Veranstaltungsbeschreibung

254044a Digitalität und Gesellschaft

Zuletzt geändert:15.11.2022 / Zöllner
EDV-Nr:254044a
Studiengänge: Medienmanagement (Master), Prüfungsleistung im Modul Empirische Medienforschung in Semester 1
Häufigkeit: nur WS
Unternehmenskommunikation (Master), Prüfungsleistung im Modul Empirische Medienforschung in Semester 1
Häufigkeit: nur WS
Dozent: Prof. Dr. Oliver Zöllner
Link zur Veranstaltung / zum E-Learning-Kurs: Das Passwort zur Einschreibung in den begleitenden Moodle-Kurs erhalten Sie von mir, nachdem Sie sich für den Kurs im Stundenplansystem eingeschrieben haben.
Sprache: Deutsch
Art: -
Umfang: 2 SWS
ECTS-Punkte: 2
Workload: 2 SWS / 2 ECTS = 60 Zeitstunden
Inhaltliche Verbindung zu anderen Lehrveranstaltungen im Modul: In this seminar participants will acquaint themselves with relevant theories and, more profoundly, research methods needed for analysing key aspects of digital society, digital living and digitality in general. The accompanying course "Empirical Research on Digital Society" (which is part of this module) will offer the opportunity to develop and "do" do your own empirical research projects.
Prüfungsform:
Bemerkung zur Veranstaltung: Teilnehmerbeschränkung Deutsch
Beschreibung: #SocialResearch #methods #FieldProjects #DigitalSociety
Dieses Seminar ist etwas für Neugierige. Es bietet eine Einführung in die wesentlichen Erhebungs- und Analysetechniken der quantitativ und/oder qualitativ orientierten empirischen Gesellschafts- und Medienforschung. Deren Verfahren und Methoden sollen für Fragestellungen aus dem Kontext der digitalen Gesellschaft bzw. der Digitalisierung zur Anwendung gebracht werden, und zwar nach eigenständigen Ideen der Teilnehmenden. Das kann und soll also durchaus auch Spaß machen.
Das Seminar vermittelt die wesentlichen methodischen Kenntnisse zur Durchführung von empirischen Studien z.B. mittels standardisierter Befragungen, Inhaltsanalysen, Gruppendiskussionen oder Tiefeninterviews: von der Entwicklung einer Fragestellung bis hin zur Ergebnispräsentation. Anhand eigener Projekte sollen die Teilnehmer zu kompetenter selbständiger Anwendung des Gelernten angeleitet werden. Ziel ist, am Ende methodisch so sicher im Sattel zu sitzen, dass eine empirisch orientierte Masterthesis dann nur noch ein Klacks ist.

