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Sommerserie der Hochschulkommunikation: Helden der Kindheit im Reich der Bücher

Zu allen Zeiten beliebt bei Kindern: Märchen. Foto: manoftaste.de
Zu allen Zeiten beliebt bei Kindern: Märchen. Foto: manoftaste.de
Das Bilderbuch enthält mehrere Geschichten von Kindern, die nicht brav sind. Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/ File%3AH_Hoffmann_Struwwel_01.jpg
Das Bilderbuch enthält mehrere Geschichten von Kindern, die nicht brav sind. Foto: http://commons.wikimedia.org/wiki/ File%3AH_Hoffmann_Struwwel_01.jpg
Mit ihren jungen 127 Jahren begeistert die kleine Hexe seit 1957 Kinder und Eltern. Foto: Thienemann-Verlag
Mit ihren jungen 127 Jahren begeistert die kleine Hexe seit 1957 Kinder und Eltern. Foto: Thienemann-Verlag
Momo ist die Einzige, die den grauen Herren Einhalt gebieten kann. Foto: Thienemann-Verlag (Retro-Ausgabe)
Momo ist die Einzige, die den grauen Herren Einhalt gebieten kann. Foto: Thienemann-Verlag (Retro-Ausgabe)

Sie waren nicht unbedingt groß und stark. Eher klein und clever. Sie konnten mit ihren Streichen das ganze Dorf gegen sich aufbringen oder dank ihrer Gewitztheit jeden Fall lösen. Sie haben uns gut unterhalten und manchmal schafften sie es sogar, die ganze Welt zu retten – unsere Kindheitshelden. Im dritten Teil unserer Sommerserie machen wir uns auf die Suche nach den Helden unserer Kindheit im Reich der Bücher.

Wer zu lesen versteht, besitzt den Schlüssel zu großen Taten, zu unerträumten Möglichkeiten", sagte seinerzeit der britische Schriftsteller Aldous Huxley. Denn die Kraft des Lesens eröffnet den Zugang zu einer ganz besonderen Welt - zu einer Welt, die man sich durch die eigene Fantasie erschaffen kann. Bücher nehmen den Leser mit in ferne Kulturen, auf fantastische Abenteuer und große Reisen, erzählen von der Vergangenheit und zeigen Konflikte des alltäglichen Lebens auf.

Fernab vom Bildungsaspekt, schaffen Bücher für Kinder den Zugang zu der komplexen Welt der Erwachsenen und helfen diese besser zu verstehen. In Geschichten verpackt, vermitteln Bücher Werte und Erfahrungen. Und so lernen wir, was echte Freundschaft heißt, durchleben gemeinsam mit unseren Helden jegliche Gefahren, meistern große Taten und eröffnen uns unerträumte Möglichkeiten.

16. Jahrhundert: Es war einmal ...

Die längste geschriebene Geschichte, die der Kinder- und Jugendliteratur zugeordnet werden kann, steckt wohl in Märchen. Bereits Mitte des 16. Jahrhunderts erschienen in Sammlungen, Werke wie „Der gestiefelte Kater" und „Der Zauberlehrling" sowie Ursprungsversionen von „Aschenputtel" und „Rapunzel". Mit den „Kinder- und Hausmärchen" der Brüder Grimm fanden Märchen endgültig Einzug ins Kinderzimmer und in die Herzen der Kleinen. Denn welches Mädchen bewundert nicht das tapfere Aschenputtel, das sich gegen die böse Stiefmutter behauptet und letztlich ihr Glück und ihren Prinzen findet - also das, was die Buben gerne wären.

18. Jahrhundert: Zwischen Mut und Moral

Als eines der ersten und erfolgreichsten Kinderbücher gilt Heinrich Hoffmanns „Struwwelpeter", das 1845 erschien. In seinem selbst illustrierten Werk, versteckt der Autor in Zeichnungen und Worten seine erzieherische Botschaft. Für Elisabeth Messerschmidt, technische Angestellte an der Hochschule der Medien, war „Struwwelpeter" eines ihrer ersten Bücher. Auch sie faszinierten vor allem die Bilder, die durch zahlreiche Details jedes Mal für neue Entdeckungen sorgten.

