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Hochschule der Medien

IfaK

Helden und Hexen sind die beliebtesten "Medienfreunde" von Kindern

Ergebnis einer Untersuchung des Instituts für angewandte Kindermedienforschung der Hochschule der Medien Stuttgart

Helden, starke Kämpfer und Magier sind die beliebtesten Medienfreunde von Jungen in Deutschland. Mädchen identifizieren sich vorrangig mit Hexen, Zauberern oder Feen. Kennen gelernt haben sie ihre Medienfreunde vor allem im Fernsehen.

Das hat eine Untersuchung des Instituts für angewandte Kindermedienforschung (IfaK) der Stuttgarter Hochschule der Medien im Wintersemester 2003/2004 ergeben.

Die Medienforscher haben 1246 Kinder im Alter von drei bis 13 Jahren, darunter 650 Mädchen, nach ihren Lieblingsmedienfiguren gefragt. Die Befragung wurde in Stuttgart, umliegenden Mittel- und Kleinstädten in Bibliotheken, Schulen und Kindertagesstätten durchgeführt.

Da Kinder heute auf eine Vielzahl von Medienangeboten zugreifen können, teilen sich ihre Vorlieben auf eine beeindruckend große Zahl von Mediencharakteren auf: Jedes zweite Kind (660) nannte eine andere Lieblingsfigur. Etwa drei Viertel der Charaktere wurden nur einmal oder von maximal zwei Kindern genannt. Favoriten der drei bis 13-Jährigen sind Harry Potter und Bibi Blocksberg, gefolgt von Harrys Freundin Hermine, Pippi Langstrumpf und Yu-Gi-Oh.

Für 35 Prozent der Jungen sind Helden und starke Kämpfer die Figuren, an denen sie sich orientieren. Danach kommen Zauberer und Magier, vor Fussballspielern, Hitparaden- und Hollywood-Stars. Schräge Figuren wie "Bernd das Brot" oder "Sponge Bob" werden nur im Einzelfall als Identifikationsobjekt genutzt und eher als Freunde gewünscht. Mit Vatertypen wie Peter Lustig identifizieren sie sich nur selten. Mädchen orientieren sich vorrangig an Hexen oder Feen (40 Prozent). Klassische Mädchenbuchcharaktere wie "Hanni und Nanni" wurden deutlich zurückgedrängt. Hitparaden-Stars oder die Hauptdarstellerinnen von Soaps wie etwa Jeannette Biedermann oder Yvonne Catterfeld nennen 15 Prozent der Mädchen als Lieblingsfiguren. Mit Kämpferinnen oder mütterlichen Typen identifizieren sie sich fast nie. Auch Sportlerinnen, schräge Figuren wie "Mr. Bean" oder kluge Frauen werden nur im Einzelfall genannt.

Kennen lernen die Jungen und Mädchen ihre Freunde vor allem im Fernsehen. Etwa 30 Prozent der Lieblingsfiguren stammen aus Kinderserien, zum Beispiel "Sabrina" oder "Bob der Baumeister", "Wickie" und "Pippi Langstrumpf" oder "Yu-Gi-Oh". Zehn Prozent kommen aus Disney-Filmen ("König der Löwen") oder aus Vorabendserien, wie "Gute Zeiten, schlechte Zeiten". Ebenfalls zehn Prozent stammen aus Star-Such- und Casting-Formaten, Musik-Clips und Shows. Aber auch in Büchern entdecken zehn Prozent der Kinder ihre Lieblingsfiguren. Neben "Harry Potter" werden "Felix der Hase" oder "Der kleine Eisbär" genannt. Hörspielserien sind dagegen weniger wichtig (sieben Prozent).

"Kinder finden heute ein größeres Medienangebot vor und differenzieren stärker aus", erklärt Professor Dr. Horst Heidtmann, geschäftsführender Leiter des IfaK und verantwortlich für die Studie. Deshalb seien Kinder- und Jugendbibliotheken gefordert, die Interessen ihrer Nutzer vermehrt zu berücksichtigen und sich an den aktuellen Trends zu orientieren, so Heidtmann weiter. Wenn sie attraktiv sein wollten, müssten sie alle populären Medien und Formate anbieten. Auffallend fanden die Stuttgarter Forscher auch die deutlich gestiegene Beliebtheit von Hexen und Zauberern. "Omnipotenzvorstellungen können heute möglicherweise intensiver ausgelebt werden und auch die bei Kindern ohnehin angelegten Neigungen zum Narzissmus eher bestärken als kognitive oder soziale Kompetenzen zu fördern", vermutet der Kindermedienexperte.

Weitere Informationen zur Befragung stehen auf der Internetseite des IfaK unter www.ifak-kindermedien.de zur Verfügung.

VERÖFFENTLICHT AM

15. Dezember 2004

KONTAKT

Institut für angewandte Kindermedienforschung (IfaK)
E-Mailifak@hdm-stuttgart.de

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