten" der HdM und das Programm "Kooperative Bildungsarrangements" des DIE werden daran weiter arbeiten.

Die Präsentationen der Tagung sind auf der Seite www.die-lernzentren.de zu finden. Die wissenschaftliche Aufbereitung der Tagung wird in der DIE Zeitschrift für Erwachsenenbildung erfolgen, deren Heft 3/2012 den Schwerpunkt "Architektur und Bildung" hat.



Kontakt:
Prof. Dr. Richard Stang
Telefon: 0711 25706-174
E-Mail: stang@hdm-stuttgart.de

30. Juli 2014

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