Mit Lewis Carrolls Geschichten von „Alice im Wunderland" (1865), aber auch in Mark Twains „Abenteuer des Tom Sawyer" (1876) und „Abenteuer des Huckleberry Finn" (1884) oder Karl Mays „Winnetou" (1893) entfernten sich die Autoren von der Absicht, rein moralische Botschaften zu vermitteln. Die ersten Helden rückten in den Vordergrund. Gerade der Gedanke, dass Kinder wie Tom Sawyer, Ideen gegen den Willen der Erwachsenen durchsetzen konnten, beeindruckte Elisabeth Messerschmidt.

Karl Mays Figuren spielten für Prof. Dr. Alexander Roos, Rektor der Hochschule, eine prägende Rolle: „Ob als Old Shatterhand oder als Kara Ben Nemsi - ein Held war für mich ein mutiger Mann, der Lust auf Abenteuer hat und die Welt entdecken will. Der Held kämpft für das Gute, ist fehlerfrei und quasi unsterblich."

Bis Mitte des 19. Jahrhunderts: Klein, aber clever

Bei Sabrina Silbernagel, akademische Mitarbeiterin im Studiengang Bibliotheks- und Informationsmanagement, waren Erich Kästner und Astrid Lindgren bedeutende Autoren ihrer Kindheit. Sie schafften es negative Dinge des wahren Lebens, wie Krankheit oder Armut, zu thematisieren und die Geschichten doch immer gut ausgehen zu lassen. „Außerdem sind bei diesen Autoren die Protagonisten häufig cleverer als die Erwachsenen, was für Kinder toll zu lesen ist", meint die 33-Jährige.

Ihre clevere Art machte Pippi Langstrumpf auch für Prof. Dr. Bettina Schwarzer zur Heldin in ihren Kindertagen: „Sie ist stark, frech und hat sich getraut, sich gegen die Erwachsenen aufzulehnen und ihre eigenen Ideen durchzusetzen", erzählt die Studiendekanin im Bereich E-Services. Daneben standen bei ihr aber auch nahezu alle Kinder- und Jugendbücher von Otfried Preußler weit vorne im Regal.

Die 1950er/60er Jahre: Von Freiheit und Freundschaft

Preußler prägte zusammen mit Max Kruse, James Krüss und Michael Ende in den 1950er und 60er Jahren die Kinder- und Jugendliteratur in Deutschland und machte einen Markt maßgeblich möglich. Durch Werke wie „Die kleine Hexe" (1957), „Jim Knopf" (1962) und „Urmel aus dem Eis" (1969) brachten die genannten Autoren Gedanken von Freiheit und Individualität, Fantasie und Träumen kindgerecht aufs Papier.

In Großbritannien schaffte diesen Erfolg Enid Blyton 1953 mit der Serie „Fünf Freunde", die zu den erfolgreichsten Kinderbuchreihen der Welt gehört. Nicolas Krischker, Student im Master Elektronische Medien, zählt die britische Kinderbuchautorin zu den für ihn prägenden Schriftstellern: „Ihre Bücher waren so wichtig, weil sie von wahrer Freundschaft handelten. Die Protagonisten haben zusammen Abenteuer erlebt, manchmal auch verbotene Dinge getan und waren immer füreinander da. Nur als Team haben sie alles erreicht. Diese Bedeutung von Freundschaft finde ich heute immer noch sehr wichtig", erklärt der 27-Jährige. Denn auch in der Jugendbuch-Serie „Die drei ???" von Robert Arthur erleben die jungen Detektive gemeinsam Abenteuer und stellen dabei immer wieder ihre Freundschaft unter Beweis. Neben den „Fünf Freunden" zählen deshalb auch Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews zu seinen Kindheitshelden.

