Informationsdesign

Die guten Ideen kommen mit der Föhnluft

Wer aufmerksam durch Stuttgart läuft, hat ihn vielleicht schon gesehen: Den Kleinen Regenbogen von Sarah Gilgien. Eine kleine Erinnerung daran, dass nach dem Regen immer wieder die Sonne scheint. Die freiberufliche Grafikdesignerin hat 2008 ihren Abschluss an der Hochschule der Medien (HdM) in Informationsdesign gemacht. Wie kam sie zur Selbstständigkeit und was würde sie ihrem Studentinnen-Ich jetzt raten?

Der Studiengang Informationsdesign feiert dieses Jahr zwanzigjähriges Bestehen. Sarah Gilgien hatte damals eine Anzeige mit dem Studienangebot in ihrem Gymnasium gesehen und war sofort fasziniert. Nach dem Besuch einer Informationsveranstaltung war klar, dass der Studiengang ihre erste Wahl wird. Nach der Absage versuchte sie es zwei Jahre später erneut und wurde angenommen. Während des Studiums machte sie sich viel Druck und hatte immer wieder das Gefühl, das Studium mit all seinen Anforderungen nicht meistern zu können. Heute würde sie ihrem Studentinnen-Ich das raten, was jetzt auch ihr bekanntestes Design veranschaulicht: "Alles wird gut. Entspann dich, Sarah!"

Sarah Gilgien träumt von einem Kinderbuch über den Kleinen Regenbogen. Foto: Nina Ehret
Sarah Gilgien träumt von einem Kinderbuch über den Kleinen Regenbogen. Foto: Nina Ehret
Als frischgebackene Absolventin war ihr nicht sofort klar, wohin es gehen soll. Nach dreieinhalb Jahren in einer Agentur stellt sie fest, dass sie immer unglücklicher wurde, weil sie zu viele Interessen hat, die sie in einer Festanstellung nicht verfolgen kann. Also wagt Sarah den Sprung in die Selbstständigkeit und folgt ihrer Leidenschaft für das Design und das Entwerfen individueller Papeterie.

Wie fühlt es sich an, seine eigene Chefin zu sein? "Die Selbstständigkeit bietet Selbstbestimmtheit und Flexibilität, birgt aber natürlich die Herausforderung, sich selbst motivieren zu können, und die Gefahr, bei Krankheit kein Einkommen zu haben. Ich bin die wichtigste Ressource, mir muss es gut gehen und davon ist alles abhängig", erzählt Sarah.

Nicht nur am Schreibtisch arbeiten

Um komplexe Lösungen in graphischer Form für Kunden anzubieten, ist Kreativität erforderlich. Wenn die fehlt, hilft Gilgien ein Tapetenwechsel. Die besten Ideen kommen der Grafikdesignerin immer, wenn der Föhn die Haare und Gedanken durcheinander pustet. Einen festen Arbeitsplatz hat Sarah Gilgien nicht. Denn am Schreibtisch zu arbeiten war noch nie ihr Ding, auch wenn ihr Arbeitszimmer Platz für das Packen von Bestellungen bietet. In ihrem Beruf sind der jungen Frau Empathie und der persönliche Austausch mit ihren Kundinnen und Kunden besonders wichtig: "Ich muss mich in sie rein fühlen, gut zuhören, was sie sich vorstellen und wünschen, und kommunikativ sein."

Nach dem Regen kommt auch wieder Sonne

Der Kleine Regenbogen ist ein Symbol der Hoffnung. Grafik: Sarah Gilgien
Der Kleine Regenbogen ist ein Symbol der Hoffnung. Grafik: Sarah Gilgien
In einer beruflichen Krise merkte Sarah, wie ihr die Kreativität immer mehr abhanden kam. Dann kam ganz unerwartet die Geburtsstunde des Kleinen Regenbogens. Mit schwarzer Acrylfarbe fängt sie an, einen Regenbogen zu malen, der später auf dem Bildschirm Farbe annimmt. Für Sarah Gilgien das Symbol, dass nach jedem Regenschauer die Sonne wieder strahlt und aus jeder Krise Hoffnung wachsen kann. Der Kleine Regenbogen wird zum Motiv auf Klebern, die sie an die Kassiererinnen und Kassierer verschenkt und in Stuttgart verteilt. Ein Sinnbild, auf das jeder nur zu warten schien, denn die Resonanz ist riesig. Immer mehr Menschen melden sich, um Sticker zu verteilen und bald schmückt der Regenbogen Jutebeutel, T-Shirts und Kaffeebecher. Den Erlös spendet die Selbstständige.

Das Symbol für ein tolerantes Stuttgart

Inzwischen ist der Kleine Regenbogen auch Symbol der Initiative #wirsind0711, mit der sich verschiedene Akteure in Stuttgart für eine tolerante und verantwortungsbewusste Stadt einsetzen. Er strahlt auf dem Cannstatter Wasen, dem Marienplatz und vor dem Stadtpalais. Was hält Sarah von der politischen Dimension, die ihr einst so kleiner Mutmacher eingenommen hat? "Mein Regenbogen stand schon immer für Gemeinschaft, das Füreinander und die Verbundenheit. Das sehe ich auch in dieser Initiative."

Anna-Sophie Kächele

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