»Mit Emotionen und Geschichten fesseln«

Agentur-Geschäftsführer Katja Hagen und Rainer Pollmeier, oben mit der Mediapublisherin Lisa Warth  (Fotos: vs061)
Agentur-Geschäftsführer Katja Hagen und Rainer Pollmeier, oben mit der Mediapublisherin Lisa Warth (Fotos: vs061)

Am 2. Juni machte sich eine Gruppe Mediapublisher auf den Weg nach Hamburg-Alsterdorf. Dort hat die inhabergeführte Agentur Hagen+Pollmeier ihren Sitz. Seit 2009 entwickeln hier die Geschäftsführer Katja Hagen und Rainer Pollmeier mit ihrem Team Print- und Onlineprodukte im Auftrag von Unternehmen.

In lockerer Atmosphäre wurde die Gruppe in Begleitung der Professoren Ulrich Huse und Dr. Okke Schlüter mit Getränken und den für Hamburg typischen Franzbrötchen empfangen. Die Gastgeber Katja Hagen, Rainer Pollmeier und der freie Journalist Torsten Meise - Partner von Hagen+Pollmeier - beantworteten offen und ehrlich die Fragen der Studierenden.

Ein kleines Team bietet viele Vorteile

Sowohl Pollmeier, der Publizistik und Kommunikationswissenschaften studierte, als auch Hagen - studierte Grafikdesignerin - arbeiteten zunächst in Verlagen, bevor sie sich vor sieben Jahren selbstständig machten. Mit einem vier- bis fünfköpfigen Team und einem deutschlandweiten Netz an freien Mitarbeitern produzieren sie hauptsächlich Publikumszeitschriften sowie Kunden- und Mitarbeitermagazine. Ein großer Kunde war beispielsweise die Versicherungsgruppe Ergo, deren Mitarbeitermagazin die Agentur entwickelte. Für das Sonderheft ›Ergo Pro Kompass‹ erhielten Hagen+Pollmeier gleich zwei Preise.

Solche Auszeichnungen dienen der Agentur als Aushängeschild und helfen, neue Kunden zu gewinnen. Aber auch für die Unternehmen ist eine kleine, inhabergeführte Agentur wie Hagen+Pollmeier attraktiv, weil sie durch das kleine Team sehr flexibel ist und gut auf den einzelnen Kunden eingehen kann. Pollmeier schätzt die geringe Größe des Teams ebenso, da durch die kurzen Wege Entscheidungen schneller getroffen werden können. Das kleine Team bringt auch mit sich, dass es keine klare Arbeitsteilung gibt, weshalb alle Mitarbeiter ein breites Spektrum an Qualifikationen mitbringen müssen. Inhaltliches und technisches Verständnis spielen ebenso eine wichtige Rolle wie die neuen Medien, was die Arbeit sehr vielseitig macht.

Anspruchsvolle Kunden in einem umkämpften Markt

Aber auch die Schwierigkeiten in der Branche wurden angesprochen. So muss beispielsweise viel Arbeit in meist unbezahlte Pitches gesteckt werden - eine Art Wettbewerb zwischen Agenturen, mit dessen Hilfe Unternehmen den geeigneten Dienstleister finden wollen.

Die Veränderungen in der Medienlandschaft zog viele Journalisten ins Corporate Publishing und mittlerweile ist die Konkurrenz unter den zahlreichen neuen Agenturen sehr groß. Auch größere Verlage wie Hoffmann und Campe sowie Unternehmen gehen mit der Zeit und haben eigene Corporate Publishing-Abteilungen aufgebaut. Dennoch hat das Outsourcing von Kunden- und Mitarbeitermagazinen an eine Agentur Vorteile für Unternehmen: Durch die Perspektive von außen können neue Impulse gegeben und Themen in die Mitarbeitermagazine eingebracht werden, die viele Mitarbeiter ansprechen. Allerdings geben manche Kunden den Inhalt trotzdem lieber selbst vor.

Die Anforderungen an Mitarbeitermagazine sind laut Katja Hagen sehr hoch: »Mitarbeitermagazine müssen genauso attraktiv wie Publikumsmagazine am Bahnhof sein.« Ein Mitarbeiter müsse wie der potentielle Leser einer Publikumszeitschrift vom Titel gefangen und zum Durchblättern verleitet werden, um dann an den für ihn interessanten Themen im Innenteil hängen zu bleiben. Aufgabe sei es, »mit Emotionen und Geschichten zu fesseln«.

Da das Geld keine so große Rolle spielt wie bei den Publikumszeitschriften, ist häufig eine besondere Ausstattung mit Features wie duftenden Farben oder Prägungen möglich, was den Produkten ein hochwertiges Aussehen verleiht - und die Arbeit reizvoll mache.

Bücher als Luxusprodukte

Obwohl Hagen+Pollmeier eher auf Print- als auf Onlinepublikationen spezialisiert sind, spielen die neuen Medien und Social Media eine große Rolle im Corporate Publishing - auch für Verlage. Diese werden sich in Zukunft immer mehr damit beschäftigen müssen, glaubt Pollmeier. Dennoch denkt er nicht, dass Printprodukte vollständig verdrängt und durch digitale Produkte ersetzt werden. Er veranschaulicht dies mit Hilfe eines Vergleichs: Früher besaßen viele Leute Pferde, weil sie als Arbeitstiere gebraucht wurden. Obwohl diese ihre Aufgabe verloren haben, gibt es heute immer noch viele Pferde, die zum Vergnügen gehalten werden. Ähnlich könnte es den Büchern in Zukunft gehen: Obwohl man einen Ersatz für gedruckte Bücher gefunden hat - in Form von digitalen Produkten -, werden sie nicht verschwinden, sondern als Luxusprodukte gekauft und geschätzt.

 

gm02, mm219


21. Juni 2016