Die 1970er/80er Jahre: Fantasiewelten mit Einfluss auf die Realität

Die 1970er und Anfänge der 1980er Jahre zählen zu einer einflussreichen Zeit der Jugendliteratur. Zu diesem Erfolg trugen Otfried Preußler und Michael Ende erneut maßgeblich bei. In seinen Romanen „Momo" (1973) und „Die unendliche Geschichte" (1979) lässt Ende ein romantisches Kindheitsbild entstehen, hinter dem die Vision einer anderen, besseren Welt steht. Mitra Schmidt, Studentin im Studiengang Audiovisuelle Medien, zählt die beiden Romane noch heute zu ihren Lieblingsbüchern. „Michael Ende hat es verstanden, Fantasiewelten für Kinder zu erschaffen, die einen zum Träumen einladen. Seine Werke und Protagonisten haben mich geprägt und geben mir auch heute noch Anlass zum Nachdenken: 'Vielleicht gibt es die Zeitdiebe wirklich? Vergesse ich auch, genau wie die Menschen im Buch, im Jetzt zu leben?' Ich ertappe mich öfter dabei an die grauen Herren von Momo zu denken, wenn ich im Stress bin und merke, dass mir die Zeit davon läuft", erzählt die 24-Jährige.

Bücher für Kinder und Erwachsene

So beeinflussen Kinder- und Jugendbücher den Sozialisierungsprozess der Heranwachsenden und begleiten diese auf ihrem Weg zum Erwachsenwerden. Zu diesen sogenannten Entwicklungsromanen, welche die Probleme und Herausforderungen der Jugend thematisieren, zählt auch Otfried Preußlers „Krabat" (1971). In seiner Kindheit und auch heute noch spielen für Lion Oeding genau diese Art von Büchern eine wichtige Rolle. Der Bücherheld des Redaktionsleiters von horads (Hochschulradio) ist Bert Ljung, aus der Reihe „Berts Tagebücher" (1987): Ein von Pickeln geplagter, eher introvertierter Junge, der bei gleichaltrigen Mädchen nicht besonders viel Erfolg hatte und geheime Tagebücher verfasste. „So viel Witz, Tragikomik und Intelligenz in ein Kinderbuch zu stecken, ist eine große Leistung. Viele Kinderbücher kranken an entweder zu verkopften, oder zu plattem Witz. Anders Jacobsson und Sören Olsson verstehen es, Kinderbücher so zu schreiben, dass sowohl Kinder als auch Erwachsene darüber lachen können", meint Lion Oeding.

Genau diese Doppeladressiertheit von Kinder- und Jugendbüchern, die nicht nur die Zielgruppe der Heranwachsenden, sondern auch deren Eltern erreicht, macht diese Literatur besonders erfolgreich. So sind die Unterschiede zwischen Kinder-, Jugend- und Erwachsenenliteratur oft fließend und unterliegen auch dem Wandel der Zeit. Die ursprünglich für Kinder geschriebenen Harry Potter-Bücher, wurden mehr und mehr und dramaturgisch gewollt, zu Romanen für Erwachsene.

Kinder, Bücher und die Zukunft

Dass sich vermehrt eine klare Zielgruppen- und Altersorientierung bei Büchern auflöst, kann auch Sabrina Silbernagel bestätigen. Elisabeth Messerschmidt sieht einen weiteren Trend: „Der Markt für Kinderbücher wird inzwischen stark geprägt vom Bildungsbewusstsein der Eltern. Der Mehrwert, sprich 'was kann mein Kind daraus lernen' steht stark im Vordergrund."

Neben einer ansprechenderen Gestaltung hat sich der klassische Umgang mit Büchern verändert: „Die Konkurrenz zu Fernsehen, Video und Computer macht es für Bücher schwerer, Begeisterung bei Kindern hervorzurufen, da es bequemer und spannender ist, sich multimedial berieseln zu lassen, als ein Buch zu lesen", findet Prof. Dr. Bettina Schwarzer.

Trotz aller Befürchtungen, dass das Leseverhalten von Kindern abnimmt, belegt die Kids Verbraucher Analyse 2013 das Gegenteil: 81 Prozent (4,8 Millionen) der Sechs- bis 13-Jährigen greifen mindestens einmal wöchentlich zu einem Buch, zehn Prozent zu elektronischen Büchern. So setzt sich in der Mediennutzung der Trend fort, dass bei Kindern und Jugendlichen, gedruckte und digitale Inhalte nebeneinander Platz finden.

Im nächsten Teil der Sommerserie geht es um Kindheitshelden aus Hörbüchern. Auch im vierten Teil werden uns Studenten, Mitarbeiter und Professoren der HdM erzählen, welche Charaktere sie prägten.

Quelle: Hochschulkommunikation



Kontakt:
Lisa Messer
E-Mail: lm033@hdm-stuttgart.de

29. Dezember 2013

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