→ Leitthema im WS 2022/23 ist "Gesundheit und Digitalisierung".
Nicht erst die Corona-Pandemie hat vielen Menschen vor Augen geführt, dass auch im Gesundheitswesen digitale Plattformen nutzenbringend sein können. Sie sind aber keineswegs ohne Nachteile oder Risiken. Ein Dauerbrenner in der öffentlichen Debatte ist die "elektronische Patientenakte" (ePA), die demnächst zaghaft getestet werden soll. Zum Einsatz kommende Praxissoftware hat oft ihre Tücken beim Daten­schutz und bei der Informations­sicherheit. Barrierearme Videosprechstunden mit Ärztinnen und Ärzten oder chatbotbasierte Sprachdialogsysteme sind für viele Patient:innen bis zu einer gewissen Grenze vorstellbar, doch nicht unumstritten. Die Auswertung von Patienten­daten mittels "Künstlicher Intelligenz" (KI) bzw. algorithmischer Datenanalyse verspricht überlegene Diagnosen und Risiko­erkennungen, doch auch hier sind u.a. Aspekte des Datenschutzes, der Fehldiagnosen oder möglicher algorithmischer Voreingenommenheit (bias) und Diskriminierungen sehr relevant. Pflegeroboter wirken derzeit noch fremd und möglicherweise unheimlich (uncanny), aber vielleicht sind sie eines Tages zumindest eine partielle Lösung des Pflegenotstands, lies: des Mangels an menschlichen Pflegefachkräften. Entsprechendes gilt für androide/humanoide Roboter, die als Interaktions-front end ärztliches Handeln begleiten, etwa bei einer Anamnese. Fitness-, Mental-Health- oder Zyklustracking-Apps erscheinen dagegen bereits recht "normal", sind aber in vielerlei Kontexten hoch problematisch. Und keineswegs banal erscheint die Neigung vieler Menschen, sich bei gesundheitlichen Problemen auf "Dr. Google" oder Apps zu verlassen - mit allen damit verbundenen Unwäg­barkeiten (medizinisches Personal kann ein Lied davon singen).
Was erwartet uns in der näheren Zukunft im Gesundheits­wesen unter den Schlagworten Digitalisierung, KI und Data Analytics? Wie erfolgt dort die Mensch-Maschine-Interaktion? Wie gestaltet sich die Erklärbarkeit von algorithmischen Black-Box-Entscheidungen? Wer trägt für letztere die Verantwortung, wie wird dies kommuniziert? Wie wollen wir Menschen mit Weiter­entwicklungen auf diesem Gebiet umgehen? Tragen Sie zu einem "guten Leben" bei? Welche neuen Fragestellungen sind damit verbunden?
So viel steht fest: Wir brauchen zur Formulierung und Beantwortung solcher und weiterer Fragestellungen ein Konzept jenseits eines denkfaulen technologischen Nihilismus (Gertz 2018). Wie könnte es aussehen? Expert:innen und Betroffene sollen uns im Kursprojekt empirische Hinweise geben.
Wir werden diesen und weiteren Fragen im Kurs empirisch nachgehen und Beobachtungen und Befragungen im Alltag von Menschen durchführen und anschließend auswerten. Im Mittelpunkt soll die Frage stehen, inwieweit Menschen bereit sind, digitale Anwendungen in ihrem persönlichen gesundheitsorientierten Handeln zuzulassen und einzubinden und inwieweit dies für sie einem besseren Leben bzw. einer besseren medizinischen Versorgung zuträglich ist. Dies sind im Kern ethische Leitfragen.

→ Lektüre zur Einführung:
Beiter, Rebecca et al. (2020): Fühlt sich das noch gut an? Ein quantitativ-qualitatives Forschungsprojekt zur Akzeptanz der Künstlichen Intelligenz im Alltag. Stuttgart: Hochschule der Medien [Download hier].
Bendel, Oliver (Hrsg.) (2018): Pflegeroboter. Wiesbaden: Springer Gabler [Download hier].
Coeckelbergh, Mark (2020): AI ethics. Cambridge, London: MIT Press [Link zum E-Book in der HdM-Bibliothek].
Ess, Charles (2020): Digital media ethics. 3rd ed. Cambridge, Medford: Polity Press [Link zum E-Book in der HdM-Bibliothek].
Gertz, Nolen (2018): Nihilism and technology. London, New York: Rowman and Littlefield.
Grimm, Petra / Keber, Tobias O. / Zöllner, Oliver (Hrsg.) (2019): Digitale Ethik. Leben in vernetzten Welten. Ditzingen: Reclam.
Manzei-Gorsky, Alexandra / von Hayek, Julia / Schubert, Cornelius (2022): Digitalisierung, KI und Gesundheit – Vorwort und Einleitung. In: dies. (Hrsg.): Digitalisierung und Gesundheit. Baden-Baden: Nomos, S. 5-18 [Download hier].
Schneider, Julia / Ziyal, Lena Kadriye (2019): We need to talk, AI. A comic essay on artificial intelligence. Berlin: Schneider [Download hier, CC BY-NC-SA 4.0].
Sonar, Arne / Weber, Karsten (Hrsg.) (2022): Künstliche Intelligenz und Gesundheit. Ethische, philosophische und sozialwissenschaftliche Explorationen. Stuttgart: Steiner [Download hier].
Stalder, Felix (2016): Kultur der Digitalität. Berlin: Suhrkamp.
Stetten, Moritz von (2022): Diskursanalyse. Digitalisierung des Psychotherapeutischen und digitale Therapiepraktiken. In: Block, Katharina / Deremetz, Anne / Henkel, Anna / Rehbein, Malte (Hrsg.): 10 Minuten Soziologie: Digitalisierung. Bielefeld: transcript, S. 45-57.
Voigt, Daniela (2022): Digitalisierung im Sozial- und Gesundheitswesen. Zukunftsnavigator für Sozial- und Gesundheitswesen. Wiesbaden: Springer VS [Link zum E-Book].

