Aufsatz

Der schöne Schein der Monarchie

Analyse eines royalen PR-Bildes

Maria und Josef mit dem Jesuskindlein. Nein. Doch. Oh! Es sind Catherine, William und George. Zwei Hunde sind auch dabei, denn Schafe waren nicht verfügbar. Was hat das alles zu bedeuten? (Zeichnung nach Fotovorlage: Oliver Zöllner)
Maria und Josef mit dem Jesuskindlein. Nein. Doch. Oh! Es sind Catherine, William und George. Zwei Hunde sind auch dabei, denn Schafe waren nicht verfügbar. Was hat das alles zu bedeuten? (Zeichnung nach Fotovorlage: Oliver Zöllner)

Wie über­zeugt eine prä­moderne Staats­form wie eine Monarchie ihre Unter­tanen (und den Rest der Welt) von der Not­wendig­keit ihrer Exis­tenz? Welcher Art sind die dabei bedienten Metaphern und Dis­kurse? Prägnant einge­fangen wurde dies in einem als "pri­vater Schnapp­schuss" lancierten PR-Bild der britischen Herzogs­familie Cam­bridge, Prinz William mit seiner Frau Catherine und ihrem neuge­borenen ersten Sohn George. Diese Insze­nierung eines Pick­nicks ohne Essen analy­siert Oliver Zöllner in einem Beitrag für einen Tagungs­band zum Thema Bild- und Metaphern­forschung, der 2019 erschienen ist.

In einem Rekurs auf soziologische, medien- und kunst­wissenschaft­liche Ansätze legt Zöllner dar, welche Art von Herrschaft in dem schnell als "ikonisch" aufgefassten PR-Bild konstruiert wird und welche Posen des Erfolgs hierfür eingesetzt werden. Das analysierte Foto erscheint perfekt komponiert. Es ruft vielfältige Vor-Bilder auf: Fotos von Williams Eltern, Prinz Charles und Prinzessin Diana aus den 1980er-Jahren, deren heute erkennbare Tragik mit dem strahlenden Picknick­bild von 2013 überschrieben werden soll. Auch ähnelt das Foto von William und Catherine, den britischen Thronfolgern, unverkennbar einem religiösen Tafelbild von Maria und Josef mit dem Jesusknäblein. Man kann es als modernes Tafelbild des Medienzeitalters identifizieren: millionen­fach abgedruckt und gepostet, ubiquitär präsent. In seiner Bildrhetorik drückt dieses Foto den überzeitlichen und göttlichen Anspruch der Szenerie aus, also die Kontinuität der Dynastie Windsor mit einem geregelten Übergang von William zu George. Wir bleiben, sagen die Royals, und werden dazu von der Sonne beschienen. Doch der Beitrag macht auch deutlich, dass mit dieser Überhöhung und Sakralisierung gleichzeitig paradoxerweise eine Banalisierung bzw. Profanisierung der Monarchie einhergeht, die ihr auf lange Sicht nicht guttun wird.

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Oliver Zöllner (2019): Das Picknick von Bucklebury: ein Genrebild erfolgreicher Herrschaftsdiskurse im Medienzeitalter. Eine dokumentarische Analyse. In: Matthias Junge (Hrsg.): Das Bild in der Metapher. Bilder des Erfolgs – Bilder des Scheiterns. Wiesbaden: Springer VS, S. 89-115. ISBN: 978-3-658-24561-0. DOI: 10.1007/978-3-658-24562-7_7.


Erschienen in:

Das Bild in der Metapher. Bilder des Erfolgs – Bilder des Scheiterns
Auf den Seiten: 89-115
Autoren: Zöllner, Oliver
Hrsg.: Matthias Junge
Erscheinungsjahr: 2019
Verlag: Springer VS
Ort: Wiesbaden

Weiterführende Links:
https://link.springer.com/chapter/10.1007/978-3-658-24562-7_7


Autoren

Name:
Prof. Dr. Oliver Zöllner  Elektronische Visitenkarte
Forschungsgebiet:
Empirische Medienforschung, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Diplomacy
Funktion:
Professor
Lehrgebiet:
Medien-, Publikums- und Marktforschung, sozialwissenschaftliche Methodenlehre, Soziologie der Medienkommunikation, Digitale Ethik, Public Relations, Public Diplomacy, Nation Branding, Hörfunkjournalismus
Studiengang:
Medienwirtschaft (Bachelor, 7 Semester)
Fakultät:
Fakultät Electronic Media
Raum:
216, Nobelstraße 10 (Hörsaalbau)
Telefon:
0711 8923-2281
Telefax:
0711 8923-2206
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zoellner@hdm-stuttgart.de
Homepage:
https://www.oliverzoellner.de
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