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Fachtagung "Bildungswege gestalten" - Neue Wege der Vernetzung in der kommunalen Bildungslandschaft

Dass sich Bildungsinstitutionen vernetzen, um Lebenslanges Lernen in der Stadt, bzw. der Region kooperativ umzusetzen und damit speziell „bildungsferne“ Bürgergruppen zu erreichen, ist mittlerweile keine neue Erscheinung mehr. Allerdings fehlen vielen Kommunen beispielhafte Modelle und Expertise, um solche Kooperationen angesichts sehr unterschiedlicher institutioneller und regionaler Realitäten implementieren zu können.

Um für diese praktischen Fragen der Zusammenarbeit Lösungsansätze auszutauschen, lud der Bildungcampus in Nürnberg - selbst ein Beispiel für eine erfolgreiche Etablierung kooperativer Bildungsstrukturen - zu der Fachtagung „Bildungswege gestalten" am 12./13. November 2015 ein. Mitorganisiert durch die Hochschule der Medien Stuttgart und das Deutsche Institut für Erwachsenenbildung wurde der Frage nach der wirksamen Vernetzung von formellen bis informellen Lernorten unter der Perspektive der „bildungsorientierten Stadtentwicklung" nachgegangen.

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Prof. Dr. Richard Stang
Den Auftakt machten eine Reihe Vorträge, die die verschiedenen Begriffe und Institutionstypen einer Bildungslandschaft in Relation setzten. Eröffnet durch Dr. Wolfgang Eckart (Bildungscampus Nürnberg), nach dem Bildungseinrichtungen durch Kooperationen verstärkt auf sich aufmerksam machen und eine völlig neue, integrierte Institutionsform schaffen müssen, erläuterte Dr. Jürgen Oelkers (Universität Zürich), wie Schulen als Akteure einer Bildungslandschaft ein Potential zur gesellschaftlichen Problembewältigung entwickeln können. Prof. Dr. Annette Scheunpflug (Otto-Friedrich-Universität Bamberg) hingegen veranschaulichte Forschungsergebnisse zu informellen Lernorten, die - als Bildungslandschaft - Teil des Sozialraums sind, und Akteuren in Form einer „kleinen Öffentlichkeit" Anerkennung geben können, wenn diese nicht pädagogisch überstrukturiert sind. Bezogen auf die Weiterbildung bestätigte Prof. Dr. Josef Schrader (Deutsches Institut für Erwachsenenbildung) die Prämisse der Tagung empirisch: Kooperationen würden sich lohnen; die Möglichkeit damit neue Teilnehmergruppen zu erschließen ließe sich aber nur geringfügig an regionalen Handlungsspielräumen festmachen. Ob jemand an Erwachsenenbildung teilnimmt, ist weiterhin von der Person abhängig. Prof. Dr. Richard Stang (Hochschule der Medien, Stuttgart) betrachtete Bibliotheken und Lernzentren aus der Sicht von demographischen Trends und den Paradoxien der Informationsgesellschaft, und stellte sicher: jeder, nicht nur der Bildungsbürger, hat Anspruch auf den 'Hochglanz' öffentlicher Lernorte. Dr. Ulrich Maly (Oberbürgermeister der Stadt Nürnberg) gab der Vielfalt an Bildungsakteuren eine Richtung und verwies auf die anhaltende Flüchtlingskriese als Ansatz: Aufgabe einer kommunalen Bildungslandschaft sei es, die Mauern zwischen den einzelnen Referaten und Einrichtungen zu durchbrechen, und durch Kooperation, politischer Rückendeckung, und kontinuierlicher Selbstoptimierung innovativ zur Gerechtigkeitsinfrastruktur beizutragen - bei den Bedürftigsten zuerst!

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Sergio Dogliani
(deputy head der Londoner IdeaStores)
Ein weiterer Gast war Sergio Dogliani (deputy head der Londoner IdeaStores), der den Teilnehmern Rede und Antwort zu seinem Projekt in einem heterogenen Problemviertel im Zentrum der englischen Hauptstadt stand, in dem sich die Bibliotheksnutzung mittlerweile mehr als vervierfacht hat. Auch andere deutsche und österreichische Beispiele, sowie der Wissensturm in Linz, der Bildungscampus Nürnberg, der Lerntreff Trier, und das Bildungshaus Wolfsburg präsentierten ihren Projektwerdegang und damit verbundene Herausforderungen. Da Konsens und Visionsverständnis zwischen den Kooperationspartnern ebenso wichtig ist, wie innerhalb, betrachtete Dr. Cornelia Schödlbauer (schoedlbauer high value coaching) den Prozess organisationalen Wandels aus einer Management- und Beraterperspektive. Gefolgt von einer Reihe Workshops zu unterschiedlichen Problemstellungen der Zusammenarbeit fasste eine Podiumsdiskussion zwischen Prof. Dr. Richard Stang, Prof. Cornelia Vonhof (beide Hochschule der Medien, Stuttgart), Andreas Mittrowann (ekz bibliotheksservice GmbH), und Prof. Dr. Klaus Meisel (Volkshochschule München) die Tendenzen der Tagung zusammen.

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Prof. Dr. K. Meisel, A. Mittrowann, H. Mühlbauer,
Prof. C. Vonhof, Prof. Dr. R. Stang
Das Gewinnen politischer Unterstützung ist für den Erfolg von Bildungspartnerschaften essenziell, setzt jedoch voraus, dass die Institutionen jeweils gut vorbereitet sind und sich ihrer Kapazitäten bewusst sind. Die Entwicklung, wie auch die Nachhaltigkeit von Bildungslandschaften ist dabei hochgradig von einzelnen Personen und Akteuren abhängig. Die Visionsfähigkeit und das innovative Verhalten dieser Akteure müssen sich in der Kultur der Institutionen wiederspiegeln, sodass es intern, wie auch extern keine traditionellen Abgrenzungen mehr gibt. Ist dies der Fall, kann die Vernetzung über die typischen Bildungseinrichtungen Schule, Bibliothek, und Volkshochschule hinausgehen, und alle regionalen Bildungsakteure und Lernorte in einer Bildungslandschaft vereinigen.

Dass ein Drittel der 160 Teilnehmenden aus Kommunalverwaltungen kam, zeigt, dass das Thema - nicht nur in Anbetracht der Frage nach der Bildungsinfrastruktur für Flüchtlinge - ein zentrales bei der zukünftigen Entwicklung von Kommunen und Regionen ist.

Autor: Stefan Volkmann

 



Kontakt:
Prof. Dr. Richard Stang
E-Mail: stang@hdm-stuttgart.de

01. Dezember 2015

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