mairisch – Unkraut vergeht nicht

Verleger Daniel Beskos, Prof. Ulrich Huse und MP-Studentin Laura Cüppers im mairisch-Ladenbüro (Foto: fm059)
Verleger Daniel Beskos, Prof. Ulrich Huse und MP-Studentin Laura Cüppers im mairisch-Ladenbüro (Foto: fm059)
»Räuberhände« von Finn-Ole Heinrich
»Räuberhände« von Finn-Ole Heinrich

Am vierten Tag der Mediapublishing-Exkursion nach Hamburg stand der Besuch beim Independent Verlag mairisch auf dem Programm. Empfangen wurden die Gruppe um Prof. Ulrich Huse im kleinen Eppendorfer ›Laden‹ des Verlags, der auch als Besprechungsraum dient. Dort waren allerlei mairisch-Produkte zu bestaunen: Bücher und Hörspiele sowie die Platten des Partnerlabels DevilDuck Records.

Was mairisch ausmacht

Der mairisch Verlag wurde 1999 von Daniel Beskos, Peter Reichenbach und Blanka Stolz in ihrer nordhessischen Heimat gegründet. Alle drei legen Wert auf hochwertige Gestaltung, gründliches Lektorat und eine langfristige, freundschaftliche Zusammenarbeit mit Autoren und Musikern. Sie veröffentlichen nur das, was ihnen am Herzen liegt, also nur ausgewählte Bücher. Zusammen mit dem Partnerlabel veranstaltet der Verlag ab und zu auch Konzerte in dem kleinen Laden, in dem sich dann bis zu 50 Leute drängen und einer Band zuhören - eine Brutstätte neuer Kontakte und Ideen. Rasch entwickelte sich ein spannender Austausch mit Daniel Beskos über die Weiterentwicklung des Buchmarkts und über den Werdegang des unabhängigen Verlags. Auch über die Entstehungsgeschichte und eigenwillige Namensgebung wurde gesprochen. Am Anfang habe man ganz klein zu Hause im Garten angefangen und Freunde ihre selbstgeschriebenen Kurzgeschichten vor Publikum vorlesen lassen. Diese Texte wurden eigenhändig zu kleinen Büchern gebunden und für ein paar Mark verkauft. Als die Oma zu ihnen sagte, sie sollten doch mit der nutzlosen Arbeit aufhören und lieber das ›Mairisch‹ (= Unkraut) ausrupfen, war der Verlagsname geboren: Kurz darauf wurde der mairisch-Verlag gegründet.

Warum mairisch Erfolg hat

Das kleine Team ist noch sehr jung, wirkt aber trotzdem schon sehr erfahren - schließlich gibt es den Verlag nun schon 17 Jahre. Auch wenn man seinen Autoren keinen Vorschuss bezahlen kann, bleiben die meisten doch gern bei mairisch, denn dort werden sie von Beginn an intensiv betreut und haben die Möglichkeit, bei allem mitzubestimmen. Beispielhaft berichtete Daniel Beskos über Erfolgsautor Finn-Ole Heinrich, der bei mairisch bereits mehrere Titel veröffentlicht hat - für den Jugendroman »Räuberhände« fuhr Beskos mit ihm nach Istanbul, um vor Ort für die Geschichte zu recherchieren. Der Roman wurde der bisher größte Erfolg des kleinen Verlags: In Hamburg schaffte das Buch es sogar, zum Deutsch-Abiturthema zu werden. Zu den Büchern des Verlags gibt es jeweils eine kostenlose E-Book-Version dazu; hierfür ist auf den ersten Seiten ein Barcode abgedruckt, mit dem man sich das E-Book bei Interesse herunterladen kann. Daniel Beskos ging auch auf das Problem mit der Mehrwertsteuer ein, da diese für E-Books und Print ja unterschiedlich hoch ist. Er hofft, dass diese Unterscheidung in Zukunft wegfällt, denn das würde das Geschäft mit elektronischen Büchern ein bisschen einfacher machen.

Indiebookday - Wie man unabhängige Verlage fördert

 

2013 hatte Daniel Beskos die Idee, einen ›Indiebookday‹ ins Leben zu rufen. Und weil diese Idee überraschend viele Mitstreiter fand, hat sie sich etabliert und findet seitdem jährlich statt. Wie am 26. März 2016, als alle Freunde eines bunten und vielfältigen Buchmarkts auf gerufen waren, in eine Buchhandlung ihrer Wahl zu gehen und sich ein beliebiges Buch eines unabhängigen/kleinen/Indie-Verlags zu kaufen. Danach sollten die Teilnehmer ein Foto vom Cover oder von sich selbst mit dem Buch online posten. So unterstützt der ›Indiebookday‹ kleine Verlage und macht viele Menschen auf die interessanten Programme unabhängiger Verlage wie mairisch aufmerksam.

 

iw020, cs221



21. Juni 2016