#internet #SocialMedia #society #culture #ethics

This seminar will look into the status of digital society, digital living, and issues that result from such processes of digitality. Participants will be observing what happens online (how we interact, how we display ourselves, how we maintain our privacy, how we shop, we we date, how we hate, how we rate, how we evaluate, etc.), will be reading articles, book chapters and books about the issues that are at stake (What does digitality do to us and to society?), and will be developing research questions of their own. The perspective of digital media ethics will play an important role in answering such questions: What is a flourishing life under the conditions of digitality?
To be able to answer this question, you will have to read at least *some* of the literature relevant to the field. Below please find a list for you to start dipping into discussions of digitality.


English Title: Digitality and Society
English Abstract: In this seminar participants will acquaint themselves with relevant theories, current thinking on digital society, digital living and digitality in general, and research methods needed in order to answer critical questions. The aim is develop competencies ansd skills for mastering the master thesis without being afraid of it.
#internet #social_media #society #culture
Literatur: Allgemeine Literatur zum Thema Digitalisierung und Gesellschaft:
Castells, Manuel (2010): The rise of the network society (= The information age: Economy, society, and culture, Vol. I). 2nd ed. with a new preface. Chichester: Wiley-Blackwell.
Böll.Thema (Heft 1/2018): "Digital is okay!" Schwerpunktheft zur Digitalisierung. Berlin: Heinrich-Böll-Stiftung [Download hier].
Ess, Charles (2020): Digital media ethics. 3rd ed. Cambridge, Medford: Polity Press [E-Book hier verfügbar],
Floridi, Luciano (2014): The 4th revolution: How the infosphere is shaping human reality. Oxford: Oxford University Press.
Gardner, Howard; Davis, Katie (2013): The App Generation: How today's youth navigate identity, intimacy, and imagination in a digital world. New Haven, London: Yale University Press.
Lanier, Jaron (2013): Who owns the future? New York, London: Simon & Schuster.
Meyer-Schönberger, Viktor; Cukier, Kenneth (2013): Big data: A revolution that will transform how we live, work, and think. Boston, New York: Houghton Mifflin Harcourt.
Morozov, Evgeny (2013): To save everything, click here: The folly of technological solutionism. New York: Public Affairs.
Müller, Michael; Grimm, Petra (2016): Narrative Medienforschung. Einführung in Methodik und Anwendung. Konstanz, München: UVK.
Zuboff, Shoshana (2019): The age of surveillance capitalism: The fight for the future at the new frontier of power. London: Profile Books.


Weitere Literatur finden Sie in der HdM-Bibliothek.
Internet: Zalta, Edward N.; Nodelman, Uri (eds.): The Stanford Encyclopedia of Philosophy. URL: https://plato.stanford.edu.
Standardisierte Umfragen lassen sich datenschutzfreundlich und kostenlos mit dem Tool "HdM Survey" durchführen. Feine Sache.
Eine Übersicht (teilweise frei) verfügbarer Transkriptions-Software gibt es hier: www.sosciso.de/en/software/datenumwandlung/transcription/. Könnte ja mal hilfreich sein.
Ebenso hilfreich ist die Übersicht angebotener QDA-Software (also für qualitative data analysis): www.sosciso.de/de/software/datenanalyse/qualitativ/qda/.
Die London School of Economics and Political Science hat eine ganz wunderbare Literaturliste/Bibliografie zum Thema "Digital Ethnography" zusammengestellt. Auf jeden Fall beachten!
Die Redereihe des Instituts für Internet und Gesellschaft müssen (ja: *müssen*) Sie sich anschauen: Making sense of the digital society.
Das Institut für Digitale Ethik (IDE) der Hochschule der Medien: www.digitale-ethik.de, sein Twitter-Account @DigitaleEthik und sein YouTube-Kanal "Digitale Ethik TV".
• 4TU.Centre for Ethics and Technology (TU Delft, TU Eindhoven, U Twente, U Wageningen, NL): http://ethicsandtechnology.eu
• International Center for Information Ethics (ICIE) am Zentrum für Kunst und Medientechnologie (Karsruhe): http://icie.zkm.de/