Die Schätze des Mainzer Gutenberg-Museums

Demonstration des Gutenbergschen Druckverfahrens
Demonstration des Gutenbergschen Druckverfahrens
Während der Vorführung in der nachgebauten Druckerwerkstatt (Fotos: uhu)
Während der Vorführung in der nachgebauten Druckerwerkstatt (Fotos: uhu)

Während ihrer Exkursionswoche besuchten die Mediapublishing-Studierenden nicht nur Verlage, sondern auch das Gutenberg-Museum in Mainz. Museumsführerin Johanna Hein führte die Gruppe durch eines der ältesten Buch- und Druckmuseen der Welt und ging dabei detailreich auf die revolutionäre Technologie des Johannes Gensfleisch, genannt Gutenberg, und seinen Bibeldruck, aber auch auf die wichtigsten Werke aus der Zeit der Wiegen- und Frühdrucke ein.

Ein Besuch in der Druckerwerkstatt
Beeindruckend und gut demonstriert war die Druckvorführung im Untergeschoss des Museums. Den Studierenden wurde die frühe Technik des Buchdrucks zu Gutenbergs Zeiten - also Mitte des 15. Jahrhunderts - auf der rekonstruierten Druckerpresse vorgeführt. Gutenberg war nicht der Erfinder des Buchdrucks: Das älteste Buch, das aus beweglichen Lettern gedruckt wurde, ist hundert Jahre älter als Gutenbergs Bibel und entstand in Korea. Aber Gutenberg hat den Prozess des Druckens revolutioniert: Er fertigte aus hartem Metall für jeden Buchstaben und für jedes Satzzeichen eine erhabene, seitenverkehrte Form (Patrize) an, die dann in das weichere Kupfer ›abgeschlagen‹ wurde. Die so erzeugte Matrize (Gussform) musste nachbearbeitet werden.

Um seine Lettern gießen zu können, entwickelte Gutenberg ein Handgussgerät. Es bestand aus zwei Teilen, die man ineinanderschieben konnte und in welche die Matrize eingelegt wurde. In die Hohlform des Handgussgeräts wurde das auf ca. 300 Grad erhitzte Gussmetall eingegossen - eine ebenfalls von ihm entwickelte Legierung aus Blei, Zinn und Antimon, die sofort erstarrte. So entstanden einheitliche Lettern, die ein gleichmäßiges Druckbild ermöglichten.

Die neue Methode sparte Zeit und Kosten. Allerdings wurde zu Gutenbergs Zeit nur mit schwarzer Farbe gedruckt, da der Mehrfarbdruck noch zu aufwendig war und zu viel Ausschuss produzierte. Für die effektive und gleichmäßige Übertragung des Druckbilds auf das Papier war eine Druckpresse mit spezieller Ausrüstung nötig. Um den gesamten Prozess zu beschleunigen, entwickelte Gutenberg einen flachen und beweglichen Untertisch, auf dem die Bogen schnell gewechselt werden konnten.

Die Gutenberg Bibel und weitere Inkunabeln
Im Tresorraum des Museums im zweiten Stock konnten die Studierenden seltenste Druckerzeugnisse in geschützten Vitrinen bewundern - darunter zwei Exemplare der Gutenberg-Bibel. Beide sind auf Papier gedruckt; Gutenberg hat aber für 30 seiner vermutlich 180 Bibeln kostbares Pergament verwendet. Insgesamt haben sich bis heute 49 seiner Bibel-Exemplare erhalten, zehn davon auf Pergament gedruckt. Diese bestehen wegen der Stärke des Trägermaterials meist aus zwei oder drei Bänden. Typisch für alle Wiegendrucke (lateinisch: Inkunabeln) ist, dass sie sich typografisch stark an den zeitgenössischen Handschriften orientierten.

Die letzte Station des Rundgangs war die Ausstellung einer Vielzahl von Werken der Inkunabel- (bis 1500) und Frühdruckzeit (bis ca. 1530). So gab es den ersten gedruckten Atlas in deutscher Sprache zu bewundern, aber auch illustrierte medizinische Fachbücher, die zum Beispiel veranschaulichen, welche Waffen welche Wunde verursachten. Die hohe Kunstfertigkeit der frühen Druckwerke weckt beim Betrachter die Lust, diese Bücher in die Hand zu nehmen, sie zu fühlen und in ihnen zu blättern - aber das ist aus konservatorischen Gründen leider unmöglich.

aa063 und tb121

 

20. Juni 2018