Seit 1848 Markenzeichen für Qualität, Handwerk und Innovation

Presse-Produktionsleiter Stephan Flisnik, Marketingleiterin Franziska Keck und CvD Christoph Schwarz (v. l.)
Presse-Produktionsleiter Stephan Flisnik, Marketingleiterin Franziska Keck und CvD Christoph Schwarz (v. l.)
Arbeitsatmosphäre im Newsroom (Fotos: jk144)
Arbeitsatmosphäre im Newsroom (Fotos: jk144)

Am Mittwoch, den 6. Mai 2015, besuchte die Exkursionsgruppe der HdM Die Presse, eine überregionale Tageszeitung in Österreich, die zur Styria Media Group gehört. Mit ihrer ›bürgerlich-konservativen‹ Blattlinie wurde sie, auch dank des engagierten Chefredakteurs Rainer Nowak, zur Redaktion des Jahres 2014 gewählt. Die Studierenden wurden von Franziska Keck, der Leiterin der Marketingabteilung, herzlich begrüßt und zu einem kleinen Imbiss eingeladen. Auch CvD Christoph Schwarz und Produktionsleiter Stephan Flisnik hatten sich Zeit genommen, den Mediapublishern von ihrer Arbeit zu berichten.

Die Hauptstadtzeitung zwischen Tradition und Moderne

Franziska Keck erklärte zunächst, wie sich Die Presse im Marketingumfeld bewegt und warum die Event-Sparte einen so hohen Stellenwert einnimmt. Als Beispiel nannte sie den ›EDUARD Education Award‹, bei dem Schüler die Möglichkeit erhalten, eine Titelseite zu gestalten. Dieser Wettbewerb geht 2015 in die vierte Runde. Gründe für die verstärkte Konzentration auf Events seien sowohl die geografische Situation in Österreich als auch die Zielgruppe. Der Großteil der Presse-Leser lebt in und um Wien und so könne man, trotz des nationalen Anspruchs als meinungsbildendes Medium, durchaus von einer Hauptstadtzeitung sprechen, deren Marke stets auf Neue gestärkt werden müsse.

Das Marketing auf digitalem Weg sei erst spät Bestandteil der Zeitung geworden, nicht zuletzt wegen der starken Verankerung in der Metropolregion Wien, denn – so Keck – »es braucht eigentlich keinen digitalen Weg, wenn die Leser auch persönlich erreicht werden können«. Bei allen Aktivitäten gehe es darum zu verdeutlichen, dass die Presse für ›Qualität, Handwerk und Innovation‹ stehe.

Der 360°-Redakteur als Mitarbeiter der Zukunft

Was unterscheidet Die Presse von anderen Zeitungen? Vor allem die monothematische Titelseite, erklärte Christoph Schwarz den Gästen aus Deutschland. Monothematisch bedeutet, dass nur ein Thema auf der Titelseite platziert wird, das aber auch noch auf Seite Zwei oder Drei fortgesetzt werden könne. Der in Deutschland bekannte Nachrichtenmix der Titelseite findet sich bei der Presse auf der letzten Seite. Der Chef vom Dienst thematisierte auch einen Begriff, der für die Zeitung substanziell sei: den ›360°-Redakteur‹. Da die Erstellung einer Ausgabe heutzutage nicht mit dem Schreiben der Artikel, sondern mit dem Layouten der Zeitung beginnt, benötige Die Presse Redakteure, die ihre Berichte zeilengenau abliefern, am besten auch selbst fotografieren, diese Bilder gleich bearbeiten und sich auch online sicher bewegen können. Natürlich sei das ein Ideal, aber es zeige, wohin Zeitungen wie Die Presse sich in Zukunft bewegen. 

Auf die Frage, warum es keine Pay Wall für die Online-Artikel der Presse gebe, meinte Schwarz, dass die Bereitschaft der Leser, für Content zu zahlen, nicht gegeben sei, vor allem nicht wenn es sich um reine Information handle. Kostenpflichtige Artikel müssten schon mehr bieten, also hintergründige, gut recherchierte Texte, Reportagen oder Ähnliches. Dafür benötige man allerdings gerade den Typus des ›360°-Redakteurs‹ und die Fokussierung auf einen ›Nutzwertjournalismus‹.

Nutzen erhöhen, Kosten senken, die Ruhe bewahren

Produktionsleiter Stephan Flisnik beschrieb schließlich, wie die Zeitung im Verlag hergestellt wird. Da Die Presse zur Styria Media Group gehört, bietet sich die Zusammenarbeit mit anderen Unternehmen der Gruppe an. Genau das, erklärte er, werde in Zukunft verstärkt erfolgen, um angesichts stagnierender Auflagen Kosten zu sparen. Nur so könne die Zeitung als Printprodukt überleben.

Der höchst informative Besuch bei der Presse endete mit einem Rundgang durch den Newsroom, wo Erich Kocina zwischen flimmernden Bildschirmen, klingelnden Telefonen und emsig umherlaufenden Kollegen anschaulich berichtete, wie sein Redakteursalltag aussieht. Die Studierenden zeigten sich beeindruckt, mit wie viel Engagement der stellvertretende Ressortleiter der Chronik seine vielfältigen Aufgaben – die Schwerpunktthemen Migration, Integration und Islam, das Ressort ›Leben‹ in der Presse am Sonntag und seine regelmäßige Kolumne am Montag – angeht und dabei scheinbar nicht aus der Ruhe zu bringen ist.

(fm047 / ab156)

19. Mai 2015