Auslandssemester

Anders, aber lohnenswert

Die Entscheidung für ein Auslandssemester ist gefallen, die Zusage erfolgt und eigentlich wären sie startklar. Jedoch hat Corona einigen Studierenden der Hochschule der Medien (HdM) einen Strich durch die Rechnung gemacht. Online-Kurse statt normaler Vorlesungen an der Partnerhochschule, virtuelles Kennenlernen statt Welcome-Week vor Ort. Drei Studierende haben erzählt, warum sich das virtuelle Auslandssemester trotzdem lohnt.

Yvonne möchte den Aufenthalt in Kanada gerne irgendwann wiederholen. Foto: Yvonne Schade
Yvonne möchte den Aufenthalt in Kanada gerne irgendwann wiederholen. Foto: Yvonne Schade
Yvonne Schade studiert im siebten Semester Online-Medien-Management an der HdM. 2019 nahm sie an der Summerschool an der Ryerson University teil und schnupperte die erste Brise kanadische Luft. Zwei Wochen, die sie überzeugt haben, für länger in Toronto studieren zu wollen. Ende März 2020 war klar: Das mit der kanadischen Luft wird nichts. Trotzdem entschied sich Yvonne, virtuell dort zu studieren. "Ich wollte unbedingt die Kurse machen und dachte mir, ich wähle den sicheren Weg und studiere eben virtuell im Ausland", erklärt sie ihre Entscheidung. Zusätzlich zu den drei Kursen in Kanada belegt sie seit März einen Kurs an der HdM.

Der Plan etwas Neues zu sehen, rauszukommen, andere Menschen kennenzulernen und dabei die Sprache zu verbessern, ist nur teilweise aufgegangen. Englisch sprechen muss Yvonne zwar auch in den virtuellen Vorlesungen, aber eben nur in diesen begrenzten Stunden. Kommilitonen wirklich kennenzulernen, wäre vor Ort natürlich einfacher. So geht der Kontakt oftmals nicht über ein schnelles Austauschen der Befindlichkeiten hinaus.

Ein Hörsaal der Ryerson University Toronto. Foto: Yvonne Schade
Ein Hörsaal der Ryerson University Toronto. Foto: Yvonne Schade
Yvonne ist sozusagen eine Stammstudentin an der Ryerson University. Zwei Terms und eine Summerschool liegen hinter ihr, vor Ort war sie leider nur wenige Wochen. Und dennoch würde sie wieder online im Ausland studieren. "Ich würde es auf jeden Fall empfehlen. Ich fand es gut, dass ich wieder selbstständiger arbeiten konnte. An der HdM gibt es viele Gruppenarbeiten."

Auslandssemester in den Niederlanden

Cornelius Ebmeyer studiert seit Februar virtuell an der The Hague University (Fachhochschule Den Haag). Er wollte sich das ganze erst einmal von zuhause ansehen. Denn wäre der Kurs nichts für ihn gewesen, hätte er noch in das Sommersemester an der HdM einsteigen können. Unter erschwerten Bedingungen wäre die Einreise in die Niederlande zwar möglich, doch derzeit möchte der Student der Medieninformatik erst einmal in Deutschland bleiben. "Ich habe gehört, dass die Wohnheime in Den Haag sehr leer sind. Vor Ort sitze ich dann vielleicht alleine im Wohnheim, kann die Stadt nicht erleben und lerne schwer Leute kennen. 500 Euro im Monat dafür zu zahlen, um das gleiche zu machen wie hier, sehe ich nicht ein", meint er. Da die mündliche Prüfung aber vor Ort an der Partnerhochschule stattfinden soll, ist vielleicht ein kurzer Aufenthalt im Nachbarland möglich.

Nach anfänglichen Startschwierigkeiten ist Cornelius froh, den Kurs belegt zu haben. Er kann viel daraus mitnehmen. Gerade hier sollte die Überlegung ansetzen, ob man sich vorstellen kann, virtuell im Ausland zu studieren, findet der Medieninformatiker. "Es hängt stark davon ab, mit welchem Ziel man in das Auslandssemester geht. Ein Erasmus-Urlaub wird es derzeit nicht, einen kulturellen Austausch gibt es kaum. Der größte Knackpunkt ist: Interessieren dich die Kurse, oder gibt es an der HdM Vorlesungen, die du spannender findest?" Cornelius nimmt nun erst einmal die Lehrinhalte der Partnerhochschule mit und plant im Masterstudium noch einmal ein Auslandssemester vor Ort.

Zweiter Anlauf

Die meisten Internationals des London College of Communication studieren derzeit virtuell und blieben in ihren Heimatländern. Foto: Rieke Ehrsam
Die meisten Internationals des London College of Communication studieren derzeit virtuell und blieben in ihren Heimatländern. Foto: Rieke Ehrsam
Rieke Ehrsam belegt am London College of Communication seit Februar wieder zwei Kurse. Die Einreise nach Großbritannien wäre zwar möglich, doch auch sie halten mehrere Gründe davon ab, in den nächsten Flieger zu steigen. Nach einem Test vor der Abreise und zehn Tagen Quarantäne würden zwei weitere Tests vor Ort folgen, die sie selbst zahlen müsste. Auch die Vorlesungen werden voraussichtlich bis zum Ende online stattfinden. "Insgesamt wären es für mich für die verbleibenden acht Wochen einfach sehr hohe Kosten", sagt die Public Relations Studentin, die zuvor auch schon virtuell an der Ryerson University studiert hat.
 Sie überlegt, mit dem Geld, das sie jetzt spart, im Sommer eine längere Reise zu machen - sofern es die Pandemie zulässt. Ganz abgeschrieben hat Rieke es aber noch nicht, nach London zu fliegen, sollten die Beschränkungen etwas gelockert werden

"Das Beste daraus machen"

Hinter den zwei gescheiterten Versuchen, im Ausland zu studieren, steckt viel Zeit, Mühe und Frustration. Trotzdem findet auch Rieke das virtuelle Auslandssemester von zuhause aus lohnenswert. "Die Online-Erfahrung ist auch wertvoll, man kann viel mitnehmen und lernt andere Sachen, als an der eigenen Hochschule. Man darf eben nicht mit der Erwartung reingehen, dass es wie ein reguläres Auslandssemester läuft, und macht einfach das Beste daraus."

Anna-Sophie Kächele

VERÖFFENTLICHT AM

14. April 2021

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Akademisches Auslandsamt

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