Plattform Sportanion

Das Tinder fürs Laufen

Wer kennt es nicht: Man möchte seinen Lieblingssport wieder aktiver und regelmäßiger ausüben, doch im Freundes- und Bekanntenkreis findet sich kein Trainingsbuddy. Um dieses Problem zu lösen haben drei Studierende der Hochschule der Medien (HdM) in Stuttgart die Plattform "Sportanion" entwickelt. Sportanion hilft Menschen in Stuttgart und Umgebung einen Laufpartner für das gemeinsame Training zu finden.

Die Idee der Plattform entstand im Rahmen des Moduls "Entrepreneurship" im Masterstudiengang Medienmanagement an der HdM während des Wintersemesters 2020/2021. "Der Dozent meinte: ‚Findet eine Idee, die ihr das Semester über verfolgt und umsetzt.‘ Wir haben uns dann zu dritt zusammengesetzt und ein bisschen gebrainstormt", erzählt Lena-Marie Popp, Studierende im zweiten Semester aus dem Masterstudiengang Unternehmenskommunikation. Während dieses intensiven Ideenaustauschs stieß sie mit ihren Kommilitonen Sebastian Gröner und Louise Hörl auf ein Problem, dass alle drei in ihrem Alltag begleitete: ein fehlender Trainingspartner für den Lieblingssport. Und damit war die Idee für Sportanion geboren.

Von der Allrounder-App-Idee zur Laufpartner-Plattform

Das Projektteam von Spontanion: Louise Hörl, Sebastian Gröner und Lena-Marie Popp (v.l.n.r.), Foto: Jakob Geißele Photography
Das Projektteam von Spontanion: Louise Hörl, Sebastian Gröner und Lena-Marie Popp (v.l.n.r.), Foto: Jakob Geißele Photography
"Ursprünglich hatten wir die Idee, dass man in der App zum Beispiel fürs Tennisspielen ein Match findet und danach geschaut wird, welchen Standort die beiden Personen angegeben haben und welche Tennishalle am nächsten ist. Dann kann die Halle Plätze anbieten, die zu jeglicher Uhrzeit noch freigeblieben sind, nachdem die Mitglieder gebucht haben", erinnert sich Lena. Durch die Kontaktbeschränkungen und den Lockdown light im November 2020 war dieser Ansatz allerdings schwierig umzusetzen. Deshalb legten die drei Studierenden ihren Fokus zunächst auf Individualsportarten im Freien, wie Laufen und Fahrradfahren.

Während der weiteren Entwicklung ihrer Idee bekam das Team hilfreichen Input vom Lehrbeauftragten des Moduls, Peter Mayer, und von möglichen Nutzern. "Er meinte früh, dass wir das Ganze auch schon ohne App umsetzen könnten, indem wir eine Umfrage erstellen. Und das haben wir dann gemacht. Wir haben versucht, alle Fakten abzufragen, die wichtig wären, wenn man sich in unserer fiktiven, noch nichtexistierenden App anmeldet", erzählt Popp. Zusätzlich zu dieser Umfrage führte das Projektteam Kundeninterviews, woraufhin sie den Ansatz noch einmal spezifizierten. "Erst nach der ersten Runde der Umfrage haben wir angefangen, die Sportarten einzuschränken, weil wir realisiert haben, dass die meisten Leute Läufer sind, die sich anmelden, und einen Trainingspartner suchen", erklärt Popp.

Preisträger beim Start-up-Weekend

Zur Weiterentwicklung der Umfrage und der Idee selbst nahmen Popp, Gröner und Hörl am Start-up-Weekend Ende November 2020 teil. "Am Freitagabend wurden wir gebeten, drei Prioritäten zu setzen. Die drei Sachen, die uns am meisten störten oder zurückhielten waren der Matching-Prozess selbst, eine Landingpage und, wie wir überhaupt Geld mit dieser Idee generieren könnten", erzählt Popp. Diese Probleme gingen sie dann während des Wochenendes an und erhielten in Mentoring-Sessions und Coachings wichtigen Input und neue Perspektiven. Den Abschluss des Start-up Weekends bildete die Pitch-Runde am Sonntagabend, bei der das Team von Sportanion den "Best Pitch Award" erhielt.

It's a match?

Die Startseite der Homepage von Sportanion. Der Name Sportanion setzt sich aus den Begriffen Sport und Companion zusammen.
Die Startseite der Homepage von Sportanion. Der Name Sportanion setzt sich aus den Begriffen Sport und Companion zusammen.
Damit die Nutzer von Sportanion einen geeigneten Laufpartner finden, werden sie - nach dem Prinzip von bekannten Dating-Plattformen  - "gematcht". Anders als beim Daten funktioniert der Matching-Prozess bei Sportanion nicht mithilfe eines Algorithmus, sondern durch die händische Arbeit von Louise Hörl. Sie zieht sich aus der Umfrage alle Daten in eine Datei und gleicht dann ab, welche Trainingspartner ein Match ergeben könnten. Gibt es ein Match bei Sportanion, fügt einer der drei Studierenden die beiden Matching-Partner in eine WhatsApp-Gruppe für die Terminfindung und betreut diese selbst. So können Popp, Gröner und Hörl die Kommunikation der Matches beobachten und herausfinden, was ein gutes Match ausmacht.

Dass dies, wie auch beim Dating nicht immer reibungsfrei läuft, musste auch das Sportanion-Team realisieren. "Inzwischen sind wir so weit gegangen, dass wir versuchen die Termine direkt in der Umfrage abzufragen, um den Nutzern nochmal einen Gefallen zu tun", erklärt Popp. Wenn die Nachrichten dann trotz der Terminvorschläge ausbleiben, liegt das nicht mehr in den Händen des Projektteams. Denn kommunizieren müssen die Matching-Partner selbst miteinander - wie beim Dating eben auch.

Corona - Fluch oder Segen für die Trainingspartner-Plattform

Auch die Auswirkungen und Beschränkungen der Corona-Krise macht dem Team zu schaffen. Obwohl Sportanion von vielen gut angenommen wurde, hat das Projektteam den Matching-Prozess momentan eingestellt. "Wir haben vor Weihnachten, aufgehört aktiv zu matchen, weil wir das mit dem Lockdown vom ethischen Standpunkt her nicht unterstützen konnten und haben das jetzt bisher nicht wieder aufgenommen", berichtet Lena-Marie Popp im März 2021. Auch wenn Sportanion bisher noch nicht unter außerhalb der Pandemie-Situation getestet wurde, sieht das Team die Möglichkeit, dass die Corona-Krise ihnen in die Karten spielt: "Unter normalen Umständen packst du deine Freunde und sagst: ‚Komm wir gehen!‘ Aber jetzt kann man nur mit einem Haushalt Sport machen. Das ist dann ein Sportpartner. Und das ist das, was wir versuchen mit Sportanion zu vermitteln", so Popp weiter.

Was die Zukunft bringt

Sobald die Situation sich etwas beruhigt hat und die Fallzahlen niedriger sind, will das Team die Idee wieder aufnehmen, einen Entwickler für das Team suchen, um die Idee  weiter voranzutreiben. "Die Landingpage soll neu aufgezogen werden und langfristig ist natürlich auch eine App geplant", erklärt Lena-Marie Popp. Man darf gespannt sein, wie es in der nächsten Zeit mit Sportanion weitergeht.

Jennifer Kögel

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